»Ein Meisterwerk … Wie Diaz Kapital und Leben verknüpft und Eis zu Glut macht, ist einzigartig.« Der Spiegel
»Treue« ist ein fulminantes Spiel mit dem Leser, eine vierteilige Matroschka, deren Kern den großen amerikanischen Mythos vom Kapital für immer verändert. Was als klassischer Roman über Macht und Männer beginnt, gipfelt in einer provokanten und hochmodernen Geschichte der Emanzipation.
Am Anfang steht das Geld. Und ein Mann, der es zu vermehren versteht wie kein Zweiter. In der schillernden New Yorker Finanzwelt der 20er-Jahre wächst Benjamin Rasks Vermögen ins Unermessliche. Aber erst seine Ehe mit der geheimnisvollen Helen gibt seinem Leben Sinn. Bald vibriert die ganze Stadt vor Gerüchten um das enigmatische Paar, und mit der Zeit beginnen die vielen Erzählungen die Wahrheit über die Eheleute zu verschleiern. Bis sich eine unerwartete Stimme in dem Gewirr Gehör verschafft.
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Von Bären und Bullen Der Roman «Treue» des amerikanischen Schriftstellers Hernan Diaz erinnert in seiner Thematik vom unermesslichen Reichtum entfernt an Fitzgeralds berühmtes Buch, ohne allerdings wie im «Gatsby» einer naiven Romantisierung des Geldes zu erliegen, ganz im Gegenteil. In vier Büchern erzählt der Autor seine ähnlich wie eine russische Matrjoschka konstruierte Geschichte vom Mythos des großen Geldes, das in der Heimat des Turbo-Kapitalismus einen schon fast religiösen Stellenwert einnimmt. Mit der formalen Verschachtelung seines Romans geht der Autor ein stilistisches Wagnis ein, das er dank seiner Erzählkunst zu einem spannenden Leseerlebnis werden lässt, trotz dem an sich ja eher trockenen Szenario an der Wertpapierbörse. Im ersten Buch ist unter dem Titel «Verpflichtungen» ein Schlüsselroman von Harold Vanner enthalten, dessen Geschichte vom atemberaubenden Aufstieg des Spekulanten Benjamin Rusk in der schillernden Finanzwelt im New York der 1920er Jahren spielt. Mit seinem ererbten Vermögen gelingt es dem Finanzjongleur auf fast schon unheimliche Weise, aus Hausse und Baisse in den vorhergehenden Krisenjahren, aber speziell auch beim großen Börsencrash von 1929, ungeheure Profite an der Wall Street zu erzielen. Zwei Eigenschaften sind in Kombination das Geheimnis seines Erfolgs, sein mathematisches Können und seine Intuition. Der in sich gekehrte Mann kennt nur die Arbeit, meidet jeden Kontakt zu Menschen. Nur zufällig und völlig unbeabsichtigt trifft der Junggeselle auf Helen, eine faszinierende, blitzgescheite junge Frau, und heiratet sie spontan. Die Ehe bleibt kinderlos, und er ermöglicht seiner Frau ohne Zögern, seinen unerschöpfbaren Reichtum großzügig für wohltätige Zwecke und Spenden einzusetzen. Außerdem fördert Helen Rusk verschiedenste Künstler, veranstaltet in ihrem prachtvollen Palais Konzerte und Lesungen und lädt prominente Persönlichkeiten zu Vorträgen ein. Ihre äußerst lebhafte Art wächst sich später zu einer psychischen Erkrankung aus, die letztendlich einen Klinikaufenthalt in der Schweiz erfordert. Sie wird mit ganz neuen Medikamenten experimentell behandelt und stirbt daran. Als Pastiche angelegt, folgt im zweiten Buch unter dem Titel «Mein Leben», mit einem Vorwort vom Juli 1938, die teilweise noch als Manuskript vorliegende Autobiografie von Andrew Bever, einem an der Wertpapierbörse steinreich gewordenen Mann. Der Witwer schildert seinen Werdegang als Financier, beginnend bei seinem Urgroßvater, der die Banker-Dynastie der Bevers begründet hat. In seiner Erzählung geht er sehr ausführlich auf seine Methoden ein, die er vor dem wohlfeilen Verdacht bewahren will, nur zynisch auf Geldgier zu gründen. Im dritten Buch schildert unter dem Titel «Erinnerte Memoiren» die Journalistin Ida Partenza als Siebzigjährige, wie sie als junge Stenotypistin von dem Finanzmagnaten Bevel engagiert wurde, quasi als Co-Autorin, letztendlich aber allein, seine Autobiografie zu schreiben. Ihm ging es darum, das falsche Bild zu korrigieren, das ein Schlüsselroman von Harold Vanner von ihm und seiner Frau gezeichnet hatte. Nicht nur, dass er juristisch alles unternahm, gegen das missliche Buch vorzugehen, er lies auch alle noch vorhandenen Exemplare aufkaufen und vernichten. Im letzten Buch folgt unter dem Titel «Vereinbarungen» das Tagebuch von Mildred Bevel, in dem die Fäden des raffinierten Plots zu einem überraschenden Ende verbunden werden. Hernan Diaz erzählt seine multi-perspektivische Geschichte literarisch gekonnt und sprachmächtig in einer geschliffenen, anspruchsvollen Diktion. Seine Figuren sind anschaulich beschrieben, wobei die seelische Kluft zwischen einseitig dem schnöden Mammon verfallenen Spekulanten, den Bären und Bullen der Börse, und ihren musisch veranlagten, weltoffenen Frauen überaus markant gezeichnet ist. «Treue» ist ein Roman, der beweist, dass man über Geld wider Erwarten sehr wohl eine spannende und bereichernde Geschichte erzählen kann.
Edith Berger
5/5
09.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
ungemein großes, elegantes Lesevergnügen
Es sind die 20er Jahre in New York. Ein ausuferndes, unruhiges, flirrendes Zeitalter. Andrew Bevel weiß das wie kein anderer zu nutzen. Seine Börsengeschäfte sind auch dann lukrativ, wenn sie für andere den Ruin bedeuten. Besonders dann vermag er seinen Reichtum ins Unermessliche zu vermehren. Helen, Andrews Ehefrau beschäftigt sich ausschließlich mit Kunst. Sie lädt zu Hauskonzerten und Lesungen im kleinen Kreis und unterstützt KünstlerInnen und künstlerische Aktivitäten wo immer es ihr möglich ist. Die Zurückgezogenheit des Paares gibt Anlass zu vielen Spekulationen. Neben tiefer Bewunderung für das Finanzgenie und seine geheimnisvolle Frau entstehen auch bösartige, missgünstige Gerüchte.
literatur.phantast
aus Nürnberg
5/5
29.05.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hernan Diaz' großer Wurf?!
Nach seinem Roman "In der Ferne" kam nun sein neues Buch "Treue" und erhielt kürzlich den begehrten Pulitzer-Preis. Schon mit seinem ersten Buch konnte Diaz mich überzeugen, ohne mich total zu begeistern. Auch "Treue" schließt sich dem ganzen an, wenngleich wir hier eine gänzlich andere Geschichte zu lesen bekommen. Dabei ist "Treue" ein wunderbar intelligenter und interessanter Roman der die Lesenden auf seine ruhige, subtile Art und Weise in den Bann ziehen kann.
Die Geschichte ist in vier Teile aufgeteilt und erst beim dritten Teil verstand ich den Zusammenhang. Dabei geht es hier um das große Geld, die Börse, um Geheimnisse und wer entscheidet eigentlich welche Geschichte erzählt wird bzw wahr ist?!
Mir hat auch dieses Buch sehr gut gefallen ohne Begeisterungsstürme auszulösen. Ich werde auch sicher sein nächstes Buch lesen. 4.5 Sterne
Bewertung
5/5
06.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
... ein Blick auf große Börsengeschäfte
Hernan Diaz verschafft uns hier einen interessanten Blick auf die großen Geldgeschäfte und hinter die Kulissen großer Börsenvorgänge Amerikas in den 1920er Jahren. Dabei wird aus verschiedenen Perspektiven auf den einen großen, einflussreichen Finanzier und dessen Frau geblickt - so unterschiedlich kommen dabei die beiden weg. Was für ein spannendes wie auch ergreifendes Spiel und eine unbedingte Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
30.08.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kurioses Stück Literatur, bei...
Kurioses Stück Literatur, bei der man erst absolut Mindblown ist über die Reflektion der zwischenmenschlichen- und geschlechtlichen Beziehungen und dann eine Karrikatur davon liest auf eine Art, wie sie nur beim aktuellen Irrsinn der Welt stattfindet. Wow.
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5/5
29.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Matroschka des Kapitalismus'
Ein Roman, der sich selbst demontiert und dabei nie in Spielerei verfällt. Treue ist ein Meisterwerk der Struktur, das Kapitalismus, Liebe und Wahrheit so verflochten, dass man am Ende nicht mehr weiß, wo die eine endet und die andere beginnt. Vier verschachtelte Erzählungen münden in einer alles überschattenden Frage: Was ist wirklich passiert? Das Buch verlangt Aufmerksamkeit, aber belohnt diese redlich.
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5/5
01.08.2024
Buch (Taschenbuch)
Erzählerisch brilliant!
Es geht ums Geld, aber eigentlich geht es um das Verwirrspiel von Fiktion und Wirklichkeit. Diaz erzählt uns in vier sprachlich (Roman, Bericht, Memoiren, Tagebuch) und inhaltlich doch sehr unterschiedlichen Teilen die gleiche Geschichte. Wirklich die gleiche? Was passiert, wenn vier unterschiedliche Personen eine Geschichte erzählen. Was ist wirklich passiert, was geschieht mit Erinnerungen? Ein wirklich toller Roman, abwechslungsreich und verblüffend. Erzählerich ganz großes Kino!
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5/5
19.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fängt stark an und wird dann immer...
Fängt stark an und wird dann immer besser! Nur vertrauen darf man eigentlich keiner der Stimmen die einem die vier Varianten dieser Geschichte eines Wallstreet Tycoons und seiner philanthropieschen Gemahlin erzählen. Ein Schelm wer dabei an Kurosawa denkt!
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5/5
26.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was Geld mit einem machen kann
Die Lebensgeschichte des erfolgreichen Börsenspekulanten und seiner kranken Frau, die zu Beginn erzählt wird, scheint
schlicht und harmlos. Doch es zeigt sich schnell: Es gibt nicht nur diese eine Wahrheit. Vier verschiedene Perspektiven auf die Geschehnisse offenbaren nach und nach, was für eine komplexe Beziehung das rätselhafte Paar wirklich hatte. Eines haben alle Ereignisse gemeinsam – es dreht sich letztendlich auf die eine oder andere Art ums Geld.
Das Ende lässt einen noch einmal ganz anders auf dieses Buch blicken, sodass ich es definitiv ein zweites Mal lesen werde.
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5/5
23.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unbedingte Leseempfehlung!
Vier Bücher in einem! Was als scheinbar gewöhnlicher biografischer Roman eines erfolgreichen Mannes beginnt, wird für den Leser bald zum Versuch, die wahrhaft einzigartige Frau hinter dem Ego eben dieses Mannes zu entdecken. Die verschiedenen Erzählerstimmen sind dabei hervorragend differenziert und bringen neue Facetten der Figuren zum Vorschein.
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