Details, die wie Bruchstücke ein Leben porträtieren
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 12.09.2023
Bewertungsnummer: 2020569
Bewertet: Hörbuch (CD)
Ich bin begeistert von diesem Hörbuch der Schwedin Ia Genberg. Es geht um eine Frau, die während einer Krankheit auf ihr Leben zurückschaut. Vier wichtige Menschen werden porträtiert und am Ende der Geschichte hat man so viele Bruchstücke aus dem Leben der Erzählerin erfahren, dass man diese Details zu einem fast vollständigen Leben zusammensetzen kann. Man erfährt außerdem, was das wichtigste im Leben für die Erzählerin ist: die Details in den unzähligen Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen. Die Hauptfiguren werden sehr gut dargestellt und charakterisiert. Man kann sich in sie hineinversetzten und mitfühlen. Die sprachliche Ausdrucksweise ist gewaltig. Sehr treffend und unterhaltsam werden eine Vielzahl an Anekdoten erzählt, deren es nicht an Tiefgang mangelt. Ich habe mich an so vielen neuen Ausdrücken und Beschreibungen beim Zuhören erfreut. Die Sprecherin Marion Elskis hat eine angenehme Stimme. Wenn man ihr zuhört, kann man richtig in die Geschichte abtauchen. Das Titelbild finde ich sehr treffend und gelungen.
Ich kann mich dem Literaturkritiker Björn Kohlström nur anschließen, dass noch mehr Menschen Genbergs Erzählungen entdecken sollten. Jedenfalls werde ich mir gleich mal ansehen, was sie sonst noch so geschrieben hat.
Wunderbares Puzzle der Beziehungen
katis zettelchen aus Salzburg am 24.10.2023
Bewertungsnummer: 2051164
Bewertet: Hörbuch (CD)
Die Chronologie ist unbedeutend, was zählt, ist die Verdichtung. Mit ähnlichem Wortlaut beschreibt es die Erzählerin. Ihre Erinnerungen sind detailliert, aber, was den Verlauf eines Lebens anbelangt, fragmentarisch, so wie Erinnerungen nun einmal sind. Aus diesen Erinnerungen entsteht ein Gesamtbild, sowohl derer und dessen, woran man sich erinnert, als auch der Erinnernden (hier der Erzählerin), denn sie filtert, bewusst und/oder unbewusst.
Woran erinnert sie sich? An Menschen, die in ihrem Leben wichtig waren, eine geliebte Freundin, ein feuriger Liebhaber, eine sehr gute Freundin, ihre Mutter. Es geht um Menschen, weniger um Ereignisse, um Wahrnehmungen und Verhaltensweisen, um das Entstehen und Enden von Beziehungen, eben um das, was das Leben ausmacht. Sie sagt, dass sie immer auf Reisen auf der Suche war, bis sie gefunden hat, dass alles in ihr selbst ist. Das ist schön und so ist der Roman, er wendet den Blick vom außen nach innen - das gilt für die Erzählerin und auch für mich.
Sie erinnert sich, während sie Fieber hat, also in einem Zustand, in dem die Grenzen zwischen Realität und vielleicht etwas illusorischer Wahrnehmung verschwimmen oder vielleicht der Blick klarer wird? Um mir das noch einmal genauer anzusehen und das Gehörte zu vertiefen, werde ich auch das Buch lesen.
Und hier kommt mein einziger Kritikpunkt: mir persönlich gefällt die Leserin nicht. Besonders am Anfang erinnerte sie mich an eine Siri oder Alexa, einzelne Worte wurden überbetont, die Syntax sehr monoton vorgelesen. Das war so deutlich, dass ich glaube, dass es absichtlich war. Es ist mir sehr schwergefallen, nur noch den Text zu hören und in die Geschichte einzutauchen, es blieb bei der Distanz. Das ist eine legitime Art, einen Text beim Vorlesen zu interpretieren, aber mir gefällt es nicht.
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