Schon früh brechen Sascha und Markus an diesem Himmelfahrtsmorgen 2012 auf, um auf der Brockenstraße Norddeutschlands höchsten Berg zu besteigen. Es ist ihre erste gemeinsame Bergtour seit Saschas Uhnfall - und zugleich ihre schwierigste.
"Gipfelstürmer" erzählt von Schweiß und Tränen, von einer Liebe, die nicht einfach aufhört, nur weil man nicht mehr zusammen ist, von einer bedingungslosen Freundschaft - und von dieser einen Art Glück, die einen mit Haut und Haaren erfasst und eigentlich viel zu groß ist, als dass man es aushalten kann.
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Freundschaftsgeschichte über zwei Männer, die in der Vergangenheit vieles verbindet und trennt und die nun feststellen müssen: Was ist da noch Altes? Und wo müssen wir was Neues aufbauen?
Ich habe die Kurzgeschichten verteilt auf die letzten Jahre schon mal gelesen, jetzt das erste Mal in der richtigen Reihenfolge. Die drei Sascha-zentrierten Kurzgeschichten sind zwischen den beiden Romanen angesiedelt und verfolgen über den Lauf der drei Kurzgeschichten Saschas Entwicklung zurück ins Leben und die wieder stabiler werdende Freundschaft zu Markus. Ich habe die Reihe "Markus & Sascha Trilogie" genannt - ganz inoffiziell. Hier haben wir Teil 3.
Markus und Sascha sind Freunde. Beste Freunde. Ehemalige Freunde. Alte Freunde. Neue Freunde. Alles auf einmal. Sie haben viel hinter sich: Eine turbulente Jugend, ein gemeinsames Erwachsenwerden, ein Unfall, der beide traumatisiert hat, und eine langsame Annäherung. Nun wollen sie das machen, was sie früher schon gemacht haben: Nur auf eine neue, veränderte Weise. Sie machen eine Bergbesteigung und gleichzeitig müssen sie herausfinden: Was von dem Alten wollen wir behalten? Und wo sollten wir was Neues aufbauen?
Gipfelstürmer ist die längste Kurzgeschichte der Sascha-zentrierten Kurzgeschichten und die, die sich am meisten auf die Freundschaft zwischen Markus und Sascha fokussiert. Es ist eine komplexe Freundschaft, eine, die bewahrt werden muss - da sind sich beide Männer einig. Aber an die alten, stürmischen Zeiten können sie nicht einfach anknüpfen, und das nicht nur aus den offensichtlichen Gründen (Sascha ist für die Fortbewegung nach einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen und war vorher sehr sportlich), sondern auch aus Gründen, die nach und nach enthüllt werden. Sie sind einfach nicht mehr die Alten, haben sich verändert, sind gereifter, haben seelische Narben zurückbehalten - auch Markus.
Mich hat die Figur Markus bereits aus den vorherigen Kurzgeschichten berührt und auch die Freundschaft zwischen Sascha und ihm. Das hier ist ein Meilenstein in ihrer neu gefundenen (platonischen) Liebe zueinander und es macht Spaß, ihnen dabei über die Schulter zu schauen. Einige Szenen sind wunderschön geschrieben: Wenn Sascha Bilder von Markus macht, als dieser im Fluss herumläuft - wie sehr ich das geliebt habe. Wenn Markus hinter Sascha steht, ihm erlaubt, sich auszuruhen - wow, wie intensiv. Wenn Sascha Markus erlaubt, ihm zu helfen - was für eine Entwicklung für Sascha und was eine wichtige Annäherung zu Sascha.
Ich mochte die Kurzgeschichte auch deswegen sehr, weil sie etwas länger war, und weil Sabine Nagel sich intensiver mit den Figuren und der Beziehung untereinander beschäftigt. Ich möchte die Kurzgeschichten allen empfehlen, würde aber unbedingt auch empfehlen, die anderen Geschichte vorher zu lesen (Roman: Weil du es bist) und die beide anderen Kurzgeschichten. Ich glaube, es ist gut, wenn man Sascha und Markus schon etwas besser kennt.
Danke an Sabine Nagel, die uns diesen Einblick gegeben hat. Ich muss zugeben, ich hatte die Kurzgeschichten unterschätzt, aber bei meinem nächsten ReRead, werde ich sie direkt zwischen den beiden Romanen lesen. Der Einblick in Saschas POV ist wichtig und eine sehr wichtige Ergänzung zu Fredis POV in den Romanen. Und Markus möchte ich nicht mehr missen.
Ich vergebe 4,5 Sterne von 5 und freue mich auf weitere Geschichten der Autorin.
Bewertung
aus Ludwigsburg
5/5
23.06.2022
Buch (Taschenbuch)
Beeindruckend und großartig!
„Wir machen es wirklich. Und Markus wird an meiner Seite sein.“ Das sind zwei Sätze aus dem ersten Absatz im Buch „Gipfelstürmer“ von Sabine Nagel.
Sascha und Markus sind Freunde seit der Kindergartenzeit. Die Besteigung des Brockens reiht sich in eine Vielzahl von Abenteuer ein, die die beiden jungen Männer gemeinsam erlebt haben. Und doch ist diesmal alles anders. Denn Sascha sitzt seit einem Sturz im Rollstuhl. Der Weg zum Gipfel ist für ihn viel mehr als nur die Bezwingung eines Berges. Es ist ein Weg voller Emotionen, Erinnerungen, Gedanken und Tränen. Ein Auseinandersetzen mit sich und der Erkenntnis, dass Hilfe anzunehmen keine Schwäche, sondern eine große Stärke ist. Sabine Nagel verwebt die Stunden des Aufstiegs, das Reden und Schweigen ebenso wie die Gedanken und Gefühle Saschas in eine spannende Geschichte, die ich nicht wieder aus der Hand gelegt habe, bis ich mit ihm wieder auf dem Weg zurück zum Auto war.
Saschas Schicksal, sein Kampf nach dem Unfall und auch das Annehmen seines neuen Lebens, das ihm mal mehr und mal weniger gut gelingt, sind glaubwürdig und klar beschrieben. Beim Lesen habe ich mit ihm gefühlt, gebangt und auch geweint. Ich habe gelächelt und war voller Glück.
Sabine Nagel hat in diesem kurzen Roman die gesamte Gefühlspalette gemischt und das Bild, das dabei entstanden ist, ist beeindruckend und großartig!
Bewertung
5/5
28.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Wunderbare Geschichte
Die Kurzgeschichte „Gipfelstürmer“ ist eine in sich abgeschlossene Episode aus dem Leben von Sascha, einem der Protagonisten aus Sabine Nagels Roman „Weil du es bist“. Ich kannte den Roman nicht und konnte mich dennoch mühelos in die Geschichte begeben.
Erzählt wird darin der Anstieg des Brocken durch Sascha zusammen mit seinem Freund Markus. Über Gedanken und Gespräche erfährt der Leser, daß Sascha seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Der Ausflug wird eine intensive Erfahrung für jeden einzelnen und auch für ihre Freundschaft. Ich habe die beiden in Sabine Nagels Kurzgeschichte tief bewegt begleitet.
Es ist Saschas Sicht, die den Ausflug in Worte fasst, lebensnah formuliert durch die Autorin. Die einzelnen Phasen erscheinen mir gut durchdacht, wie ein ganzes Buch, sodaß der Leser mit jeder Kurve bis zum Ende, oder bis zum Gipfel, die Veränderungen in Sascha und Markus erlebt. Saschas Behinderung mit all ihren Facetten wird in vielen der geschilderten Situationen konkret erlebbar.
Jeder Weg, jede Kurve auf dem Weg im Harz, hinauf auf den Brocken, ist genau und schön beschrieben, läßt den Wunsch aufkommen, den Anstieg selbst einmal zu erleben.
Obwohl die Sprache einfach gefasst ist, gleitet sie nie ins Seichte. Tiefe Gefühle und bittere Erfahrungen werden so klar und wunderbar treffend geschildert, doch nie sentimental, nur menschlich berührend. Jedes Wort sitzt, jede Formulierung erschien mir so passend, daß ich die Geschichte nicht aus der Hand legen mochte, bis zum Ende.
Im Internet findet man Sabine Nagels Werke im Bereich „Jugend“ und „Junge Erwachsene“ angesiedelt. Durch die einfache, klare Sprache mag das stimmen und doch wird die Kurzgeschichte sicher jeden mit der geschilderten Erfahrung der beiden Protagonisten ergreifen. Für mich gehört die Erzählung in die Rubrik Buchperlen und ich gebe eine klare Leseempfehlung mit 5 Sternen.
Ich danke Sabine Nagel ganz herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
P.B.
5/5
28.05.2022
Buch (Taschenbuch)
Das volle Lesevergnügen auf wenigen Seiten
Eine wunderschöne Kurzgeschichte über Freundschaft, Liebe und die Kraft, seine eigenen Grenzen zu überschreiten, unter gewissen Umständen aber auch zu akzeptieren. Nachdem ich schon von ihrem Roman "Weil du es bist" total begeistert war, hat Sabine Nagel mich auch mit diesem Spin-Off komplett überzeugt. Die Autorin schafft es, ihre Leser*innen von der ersten Seite an mitzunehmen und auch auf wenigen 45 Seiten voll mitfühlen und mitleiden zu lassen. Ich war mit da auf der Brockenstraße, habe die Steigungen gefühlt, Saschas unbedingten Willen, seinen Kampfgeist und diese unmenschliche Kraftanstrengung den Gipfel zu erreichen gespürt.
Emotional, mitreißend und zutiefst berührend. Eine absolute Leseempfehlung, auch wenn man den Roman und die ersten beiden Kurzgeschichten dazu noch nicht kennt. Aber man wird sie nach "Gipfelstürmer" sicher noch kennenlernen wollen.
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