Eva ist angeödet von ihrem Leben: von Ehemann Alexander, der sie kontrolliert, ihrem dementen Vater und dem Job in der Dorfkneipe. Ein bevorstehendes Klassentreffen lockt mit Abwechslung. Obwohl und gerade weil ihr Alexander abrät, dort hinzugehen, siegt die Neugierde. Alexander, der vorgibt, ihr eine Enttäuschung wegen zu hoher Erwartungen ersparen zu wollen, verheimlicht ihr die wahren Gründe.
Die Begegnung mit ihrer einst unscheinbaren Klassenkameradin Agnes verändert Evas Leben. Ihre lockere und freie Art gefällt ihr. Sie genießt die Treffen mit ihr und wünscht sich insgeheim ebenso ein unabhängiges Leben. Diese Chance bietet sich ihr bald, als Agnes sie bittet, ein paar Wochen auf ihre Wohnung aufzupassen. Diese Zeit öffnet Eva in vielerlei Hinsicht die Augen und sie erfährt mehr über ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte. Die Bekanntschaft zu Agnes wird ihre eigene Beziehung verändern, jedoch völlig anders, als der Leser sich dies vorzustellen vermag.
Ein Roman über das Leben, die Liebe, menschliche Beziehungen und die Bedeutung von Entscheidungen – tiefgründig und berührend.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Die vierzigjährige Eva ist desillusioniert. Ihre Tochter Charly ist längst aus dem Haus und meldet sich alle Jubeljahre. Evas Mann Alexander lebt für seinen Dorfladen, in dem die überreifen Frauen ihm für den Erwerb von zwei Geburtstagskarten schöne Augen machen. Eva selbst arbeitet bei der siebzigjährigen Gerda, Wirtin der abgeranzten Dorfkneipe „Die alte Buche“.
Nach ihrer Schicht läuft sie noch gerne durch die Sträßchen, dabei versucht sie dem Dorfklatsch aus dem Weg zu gehen. Meist wartet Alexander schon vor der Haustüre auf sie, die Arme vor der Brust verschränkt: „Du hättest mich anrufen sollen, dann hätte ich dich abgeholt!“ Er hält das für Liebe, sie für Kontrolle. Oft hat er dann schon gekocht. Nudeln mit Rahmsoße oder Gorgonzola im Wechsel. Sie setzen sich vor den Fernseher, Alexander mit Kartoffelchips, deren Geruch Eva hasst. Sie werden wieder kaum reden, worüber auch?
Am Morgen steht sie erst auf, wenn Alexander das Haus verlässt. Sie kocht sich Kaffee und sitzt an dem alten verschrammten Küchentisch. Jede Kerbe erzählt eine Geschichte, der sie manchmal lauscht. Wie sie mit dem positiven Test, der Charly ankündigte dasaß, ein Albtraum. Mit neunzehn Hausfrau und Mutter, das Leben vorbei, dachte sie. Evas Eltern waren schon vierzig, als sie geboren wurde, sie schenkten ihr kaum Beachtung.
Als sie die Karte von einem Klassentreffen öffnet, ist sie sich sicher, dass sie dort nichts verloren hat. Die anderen werden sich mit ihren Erfolgen schmücken und sie hat nichts vorzuweisen. Doch Alexander versucht ihr das Treffen auszureden und ihr Interesse wächst. Sie weiß noch nich, dass sie dort auch Agnès treffen wird.
Fazit: Martina Berscheid hat eine fiktionale Geschichte über eine Frau geschrieben, die vom Leben frustriert ist. Der immer gleiche absehbare Alltag, ihr Mann, der sie kontrolliert und bevormundet, die Kleingeistigkeit ihrer Nachbarn, verleiden ihr jede Entfaltungsmöglichkeit. Sie trifft auf ihre ehemals unscheinbare Klassenkameradin, die sich radikal verändert hat. Mit Charisma und Leichtigkeit mischt sie die gedrückte Eva auf. Ich mag den atmosphärischen Schreibstil der Autorin sehr. Die Geschichte beginnt langsam und melancholisch und gewinnt dann an Schwung. Beide Frauencharakter sind stark und überzeugend gezeichnet. Während Eva nähesuchend und empathisch ist, spielt die Kontrahentin das nur und ist in Wirklichkeit emotional distanziert. Obwohl die ganze Zeit auch durch leichte Andeutungen klar ist, dass etwas nicht stimmt, sind die Wendungen überraschend. Der Schluss ist sehr gelungen. Mit großem Feingefühl und ohne Wertung verbindet Martina Berscheid, indem sie die andere Seite der Medaille zeigt und ich kann auf niemanden böse sein, weil niemand einfach nur böse ist, wie im wirklichen Leben. Dieses Buch hat mich, trotz der Tiefe, wundervoll leicht unterhalten.
Eine sehr fesselnde und beklemmende Geschichte
Helgas Bücherparadies am 17.10.2024
Bewertungsnummer: 2318426
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Evas Leben läuft in geordneten Bahnen. Jeder Tag ist gleich, ihr Mann kontrolliert sie und zu ihrem Vater hat sie schon lange keinen Zugang mehr. Da kommt ihr die Einladung zu einem Klassentreffen gerade recht, obwohl sie voller Skepsis ist und ihr Mann zudem davon abrät. Auf dem Treffen begegnet sie Agnes und ist von ihrer Leichtigkeit und Spontanität angetan. Eva merkt, dass sie vieles verpasst hat. Als Agnes sie bittet, als Homesitterin zu fungieren, sagt sie sofort zu. Ihr Leben ist auf einmal nicht mehr langweilig, sondern aufregend.
Nach dem Klassentreffen wird Eva klar, dass sie ihre eigenen Träume nie verwirklicht hat, denn sie bekam sehr früh ein Kind, das sie aber sehr liebt.
Von Anfang an ist die Handlung spannend, und als Eva in eine, ihr fremde Welt eintaucht, und die Geheimnisse von Agnes entdeckt, steigt diese zusätzlich. Diese Wendung bringt nicht nur neue Perspektiven in die Geschichte, sondern lässt auch Evas eigenen Lebensentscheidungen in einem anderen Licht erscheinen. Die Entfaltung der tiefgründigen Charaktere und die Entwicklung der Handlung sind durchweg gelungen, und die verschiedenen Facetten wirken lebendig.
Der Schreibstil ist sprachlich sehr gut und ließ mich nur so durch die Zeilen gleiten.
Fazit: Dies ist ein fesselnder und zugleich beklemmender Roman, der die innere Zerrissenheit der Protagonistin Eva eindrucksvoll einfängt. Eva, die früh ein Kind bekommen hat, sieht sich mit der Realität konfrontiert, dass sie ihre eigenen Träume nie verwirklicht hat. Diese Thematik des Verpassens und der Selbstakzeptanz zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Das runde und überraschende Ende hat mich mit einem sehr guten Gefühl zurückgelassen.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne
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