Woher kommt Moral und wie zeigt sie sich heute? Moderne Gesellschaften sind Krisengesellschaften: Universelle Werte sind erodiert, eine allgemeingültige Moral scheint für immer der Vergangenheit anzugehören. Doch der Schein trügt: Tatsächlich gibt es universelle Werte, die alle Menschen miteinander teilen. Hanno Sauer erzählt die Geschichte unserer Moral von der Entstehung menschlicher Kooperationsfähigkeit vor 5 Millionen Jahren bis zu den jüngsten Krisen moralischer Polarisierung. Und er beschreibt, welche Prozesse biologischer, kultureller und historischer Evolution die moralische Grammatik formten, die unsere Gegenwart bestimmt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
rolfjoanna
aus Arbon
5/5
24.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
warum wir so denken
Ich habe mir die 400 Seiten „genehmigt“ und bin nicht enttäuscht worden. Sehr fundierte Analysen vergangener und zukünftiger Moralvorstellungen. Gründe, warum wir so denken und wie wir heute ticken. Sehr empfehlenswert, gut zu lesen.
Sandra von Siebenthal
aus Romanshorn
5/5
03.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Moral - was sie ist undwas sie kann
Inhalt
«Denn wer in einer Gesellschaft lebt, grenzt andere aus; wer Regeln versteht, will diese überwachen: wer Vertrauen schenkt, macht sich abhängig; wer Wohlstand erzeugt, schafft Ungleichheit und Ausbeutung; wer Frieden will, muss manchmal kämpfen.»
Unsere Gesellschaft hat sich über die Jahrhunderte hinweg verändert, neue Institutionen, Technologien, Wissensgebiete und -bestände sind entstanden und mit ihnen haben sich auch unsere Werte und Normen verändert. All diese Veränderungen haben das Verhalten der Menschen als Einzelne und als Gesellschaft verändert. Wir stehen vor der Aufgabe, mit diesen Veränderungen umzugehen und immer wieder Wege zu finden, die ein Miteinander möglich machen.
Hanno Sauer macht sich auf die Reise durch die Jahrtausende, er zeichnet die Geschichte der Gesellschaft und ihrer kulturellen und moralischen Entwicklung nach, um die aktuelle Krise zu erklären und aus dieser Erklärung heraus Hoffnung für die Zukunft abzuleiten.
Gedanken zum Buch
Moral ist immer eine konventionelle Entscheidung darüber, was zu einer Zeit an einem Ort von der entscheidenden Mehrheit als gut oder böse, als richtig oder falsch gesehen wird. Daraus ergeben sich dann die entsprechenden moralischen Normen, die für das Zusammenleben verbindlich sind. Diese Normen entstehen also nicht im luftleeren Raum, sondern sie fussen auf dem menschlichen Naturell und dessen Handlungmotivationen, auf Werten und Interessen.
«Als kooperativ wird ein Verhalten genau dann bezeichnet, wenn es das unmittelbare Selbstinteresse zugunsten eines grösseren gemeinsamen Vorteils zurückstellt.»
Menschen sind soziale Wesen, die allein und ohne Zugehörigkeit zu einer Gruppe kaum überleben können, zumal sie von Natur ziemlich verletzlich und damit auf Schutz angewiesen sind. Das Zusammenleben in einer und das Überleben einer Gruppe ist auf Kooperation angewiesen. Der Einzelne muss seine eigenen Interessen zugunsten des grossen Ganzen zurückstellen.
«Strafen halfen dabei, uns zu domestizieren, weil wir durch sie wichtige Fähigkeiten wie Selbstkontrolle, Fügsamkeit, Weitsicht und Friedfertigkeit erlernten, die ein Leben in wachsenden Gruppen möglich machten.»
Bei aller Einsicht in die Vorteile von gemeinsamen Normen und kooperativem Verhalten sind nicht immer alle bereit, sich auch daran zu halten, weil sie sich aus von diesen abweichenden Handlungen Profit versprechen. Um den Rest der Gruppe und damit auch das Zusammenleben zu schützen, hat man Sanktionen erfunden, welche das gemeinschaftsgefährdende Verhalten sanktionieren.
«Imperativ der Integration: Moderne Gesellschaften haben sich gefälligst zu bemühen, ererbte Formen sozialer Segregation und Benachteiligung durch aktive Inklusionsmassnahmen endlich zu überwinden.»
Man hört oft von der Krise der Gesellschaft und davon, dass diese gespalten sei. Rassismus, Sexismus und andere -ismen gefährden ein gerechtes Miteinander von verschiedenen und doch gleichwertigen Menschen. Unsere Anstrengung muss dahin gehen, diese Diskriminierungen und Ausgrenzungen zu überwinden. Die Hoffnung, dass das gelingen kann, besteht.
Fazit
Ein fundiertes, tiefgründiges, kompetentes und dabei doch gut lesbares Buch darüber, wie die Moral in die Gesellschaft kam, wozu sie gut ist, und wohin wir mit ihr gelangen wollen als Gesellschaft. Eine absolute Leseempfehlung für dieses grossartige Buch!
Bewertung
5/5
29.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sachbuchpreisnominierung 2023
Was ist Moral? Seit wann gibt es diese? Ist Moral überall gleich?
Diese und andere Fragen versucht Hanno Sauer in seinem lesenswerten Buch zu beantworten. Dafür geht er weit in die Geschichte zurück und nimmt uns mit auf seine "moralische" Reise.
Wir müssen keine Theologen oder Philosophen sein, um an diesem gut geschriebenen Buch Spaß zu haben.
Wir lernen viel über Moral und die Sichtweisen darauf und haben am Ende des Buches das Gefühl: jetzt wissen wir mehr!
Juti
aus HD
2/5
16.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was ich immer schon mal sagen…
Was ich immer schon mal sagen wollte Das Buch des jungen Philosophieprofessor hat mich anfangs beglückt, doch je länger ich es las, desto froher wurde ich, dass es endlich zu Ende war. Aufmerksam wurde ich durch die Empfehlung von Ijoma Mangold bei lesenswert, doch nach der Lektüre wundere ich mich doch sehr, wie er „Moral“ gelesen hat. Das Inhaltsverzeichnis täuscht eine historische Entwicklung vor, die aber nur rudimentär eingehalten wird. Zwar geht es anfangs vor 5 Millionen Jahren um die Unterschiede zwischen Menschen und Affen, doch bin ich mir nicht sicher, ob der von Mangold erwähnte „homo erectus“ überhaupt vorkommt. Der Autor betont vielmehr, dass der Mensch sich mit fremden Artgenossen stundenlang in ein Flugzeug setzen kann, während dies bei Schimpansen im Chaos enden würde. Der Mensch zieht Nutzen aus der Fähigkeit von Zusammenarbeit. Und wer dies als Trittbrettfahrer ausnutzt, wird bestraft, was das 2. Kapitel behandelt. Bis dahin war ich zufrieden, auch wenn ich manche steile These – wie die Behauptung, dass der Mensch aus Afrika komme, so zu behandeln sei, wie jemand, der seinen verlorenen Schlüssel nachts unter der Laterne suche, weil er dort am besten sehen kann – in Frage stelle. Im 3. Kapitel geht im dann die Puste aus. Vor 50.000 wird dann der Mensch als solches definiert. Auf die erwartete landwirtschaftliche Revolution wird nur am Rande eingegangen. Und dass Sauter von Religion nicht viel hält, macht er bald in jedem Abschnitt klar. Vor 5.000 Jahren käme dann mit der Landwirtschaft die Ungleichheit ins Spiel. Dass kein Mensch dem andern gleicht, weil wir unterschiedliche Talente und Fähigkeiten haben, vergisst er. Dann folgt im 5.Kapitel die Definition von „Weird“ – Menschen : western, educated, naturalized , rich, democratic, was er im folgenden als seltsame Menschen betitelt. So kann man auch das Wirken der Aufklärung herabwürdigen. Sein schriller Ton wie er Leibniz in Form des Lehrers Pangloss abkanzelt, gefällt mir überhaupt nicht: „Dass eine bessere Welt nicht einmal denkbar sein sollte, gehört zu dem baren Unsinn, den zu produzieren die großen Philosophen immer schon ein besonderes Talent hatten.“ (232) Später bestreitet er noch, die These das Geld nicht glücklich mache, wo ich mich selbst als Gegenbeispiel einbringen würde. Seine aktuelle politischen Aussagen sind so, dass er nichts Neues schreibt und die „Cancel Culture“ als Begriff der Gegenseite abtut. Erst im Schussteil konnte ich den indonesischen Stämme etwas abgewinnen. In einem Stamm müssen die Jungen die Alten zur Mannwerdung oral befriedigen, was ein anderer Stamm entschieden ablehnt. Aber dafür müssen seine Jungs anal ran. (345) Nein, der vorgetäuscht historische Aufbau hinterlässt keine klare Linie und hat nur wenig Neues zu bieten. Mehr als 2 Sterne geht leider nicht.
Für meinen Geschmack etwas zu aufgeräumt präsentiert sich diese Geschichte von Gut und Böse. Entlang hübsch angeordneter Zeitmarken wird ein breites Spektrum an Themen und Konzepten schwungvoll und meinungsstark referiert. Über weite Strecken bietet das Buch dabei mehr Biologie, Anthropologie und Kulturgeschichte als Philosophie. Dies abgerechnet bleibt eine sehr informative Reise durch die Menschheitsgeschichte, die viele Denkanstöße gibt.
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