Karl Koenig ist ein Mann auf der Höhe der Zeit. Er ist fit, gepflegt, intelligent; er geht gekonnt um mit den digitalen Gadgets. Der Zeitgeist ist sein Freund. Und er ist allein.
Seine »Ich-AG« nennt er »Koenigs Korrektionsanstalt«. Er korrigiert und redigiert beruflich Texte aller Art, konzentriert, normbewusst, geradezu verliebt in die deutsche Sprache. Er ist der rührenden Ansicht, wenn er Texte sprachlich verbessere, arbeite er zugleich an seiner Selbstverbesserung.
Unverhofft erhält er eine kryptische Kurznachricht von seiner ehemaligen Lebenspartnerin Mirela. Kurz darauf begegnet er einer Frau, die aussieht wie Mirela und doch ganz anders ist. Die Nachricht und die Begegnung werfen ihn aus der Bahn. Es beginnt für ihn eine Reise durch Raum und Zeit. In einer trostlosen südosteuropäischen Stadt sieht sich Karl gezwungen, die Geschichte seines Lebens und seiner gescheiterten Beziehungen aufzuarbeiten.
Der Autor Thomas Heimgartner hat einen traurig-vergnüglichen Roman verfasst, der an seine »Nekrovelle« »Kaiser ruft nach« (pudelundpinscher, 2019) anknüpft. Ernst und auf einigen amüsanten Umwegen führt er vor, dass eine Partnerschaft scheitern muss, wenn es den Liebenden an Wahrhaftigkeit mangelt. Und im gekonnten Spiel mit Avataren, Phantomen und Fantasien zeigt der Autor, dass wenig so lebensnotwendig ist wie das Erzählen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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150 Seiten, die mich über Wochen positiv beschäftigt haben und noch beschäftigen.
Bewertung am 10.10.2023
Bewertungsnummer: 2041223
Bewertet: Buch (Paperback)
Ein völlig neues Thema, welches sich Literaturfans nicht entgehen lassen sollten.
Die Rezension für einen Korrektionsroman zu schreiben, bringt mich jetzt schon etwas aus der Ruhe, denn ist es nicht so, dass wenn in einem Roman ALLES korrekt geschrieben ist, und jede Interpunktion passt, man dann auch alles richtig schreiben möchte? Da lastet ein enormer Druck auf den Schultern des Schreibers. Ehrlich gesagt, sogar solch ein Druck, dass ich meine erste Rezension, die ich im Zug am Handy getippt habe, aus Versehen nicht gespeichert habe. Und dabei sind meine ersten Gedanken immer die Wichtigsten in den Rezensionen, da ich mir während des Lesens Stichpunkte notiere, um nachher etwas daraus zu formulieren, wenn mir der Roman gefallen hat.
Nun beginne ich zum zweiten Mal. Das ist sehr ärgerlich, aber dadurch, dass mir der Roman so gefallen hat, muss ich darüber berichten.
Karl ist Korrektor und er ist Single, aber nicht ganz freiwillig, denn Mirela hat ihn verlassen. Das Korrekturlesen entspricht seinem Charakter und seinem Leben. Er ist klar, strukturiert, durchorganisiert und geordnet, obwohl er meines Erachtens durchaus ein cooler Zeitgenosse ist.
Ganz abgeschlossen hat er mit der Beziehung zu Mirela noch nicht – sie beschäftigt ihn. War die heimlich durchgeführte Vasektomie das Problem oder gab es einen anderen Grund? Karl weiss es nicht, und seine Gedanken können sich nicht von Mirela lösen.
Eines Tages erreicht ihn eine kryptische Nachricht über eine Messenger App von einer Person, die ihn zum Dialog auffordert, damit er endlich mit dem Kapitel Mirela abschliessen kann.
Der Dialog, der jetzt beginnt, ist einnehmend, köstlich, klug, spannend und einfach wunderbar. Solche Romane kann man nur lieben, und es ist ein Roman, der es wirklich verdient, dass man ihm Beachtung schenkt. Kurzweilig und klug in dieser Kombination gibt es nicht so häufig.
Die Korrekturfahnen in den Überschriften und das Deleatur Zeichen zwischen den einzelnen Abschnitten machen den Roman besonders, speziell und auch einzigartig.
@Danke, lieber Thomas, für diese Entdeckung, für dieses Geschenk, für den Lesegenuss. Nein, mein Lob kommt aus tiefstem Herzen, und nicht weil ich auf das Buch aufmerksam gemacht wurde.
Was noch sehr speziell für mich war ist dieses: Dies ist der erste Roman, den ich las, ohne hin und wieder die Rechtschreibung zu hinterfragen. Wie oft denke ich manchmal beim Lesen eines Romanes, «Schreibt man das so?». Karl hat mich also so beeindruckt, dass ich felsenfest davon überzeugt war, dass alles was ich lesen würde, korrekt ist. Entspannung pur.
Ein wahres Kleinod!
Michael Blum aus Deutschland am 26.08.2023
Bewertungsnummer: 2008228
Bewertet: Buch (Paperback)
Thomas Heimgartner ist mit "Koenigs Weg" ein Büchlein gelungen, welches in typisch schweizerischer Art die Frage nach der Identität stellt: Wer bin ich und wer möchte ich sein? Der Autor erzählt in sprachlich ausgefeilter Form die Geschichte von Karl Koenig, seines Zeichens in seinem Einmann-Unternehmen darauf spezialisiert, Texte zu korrigieren; was ihm in seiner beruflichen Rolle gut gelingt, die Optimierung, genau daran scheint er in seinem Leben zu scheitern. Seine 'analytische Distanz' zum Leben verhindert die Nähe zu den Menschen, was auch seine Beziehung zu Mirela scheitern ließ. Als diese sich nach vielen Monaten vermeintlich bei Karl meldet, macht dieser sich auf den Weg, nicht nur Mirela wieder zu finden, sondern vor allem, sein Lebenskonzept zu überdenken. Ein nachdenkliches Buch über den Selbstverlust in einer Welt, die sich nicht kontrollieren und auch nicht korrigieren lässt. Ein Appell für eine radikale Selbstakzeptanz als Glücksmöglichkeit, anstatt beständig der Vorstellung eines optimierten Selbst hinterherzuhecheln. Unbedingt lesenswert.
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