Produktbild: Besichtigung eines Unglücks

Besichtigung eines Unglücks Roman

16

13,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

13.12.2023

Verlag

btb

Seitenzahl

336

Maße (L/B/H)

18,6/11,8/2,4 cm

Gewicht

272 g

Farbe

Anthrazit / Graugrün

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-77305-3

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

13.12.2023

Verlag

btb

Seitenzahl

336

Maße (L/B/H)

18,6/11,8/2,4 cm

Gewicht

272 g

Farbe

Anthrazit / Graugrün

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-442-77305-3

Herstelleradresse

btb Taschenbuch
Neumarkter Straße 28
81673 München
DE

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  • Hornita

    aus Augsburg

    5/5

    10.10.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Hochinteressant Das Zugunglück…

    Hochinteressant Das Zugunglück war mir nicht bekannt und ich fand die Beschreibungen der damaligen Abläufe im Zugverkehr hochinteressant. Man kann sich heute kam vorstellen, wie „hemdsärmlig“ vor weniger als 100 Jahren gearbeitet werden musste. Ich war anfangs etwas irritiert, weil ich von einem Zusammenstoß ausging, es war aber ein Auffahrunfall. Deshalb habe ich manches Detail zu Beginn nicht einordnen können. Das Buch umfasst 5 Kapitel und das 1. befasst sich mit dem Zugunglück und ist sehr gut geschrieben. Das 2. Kapitel beschreibt die Lebensumstände von Carla, die im Zug saß, verletzt überlebte und einen falschen Nachnamen angab. Über die Menschen, die durch ein solches Unglück zufällig zu einer Schicksalsgemeinschaft werden, erfährt man in der Regel nichts. Da es jeden treffen könnte, finde ich die Geschichten dahinter sehr erzählenswert und dementsprechend hat mir auch dieser Bereich gut gefallen. Kapitel 3 und 4 wirken ein bisschen verloren und hätte es für meinen Geschmack nicht gebraucht. Stattdessen lieber noch mehr Geschichten über die Menschen hinter dem Unglück, analog zu Carla. In Kapitel 5 wird dann Carlas späterer Lebensweg aufgegriffen und das war ein guter Abschluss. Insgesamt eine sehr interessante Lektüre mit einigen Längen in Kapitel 3 und 4.

  • Circlestones Books Blog

    5/5

    10.09.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Besichtigung von Lebenswegen

    „Es ist die Liste, die am nächsten Tag in der Genthiner Zeitung abgedruckt wurde, die erste einer ganzen Reihe von Listen, die bereits den Namen enthielt, der mich lange beschäftigen würde, weil es der einzige ausländische war. Buonomo Giuseppe aus Neapel.“ (Zitat Pos. 600) Inhalt An diesem 22. Dezember 1939, um 0 Uhr 53, sind die Wetterverhältnisse extrem schlecht und knapp vor dem Bahnhof Genthin prallen zwei Züge aufeinander. Vier entscheidende Sekunden führen zu einem Trümmerfeld mit hunderten Toten und Verletzten und dennoch ist dieses schwere Zugunglück durch die deutsche Geschichte der darauffolgenden Jahre in Vergessenheit geraten. Der Journalist Thomas Vandersee hat seine Kindheit in Genthin verbracht. Als er von einem alten Herrn, der Lisa, die Mutter von Thomas, aus Schultagen vom Sehen kannte, einen Zeitungsartikel über dieses Zugunglück erhält, ist er zunächst nicht interessiert. Doch eine Bemerkung über eine der beiden Unglückslokomotiven, die unter einer geänderten Nummer wieder in Betrieb genommen wurde, ändert alles. Er beginnt zu recherchieren, doch während er versucht, anhand der Akten den Unglückshergang zu rekonstruieren, tauchen eine Reihe weiterer Fragen auf. Carla Finck war in diesem Zug, warum steht ihr Name auf keiner Opferliste? Immer tiefer taucht er in Einzelschicksale ein und gleichzeitig auch in die Vergangenheit der eigenen Familie, in die Geschichte seiner Mutter. Thema und Genre Was als Recherche zu einem tragischen Eisenbahnunglück beginnt, erweitert sich in diesem Roman rasch zu den Geschichten von irgendwie mit diesem Zugunglück in Verbindung stehenden Menschen mit ihren Beziehungen, Träumen, Geheimnissen. Es geht um Entscheidungen, Zufälle und den Faktor Zeit, denn es sind immer wenige Sekunden, die alles verändern. Charaktere Der Autor nimmt sich Zeit für seine Figuren, er schildert ihr Verhalten und Entscheidungen im Kontext mit der damaligen Zeit. Thomas Vandersee erkennt, dass es die Familiengeheimnisse seiner Kindheit und Jugend sind, die ihn prägen. Handlung und Schreibstil Der Roman umfasst fünf große Teile und Thomas Vandersee als Ich-Erzähler ergänzt die Geschichte noch mit seinen persönlichen Erinnerungen. Der erste Teil führt uns in die Gegenwart, in das Leben und den Alltag des Journalisten Thomas Vandersee als Ich-Erzähler, unterbrochen von minutiösen Schilderungen möglicher Hergänge des Zugunglücks, wie auch die Akten unterschiedliche Versionen zur Klärung der Schuldfrage darstellen. Im zweiten Teil geht es um das Leben von Carla Finck, im personalen Mittelpunkt des dritten Teils steht Lisa, die Mutter von Thomas, der vierte Teil trägt den Titel „Aus den Notizheften“, denn Thomas macht sich zu allen Alltagsereignissen Gedanken und füllt damit Notizhefte, die er alle aufbewahrt, weil sie seine Vergangenheit dokumentieren. Der letzte, fünfte Teil bringt nochmals ergänzende Details zu Carlas Leben, einige Fragen werden gelöst, andere bleiben offen und überlassen es uns, darüber nachzudenken. Die poetische, klare Sprache schildert und beschreibt eindrücklich. Fazit Dieser facettenreiche Roman ist nicht nur die Besichtigung eines Unglücks, sondern vielmehr eine vielschichtige, intensive Besichtigung von Lebenswegen und folgenreichen Entscheidungen, von Sekunden, die das Leben eines Menschen verändern können.

  • Circlestonesbooks.blog

    5/5

    10.09.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Besichtigung von Lebenswegen…

    Besichtigung von Lebenswegen „Es ist die Liste, die am nächsten Tag in der Genthiner Zeitung abgedruckt wurde, die erste einer ganzen Reihe von Listen, die bereits den Namen enthielt, der mich lange beschäftigen würde, weil es der einzige ausländische war. Buonomo Giuseppe aus Neapel.“ (Zitat Pos. 600) Inhalt An diesem 22. Dezember 1939, um 0 Uhr 53, sind die Wetterverhältnisse extrem schlecht und knapp vor dem Bahnhof Genthin prallen zwei Züge aufeinander. Vier entscheidende Sekunden führen zu einem Trümmerfeld mit hunderten Toten und Verletzten und dennoch ist dieses schwere Zugunglück durch die deutsche Geschichte der darauffolgenden Jahre in Vergessenheit geraten. Der Journalist Thomas Vandersee hat seine Kindheit in Genthin verbracht. Als er von einem alten Herrn, der Lisa, die Mutter von Thomas, aus Schultagen vom Sehen kannte, einen Zeitungsartikel über dieses Zugunglück erhält, ist er zunächst nicht interessiert. Doch eine Bemerkung über eine der beiden Unglückslokomotiven, die unter einer geänderten Nummer wieder in Betrieb genommen wurde, ändert alles. Er beginnt zu recherchieren, doch während er versucht, anhand der Akten den Unglückshergang zu rekonstruieren, tauchen eine Reihe weiterer Fragen auf. Carla Finck war in diesem Zug, warum steht ihr Name auf keiner Opferliste? Immer tiefer taucht er in Einzelschicksale ein und gleichzeitig auch in die Vergangenheit der eigenen Familie, in die Geschichte seiner Mutter. Thema und Genre Was als Recherche zu einem tragischen Eisenbahnunglück beginnt, erweitert sich in diesem Roman rasch zu den Geschichten von irgendwie mit diesem Zugunglück in Verbindung stehenden Menschen mit ihren Beziehungen, Träumen, Geheimnissen. Es geht um Entscheidungen, Zufälle und den Faktor Zeit, denn es sind immer wenige Sekunden, die alles verändern. Charaktere Der Autor nimmt sich Zeit für seine Figuren, er schildert ihr Verhalten und Entscheidungen im Kontext mit der damaligen Zeit. Thomas Vandersee erkennt, dass es die Familiengeheimnisse seiner Kindheit und Jugend sind, die ihn prägen. Handlung und Schreibstil Der Roman umfasst fünf große Teile und Thomas Vandersee als Ich-Erzähler ergänzt die Geschichte noch mit seinen persönlichen Erinnerungen. Der erste Teil führt uns in die Gegenwart, in das Leben und den Alltag des Journalisten Thomas Vandersee als Ich-Erzähler, unterbrochen von minutiösen Schilderungen möglicher Hergänge des Zugunglücks, wie auch die Akten unterschiedliche Versionen zur Klärung der Schuldfrage darstellen. Im zweiten Teil geht es um das Leben von Carla Finck, im personalen Mittelpunkt des dritten Teils steht Lisa, die Mutter von Thomas, der vierte Teil trägt den Titel „Aus den Notizheften“, denn Thomas macht sich zu allen Alltagsereignissen Gedanken und füllt damit Notizhefte, die er alle aufbewahrt, weil sie seine Vergangenheit dokumentieren. Der letzte, fünfte Teil bringt nochmals ergänzende Details zu Carlas Leben, einige Fragen werden gelöst, andere bleiben offen und überlassen es uns, darüber nachzudenken. Die poetische, klare Sprache schildert und beschreibt eindrücklich. Fazit Dieser facettenreiche Roman ist nicht nur die Besichtigung eines Unglücks, sondern vielmehr eine vielschichtige, intensive Besichtigung von Lebenswegen und folgenreichen Entscheidungen, von Sekunden, die das Leben eines Menschen verändern können.

  • Bewertung

    aus Lannach

    5/5

    12.08.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Beschreibung eines Lebens

    Gert Loschütz, der Autor dieses Romans, hat es sich nicht einfach gemacht und einen an Spannung und Wendungen nach allen Seiten kaum zu überbietenden Roman vorgelegt. Es gibt einen Erzähler, Thomas, der sich durch Berge von alten Akten, Briefen und Berichten arbeitet, um ein grauenhaftes Zugunglück zu rekonstruieren. Bei seinen Recherchen trifft er auf persönliche Schicksale der Verunglückten und verknüpft sie gleichzeitig mit Privatem. Besonders berührend stellt sich das Schicksal der in einem der Züge verunglückten Carla Fink dar, die sich nach dem Unglück einen anderen Namen gegeben hatte. Es verwundert allerdings nicht, denn Carla war Halbjüdin und mit einem Volljuden, Richard Kuiper verlobt, den sie anscheinend schützen wollte. Der Erzähler, Thomas, hat herausgefunden, daß es eine Verbindung zwischen Carla und Thomas´ Mutter gegeben haben könnte, denn diese war zum Zeitpunkt des Unglücks in einem Geschäft tätig, das Carla persönliche Dinge ins Krankenhaus geliefert hat, die Botin war offensichtlich Lisa, Thomas´ Mutter. Alles in allem ein sehr herausfordernder Roman, den man nicht einfach so nebenbei lesen sollte, denn da gibt es viele tiefgreifende Dinge, die einem sonst entgehen könnten.

  • Bewertung

    aus Baden-Württemberg

    5/5

    03.08.2021

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Den Anfang finden

    Gert Loschütz hat sich mit dem Verfassen von Theaterstücken, Hörspielen und Romanen einen Namen gemacht und bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. In seinem letzten Roman „Ein schönes Paar“, der mich sehr begeistert hat und für den Deutschen Buchpreis 2018 nominiert wurde, ließ er den Ich-Erzähler Philipp auf Spurensuche nach seinen Eltern gehen. In „Besichtigung eines Unglücks“ heißt der Ich-Erzähler Thomas Vandersee, der zunächst nur in einem der größten Bahnunfälle der Deutschen Geschichte in der Nähe der Stadt Genthin recherchiert. Diese Spurensuche bildet den Ausgangspunkt, führt den Erzähler aber zu weitreichenden Erkenntnissen in seinem privaten Umfeld. „Zwei Tage vor Heiligabend, zwölf Grad minus, 0 Uhr 53. Die Stadt, die Dörfer in tiefem Schlaf. Kein Mond, keine Sterne, kein Schnee. Dann der harte metallische Schlag, Eisen auf Eisen, das Kreischen der sich ineinander bohrenden Wagen, das Knirschen der sich stauchenden Bleche, das Krachen und Splittern zerberstenden Holzes. Alles in eins.“ (S.16) Zwei Züge haben denselben Bahnhof verlassen, zunächst im Abstand von rund einer halben Stunde. Durch Verkettungen unglücklicher Umstände kommt es zur Katastrophe: Der D 180 fährt mit voller Geschwindigkeit auf den stehenden D 10 auf. 196 Menschen sterben, Hunderte werden verletzt. Welche Umstände haben dazu geführt? Vandersee ermittelt akribisch in Akten und Protokollen, denen auch persönliche Dokumente beiliegen. Es kam damals zu einer Verurteilung, aber war der Verurteilte auch der Schuldige? Unglaublich geschickt streut der Autor in fast protokollarischem Stil Zweifel, deckt unberücksichtigte historische Fakten auf, die einen neuen Blick auf den Fall gewähren und die Neugier des Lesers wecken: Waren wirklich nur vier Sekunden für den Unfall entscheidend? Recht schnell verweben sich die diesbezüglichen Recherchen mit der Mutter des Ich-Erzählers, die damals im Städtchen Genthin lebte und offenbar eine (lose?) Verbindung zu der überlebenden Passagierin Carla Finck hatte, die sich jedoch aus unbekannten Gründen anschließend als Carla Buonomo ausgab. Im zweiten Teil des Romans werden die Spuren einer unglücklichen Liebesgeschichte verfolgt. Eben jene Carla war mit dem deutlich älteren Juden Richard verlobt, eine Verbindung, die in jenen Zeiten unter einem sehr schlechten Stern stand: „Was ihm Furcht machte, war ja kein Hirngespinst, es gab allen Grund zur Furcht, so wie es umgekehrt freilich gute Gründe gab, sich gegen sein wollüstiges Einverständnis mit dem Unglück zu wehren. Ja, nennen wir es so, Unglück, weil auch Carla es so nannte: diese ungeheure Anhäufung von Erniedrigungen und Unrecht, für das sie das Sammelwort unser Unglück hatte.“ (S. 144) Warum befand sich Carla unter fremdem Namen mit einem italienischen Begleiter im Zug, während ihr Verlobter hunderte Kilometer entfernt in einer Sammelunterkunft für Juden lebte? Hat sie Verrat an ihm begangen oder versuchte sie, den Geliebten zu retten? Auch der Journalist Vandersee lebt in einer Beziehung, die er selbst als Verrat am betrogenen Ehemann seiner Geliebten Yps bezeichnet. Seine umfängliche Recherche im Umfeld des Zugunglücks führt ihn immer näher an verdrängte Erinnerungen, zur mittlerweile verstorbenen Mutter sowie an die eigene Gegenwart heran. Klar wird, dass es trotz aller Mühen nicht für alle Zusammenhänge einen Beweis, eine Erklärung gibt. Zudem erweist sich manche Erinnerung als unzuverlässig. Gert Loschütz serviert uns keine einfachen Wahrheiten und wohl auch keinen perfekten Roman. Das Buch ist in fünf unterschiedlich lange Teile gegliedert, deren Verbindung sich erst nach und nach erschließt und mich stellenweise an einen Episodenroman denken ließ. Dennoch hat mich die intensive Spurensuche enorm gefesselt. Betrachtet wird nämlich nicht nur ein Unglück, sondern mehrere. Die verschiedenen Ebenen werden gekonnt verzahnt. Dabei erweist sich der Autor einmal mehr wieder als herausragender Stilist. Seine Perspektivwechsel ergeben sich schlüssig, sein Erzählton ist präzise sowie elegant. Umgebung und Atmosphäre werden in intensiven, eindrücklichen Beschreibungen geschildert. Loschütz beherrscht die Verzahnung historisch nachgewiesener Fakten mit der Fiktion rund um authentisch wirkende Lebensgeschichten widersprüchlicher und komplexer Figuren perfekt. Mit Fortschreiten der Lektüre ergeben sich immer stärker hervortretende Zusammenhänge zwischen den einzelnen Teilen. Erst die letzten Seiten liefern dabei das entscheidende Schlüsselmoment. Es ist ein weitgehend melancholischer Ton, der uns durch den Roman begleitet. Er ist von großer Sachlichkeit und Genauigkeit geprägt. Die Themen stehen übergreifend und vielfältig im Raum. Der schreckliche Bahnunfall ist der Aufhänger für weitere Schicksale im Umfeld der Katastrophe. Es geht um Liebe, Verrat und Loyalität. Es geht um den Einfluss der NS-Diktatur in die Justiz, um den Umgang mit Juden. Aber auch um Vergangenheitsbewältigung und die Suche nach Herkunft und Wurzeln. Vandersee entdeckt Doppeldeutiges, lässt uns an seinen Gedankenspielen teilhaben: So könnte es gewesen sein; vielleicht aber auch ganz anders. Frei von jeglicher Schönfärberei werden nicht alle Fragen beantwortet. Damit müssen die Leser zurechtkommen. Auf alle Fälle ist „Besichtigung eines Unglücks“ ein höchst intensives, anspruchsvolles Leseerlebnis, auf das es sich einzulassen lohnt und dem ich große Anerkennung wünsche.

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