England, 1914: Als die Männer in den Krieg ziehen, halten die Frauen die Nation am Laufen. Zwei von ihnen sind die Zwillingsschwestern Peggy und Maude, die in der Buchbinderei der Oxford University Press im Arbeiterviertel Jericho arbeiten und auf einem Hausboot voller Bücher leben. Peggy träumt davon, eines Tages an der Universität zu studieren. Doch ihr wird gesagt: „Dein Job ist es, die Bücher zu binden und nicht zu lesen!“. Maude ist ein ganz besonderes, verletzliches Mädchen, und Peggy fühlt sich nach dem Tod ihrer Mutter für ihre Schwester verantwortlich. Mit der Ankunft von belgischen Flüchtlingen in Oxford und der Unterstützung neuer Freunde rücken Peggys Träume ganz unerwartet in greifbare Nähe. Und sie beschließt, eine andere Zukunft für sich zu erschaffen – eine, in der sie nicht nur ihre Hände, sondern auch ihren Verstand einsetzen kann.
Ein emanzipatorischer Roman, der Licht wirft auf die unsichtbare Arbeit von Frauen und das alte Handwerk des Buchbindens
Der Nr.-1-Bestseller aus Australien: Ein historischer Schmöker für Buchliebhaber*innen zum Eintauchen und Entspannen
»(Williams) Charaktere sind so überzeugend, so voller Leben, dass sie eher entdeckt als erfunden wirken.« (The Sydney Morning Herald)
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Pip Williams ist eine stille Erzählerin, deren Worten man nur zu gerne lauscht
MrsDarcyReveals am 15.05.2024
Bewertungsnummer: 2201318
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Entführung ins Oxford des 20. Jahrhunderts
Der vorliegende Roman ist eine Parallelerzählung zum Vorgängerwerk "Die Sammlerin der verlorenen Wörter".
Es ist nicht unbedingt notwendig, die Geschichte von Esme gelesen zu haben, um dieses Buch zu verstehen. Wer aber die Geschichte kennt, der ist herzlich eingeladen auch dieses Buch zu lesen.
Es spielt etwas zeitversetzt, der Ausbruch des Ersten Weltkrieges steht unmittelbar bevor.
Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen die Schwestern Peggy und Maude, beide Buchbinderinnen aus Jericho. Ihre Aufgabe beschränkt sich darauf, die Bücher zu binden, nicht, sie zu lesen. Immer wieder begegnen wir im Laufe des Buches diesem Satz und er ist so prägnant in seiner Aussagekraft. Verweist er doch auf die Benachteiligung der Frauen dieser Zeit. Vielen von ihnen ist es verwehrt zu studieren, ja überhaupt Bibliotheken betreten zu dürfen. Sie haben kein Wahlrecht und auch keine wirkliche Perspektive in ihrem Leben. Ihre Herkunft entscheidet über ihre Zukunft. Diese ganze Thematik hat mir noch einmal vor Augen geführt, welche Privilegien Gleichberechtigung mit sich bringt, aber auch, welche Verantwortung. Vor allem Verantwortung all jener vergangenen Generationen gegenüber, die für uns Frauen erkämpft haben, was wir heutzutage als selbstverständlich erachten.
Pip Williams ist es trotz der emotionalen Schwere dieser Zeit gelungen, einen außergewöhnlichen Roman zu schreiben. In der gesamten Geschichte nimmt der Erste Weltkrieg eine omnipräsente Rolle ein. Williams gelingt es, dem Entsetzen, der Trauer, Resignation und dem Trauma der Menschen dieser Zeit Worte zu verleihen. Ohne Frage ist es schwere Kost. Aufgewertet wird all das mit Ausflügen zu den Buchmachern Oxfords. Die Beschreibung dessen, mit welch einem Aufwand Bücher damals hergestellt wurden, dürfte vielen bibliophilen Leserinnen und Lesern das Herz höher schlagen lassen. Natürlich kommt in der Geschichte auch die Liebe nicht zu kurz.
Insgesamt war "Die Buchbinderin von Oxford" ein unglaublich berührendes Leseerlebnis und ich freue mich auf weitere Bücher von Pip Williams.
Ein Lesehighlight 2023
Bewertung aus Magdeburg am 29.12.2023
Bewertungsnummer: 2097152
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
England 1914: Als die Männer in den Krieg ziehen müssen, übernehmen die Frauen ihre Arbeiten. Peggy und Maude, ein verwaistes Zwillingspaar, arbeiten in der Buchbinderei der Oxford University Press. Doch Peggy will mehr, sie möchte die Bücher, deren Seiten sie falzt und bindet, lesen und sie möchte lernen, viel lernen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation ist das nahezu unmöglich. Und dann ist da ja auch noch Maude, für die sie sich verantwortlich fühlt.
Pip Williams ist in London geboren und in Sydney aufgewachsen. Sie ist Sozialwissenschaftlerin und leidenschaftliche Autorin. Ihre Faszination für Sprache und ihre Recherchen in den Archiven des Oxford English Dictionary inspirierten ihr Debüt „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“, das ein Sensationserfolg in Australien wurde. Der Roman wurde mehrfach preisgekrönt und stand auf der Shortlist für den Walter Scott Prize for Historical Fiction. Das vorliegende Buch wurde ebenfalls ein Nr.-1-Bestseller in Australien.
Der Roman wurde, wie bereits „Die Sammlerin der verlorenen Wörter“, von Christiane Burkhardt übersetzt.
Der Debüt-Roman von Pip Williams hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt auch dieses Buch lesen wollte, zumal der Klappentext die Lebensgeschichte einer intelligenten jungen Frau, die Konventionen trotzt und ihren eigenen Weg geht, verspricht.
Um es vorweg zu nehmen: Der Roman ist anders als das, was ich erwartet habe, sowohl von der Beschreibung als auch vom Cover her. Letzteres ist mir mit diesen schönen Ranken viel zu verspielt für den Inhalt. Der Bücherstapel und das gefaltete Boot entsprechen dem Inhalt. Das dunkle Rot wirkt sehr edel und der Titel erinnert an ausgeschnittene Wörter.
Pip Williams erzählt in einem für mich wunderbaren Schreibstil langsam und detailliert die Geschichte von Peggy und Maude. Es gibt nur wenige Ereignisse, denn das, was geschieht, ist zwischen den Zeilen zu lesen. Peggy und Maude sind dabei, als die ersten Flüchtlinge und verwundete Kriegsgefangene aus Belgien in Oxford eintreffen. Da ist Lotte, die in der Buchbinderei arbeitet und sofort einen Zugang zu Maude findet. Lotte hat alles verloren, was ihr wichtig war. Ihr fehlt trotz ihrer Freundschaft zu Maude die Kraft für einen Neuanfang. Ganz anders Bastiaan, den Peggy im provisorischen Lazarett pflegt. Er hat schwerste Verletzungen und Traumata erlitten, sieht eine Zukunft für sich und sein Land, obwohl seine Verletzungen sichtbar bleiben.
Das Thema Krieg ist ein hochaktuelles Thema, so ist es gut, dass Pip Williams Verletzungen, innere und äußere, beschreibt. Sie macht es eher zurückhaltend, dennoch wird klar, wie fürchterlich die Soldaten leiden.
Natürlich befasst sich die Autorin auch mit der Frauenfrage. Dabei geht es nicht nur darum, dass Frauen die Tätigkeiten ausführen, die den Männern vorbehalten waren und nach dem Krieg wieder sind, sondern auch um das Frauenwahlrecht, das zunächst nicht allen Frauen zugestanden werden sollte.
Gesellschaftliche Unterschiede waren vor gut 100 Jahren deutlich sichtbarer als heute. Gwen als Tochter aus gutem Hause steht stellvertretend für viele junge Frauen, die Bildung nur als Mittel ansahen, eine „gute Partie“ zu machen. Der Romanfigur Gwen tue ich damit etwas Unrecht, denn sie erkennt im Verlauf ihrer Freundschaft zu Peggy, dass diese es deutlich schwerer hat.
Sehr schön beschreibt Pip Williams das Verhältnis von Peggy und Maude. Maude ist besonders, so besonders, dass Peggy glaubt, dass sie ohne sie nicht zurecht kommt. Aber ist das wirklich so? Ist Maude für Peggy nicht auch ein Vorwand?
In meinen Augen legt die Autorin ihr Augenmerk mehr auf die Entwicklung der Figuren und das ist ihr ausgesprochen gut gelungen, auch bei denen, die ich hier nicht erwähnt habe. Ihre Charaktere sind detailliert, liebevoll und authentisch beschrieben. Und ganz nebenbei habe ich noch eine Menge über die Herstellung von Büchern erfahren.
Pip Williams hat ihren Roman in fünf Teile unterteilt, die Buchtitel tragen, die mit Peggy in Zusammenhang stehen. Die Erläuterungen dazu sind sehr aufschlussreich. In ihren Anmerkungen gibt die Autorin einen kleinen Einblick in ihre Recherche und die Inspiration zu diesem wunderbaren Roman.
Fazit: ein anspruchsvoller Roman, auf den man sich einlassen muss, eines meiner Lesehighlights 2023
Ein toller historischer Roman mit interessanten und komplexen Charakteren, der zur Zeit des ersten Weltkriegs spielt. Zwischendurch schwer zu ertragen aber sehr gefühlvoll und bereichernd. Für mich hätte das Buch allerdings noch etwas gekürzt werden können.
Atmosphärisch wird die Geschichte geradezu lebendig. Ich war mittendrin und konnte das Buch nicht aus den Händen legen.
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