Ein Menschenaffe, der sich als Mensch wiederfindet – der Roman einer faszinierenden Metamorphose in deutscher Erstübersetzung
Exklusive Manesse-Entdeckung einer britischen Klassikerin der Moderne
Virginia Hutton, eine studierte Soziologin, lässt sich auf ein spektakuläres Experiment ein: Sie zieht einen Orang-Utan-Säugling als Menschenkind auf. Sie wickelt ihn, füttert ihn mit der Flasche, singt ihn in den Schlaf. Virginia ist für ihren Schützling abwechselnd fürsorgliche Mutter, fordernde Lehrerin, kühl berechnende Wissenschaftlerin. Und Appius erweist sich zu ihrem und unserem Erstaunen als beeindruckend gelehriger Schüler, lernt sprechen, lesen, aufrecht stehen und gehen, schließlich seine Mahlzeiten mit Messer und Gabel einzunehmen.
Virginia bringt Appius bei, menschlich zu sein. Doch je klüger er wird, desto mehr nähert er sich jener Entdeckung, die Virginia ihm am liebsten ersparen möchte: wer er wirklich ist.
Alle Welt kennt die Geschichte, in der ein Mensch als Käfer aufwacht und versucht, mit seiner tierischen Gestalt zurechtzukommen. Wenige Jahre nach Kafka schuf G.E. Trevelyan eine umgekehrte, nicht minder beklemmende Versuchsanordnung: Ein Affe findet sich als Mensch wieder. Der Roman stellt tiefgründige Fragen nach der Conditio humana: Wer oder was ist der Mensch? Was unterscheidet ihn von seinen Artverwandten aus dem Tierreich? Und – wie weit darf die Wissenschaft bei der Vermenschlichung nicht-menschlicher Kreaturen gehen?
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Ein Pageturner! Trauriges und gut erzähltes „Experiment“, das an Abgründen des menschlichen Wissensdurstes kratzt.
MarcoL aus Füssen am 25.07.2024
Bewertungsnummer: 2252734
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Original erschien 1932 und liegt nun als deutsche Erstübersetzung vor.
Die Soziologin Virginia Hutton startet ein Experiment, das sehr schnell zeigt, wie verstörend und egoistisch ihr Grundgedanke im Prinzip ist. Sie möchte einen Orang-Utan wie ein Menschenkind erziehen, ihm denken, sprechen, lesen und all die sonstigen Dinge beibringen, die Menschen vorbehalten sind. In ihren Visionen träumt sie sogar davon, ihre Studien soweit zu bringen, dass ihr Zögling, der den Namen Appius bekommt, sogar ein weltberühmter Akademiker wird.
Schnell stellt sich heraus, dass Virginia so etwas wie Muttergefühle für Appius entwickelt. Um ihr „Experiment“ ungestört durchführen zu können, kauft sie sich ein kleines Cottage und kapselt sich völlig ab. Sie pflegt keinerlei soziale Kontakte, sperrt sich und Appius quasi komplett von der Gesellschaft aus. Ein kleiner Garten mit einer hohen Mauer grenzt ihr Exil ab.
Was als (pseudo)wissenschaftlicher Versuch beginnt, rutscht sehr bald in eine Absurdität ab. Das Gespann Viriginia-Appius rückt in den Vordergrund, die frommen Wünsche, sich in den Akademikerkreisen zu behaupten, sehr bald ins Abseits.
Appius lernt im Laufe der Zeit tatsächlich ein paar Worte, scheint auch Lesen zu können. Manchmal bekommt man allerdings den Eindruck, dass er nur Gehörtes nachplappert, und Gesehenes aus Büchern wiedergibt, weil Virginia es ihm minutiös eingetrichtert hat. Aber er kann denken, und entdeckt, was vor ihm hätte verborgen werden sollen.
Er wird angezogen wie ein Mensch, mit Hosen und Schuhen. Er mag das nicht, es stört ihn in seinen Bewegungsabläufen, aber er duldet es. Denn Virginia kann sehr streng und herrisch sein. Sie redet Appius ständig ein, er sei ein Mensch. Doch Bilderbücher zeigen ihm etwas anderes … und ein großer Konflikt, der sich durch den ganzen Roman zieht, nimmt Gestalt an.
Trotz Virginias Wunsch, Appius als Menschen zu erziehen, behandelt sie ihn dennoch wie eine Sache. Sie möchte von ihm geliebt werden, zieht ein abstruses Mutter-Sohn Gespann heran, erklärt ihm pausenlos, nur Menschen sind gut, und Tiere böse …
Die Autorin zieht die Leserschaft gekonnt in ihren Bann. Man möchte mehr als hundert Mal in die Erzählung eingreifen, die Protagonistin wachrütteln. Allein die Beschreibungen, wie sich Appius entwickelt, was er fühlt und in ihm vorgeht, ist eine Lektüre dieses Romans wert.
Sein Ausflug durch die Bäume des Gartens, als sich seine Instinkte melden und er sich voller Freude von Baum zum Baum schwingt, sind derart lebendig und authentisch beschrieben, dass man sich richtig gut in Appius‘ Gefühle hineinversetzen kann (Seite 54, die Zeilen eine Wucht).
Sprachlich ist der Roman ein Genuss, und mutiert sehr schnell zu einem richtigen Pageturner. Und ich ziehe auch in einem gewissen Rahmen Vergleiche mit Mary Shelleys „Frankenstein“. Beide Bücher vereinen für mich die Grundthematik Mensch versus Schöpfung.
S.266: „Ich wollte, dass du etwas bist, was sogar mehr wäre als ein Kind, etwas, was ich durch meinen eigenen Geist aus dem Nichts erschaffen und nach meinem Willen geformt und dem ich beim Wachsen zugesehen hätte.“
Der Roman vermittelt sehr gut die Anmaßung der Menschen, alles beherrschen zu wollen. Auch spielen andere gesellschaftskritische Aspekte eine Rolle im Buch, wie zum Beispiel die Unterdrückung der Frauen in der Wissenschaft. Das umfangreiche Nachwort von Ann Cotten und die editorische Notiz der Übersetzerin Renate Haen (ganz großes Lob für ihre Arbeit)
Ein Pageturner! Trauriges und…
MarcoL aus Füssen am 25.07.2024
Bewertungsnummer: 2873339
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Pageturner! Trauriges und gut erzähltes „Experiment“, das an Abgründen des menschlichen Wissensdurstes kratzt. Das Original erschien 1932 und liegt nun als deutsche Erstübersetzung vor. Die Soziologin Virginia Hutton startet ein Experiment, das sehr schnell zeigt, wie verstörend und egoistisch ihr Grundgedanke im Prinzip ist. Sie möchte einen Orang-Utan wie ein Menschenkind erziehen, ihm denken, sprechen, lesen und all die sonstigen Dinge beibringen, die Menschen vorbehalten sind. In ihren Visionen träumt sie sogar davon, ihre Studien soweit zu bringen, dass ihr Zögling, der den Namen Appius bekommt, sogar ein weltberühmter Akademiker wird. Schnell stellt sich heraus, dass Virginia so etwas wie Muttergefühle für Appius entwickelt. Um ihr „Experiment“ ungestört durchführen zu können, kauft sie sich ein kleines Cottage und kapselt sich völlig ab. Sie pflegt keinerlei soziale Kontakte, sperrt sich und Appius quasi komplett von der Gesellschaft aus. Ein kleiner Garten mit einer hohen Mauer grenzt ihr Exil ab. Was als (pseudo)wissenschaftlicher Versuch beginnt, rutscht sehr bald in eine Absurdität ab. Das Gespann Viriginia-Appius rückt in den Vordergrund, die frommen Wünsche, sich in den Akademikerkreisen zu behaupten, sehr bald ins Abseits. Appius lernt im Laufe der Zeit tatsächlich ein paar Worte, scheint auch Lesen zu können. Manchmal bekommt man allerdings den Eindruck, dass er nur Gehörtes nachplappert, und Gesehenes aus Büchern wiedergibt, weil Virginia es ihm minutiös eingetrichtert hat. Aber er kann denken, und entdeckt, was vor ihm hätte verborgen werden sollen. Er wird angezogen wie ein Mensch, mit Hosen und Schuhen. Er mag das nicht, es stört ihn in seinen Bewegungsabläufen, aber er duldet es. Denn Virginia kann sehr streng und herrisch sein. Sie redet Appius ständig ein, er sei ein Mensch. Doch Bilderbücher zeigen ihm etwas anderes … und ein großer Konflikt, der sich durch den ganzen Roman zieht, nimmt Gestalt an. Trotz Virginias Wunsch, Appius als Menschen zu erziehen, behandelt sie ihn dennoch wie eine Sache. Sie möchte von ihm geliebt werden, zieht ein abstruses Mutter-Sohn Gespann heran, erklärt ihm pausenlos, nur Menschen sind gut, und Tiere böse … Die Autorin zieht die Leserschaft gekonnt in ihren Bann. Man möchte mehr als hundert Mal in die Erzählung eingreifen, die Protagonistin wachrütteln. Allein die Beschreibungen, wie sich Appius entwickelt, was er fühlt und in ihm vorgeht, ist eine Lektüre dieses Romans wert. Sein Ausflug durch die Bäume des Gartens, als sich seine Instinkte melden und er sich voller Freude von Baum zum Baum schwingt, sind derart lebendig und authentisch beschrieben, dass man sich richtig gut in Appius‘ Gefühle hineinversetzen kann (Seite 54, die Zeilen eine Wucht). Sprachlich ist der Roman ein Genuss, und mutiert sehr schnell zu einem richtigen Pageturner. Und ich ziehe auch in einem gewissen Rahmen Vergleiche mit Mary Shelleys „Frankenstein“. Beide Bücher vereinen für mich die Grundthematik Mensch versus Schöpfung. S.266: „Ich wollte, dass du etwas bist, was sogar mehr wäre als ein Kind, etwas, was ich durch meinen eigenen Geist aus dem Nichts erschaffen und nach meinem Willen geformt und dem ich beim Wachsen zugesehen hätte.“ Der Roman vermittelt sehr gut die Anmaßung der Menschen, alles beherrschen zu wollen. Auch spielen andere gesellschaftskritische Aspekte eine Rolle im Buch, wie zum Beispiel die Unterdrückung der Frauen in der Wissenschaft. Das umfangreiche Nachwort von Ann Cotten und die editorische Notiz der Übersetzerin Renate Haen (ganz großes Lob für ihre Arbeit)
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