Mensch und Müll - das ist eine lange und innige Beziehung. Bereits die Neandertaler haben Dinge für nutzlos befunden, aussortiert und weggeworfen. Das alte Rom kämpfte ebenso mit Müllproblemen wie die Metropolen des 19. Jahrhunderts. Doch alles verblasst hinter den Abfallbergen der Gegenwart. Anhand der Produktion von und dem Umgang mit Müll schreibt Roman Köster eine erhellende Geschichte unserer Spezies. Sein Buch bietet die erste durchgehend schmutzige Geschichte der Menschheit.
In der Vormoderne waren Abfälle vor allem ein praktisches Problem. Sie lagen herum, rochen schlecht und behinderten den Verkehr. Im Zuge des starken und weltweiten Städtewachstums seit dem späten 18. Jahrhundert stieg die Aufmerksamkeit für durch Abfälle erzeugte hygienische Probleme, die die Ausbreitung von Typhus oder Cholera begünstigten. Heute hingegen ist der Müll von einer Frage städtischer Sauberkeit zu einem globalen Umweltproblem geworden. In seiner Globalgeschichte des Mülls von der Frühgeschichte bis heute geht Roman Köster den Ursachen dieser Entwicklungen nach und zeigt, wie sich das Wegwerfen, Entsorgen und Wiederverwerten im Lauf der Geschichte verändert hat.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Gertie G.
aus Wien
4/5
25.06.2024
eBook (ePUB)
Ein interessantes Sachbuch
Wenn heute Archäologen mit glänzenden Augen auf Bruchstücke von Keramik und Glas, Knochenreste oder bearbeitetes Metall stoßen, ist die Freude groß. Dass sie dabei häufig in den Abfallgruben der früherer Generationen stöbern, ist den Fachleuten klar. Denn weggeworfen hat man unnütze oder beschädigte Dinge schon immer. Das meiste jedoch wurde wieder verwertet. So hat man schon in der Frühzeit Metallteile eingeschmolzen oder zerbrochene Keramik als Straßenbelag verwendet. Intakte Gebrauchsgegenstände oder Schmuck findet man nur mehr selten, als Grabbeigaben etwa. So gesehen, könnten unsere Müllhalden das El Dorado für Archäologen der fernen Zukunft sein, oder?
Historiker und Autor Roman Köster erzählt eine spannende, gut lesbare Geschichte des Mülls von der Vormoderne bis heute, von Knochenresten bis zu Plastikmüllstrudeln. Er zeigt auch, dass Recycling keine neue Idee ist, sondern etwa in der DDR große Bedeutung hatte. Er streift auch das Sammeln von Metallen während der Weltkriege, als man Kirchenglocken, Türbeschläge oder Denkmälern von unliebsamen früheren Helden eingeschmolzen hat, um Kriegsmaterial für den aktuellen Krieg zu fertigen. Auch das groß angelegte Sammeln von Schmuck, das unter dem Motto „Gold gab ich für Eisen“in die Geschichte eingegangen ist, wird erwähnt. Nicht erwähnt wird, das zu allen Zeiten als „Leichenfleddern“ bekannte, Absuchen von Schlachtfeldern, um brauchbare Uniformen und Waffen einer Wiederverwendung zuzuführen. Dass hierbei Geld oder Schmuck den Besitzer gewechselt hat, ist eine andere Geschichte.
Interessantes gibt es auch zur Geschichte der Müllabfuhr zu lesen: Dass viele Städte schon früh Müllsammler beschäftigt haben, um die noch unbefestigten Straßen halbwegs sauber zu halten. Dass die Vereinheitlichung von Müllsammelgefäßen und Müllsammelfahrzeugen einen großen Schritt zur Abfallbeseitigung beigetragen hat. Köster weist darauf hin, dass die Müllabfuhr oft in privaten Händen (und damit manchmal im Argen) lag. Heute ist sie zu überwiegendem Teil unter kommunaler Verwaltung.
Meine Meinung:
Das Buch ist höchst informativ. Allerdings springt der Autor immer wieder durch Zeit und Raum. Und das, wie das Beispiel Stadthygiene zeigt, innerhalb weniger Sätze von Paris zum revolutionären China ins postkoloniale Indien nur um anschließend im Zarenreich zu landen. Das lässt das Buch manchmal unstrukturiert erscheinen.
In seinem letzte Kapitel widmet er sich der Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll. Hier glaubt er den Beginn des Desasters benennen zu können: 1969 hätte der bekannte Forscher und Reisende Thor Heyerdahl bei einer Kajak im Pazifik größere Mengen Kunststoff beobachten können. Woher dieser schwimmende Müll wohl kam?
Der Autor bietet, wie er in seiner Einleitung darstellt, eine globale Geschichte des Müll. Dabei spannt er den zeitlichen Bogen von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart. Er erklärt das Wachstum einiger Städte ab dem Mittelalter, dass Stadtmauern Fluch und Segen gewesen sind und welchen Anteil der Müll an Seuchen wie Pest und Cholera hat(te).
Wie mit den Müllbergen umgehen? Deponieren? Verbrennen? Oder doch gar nicht erst entstehen lassen? Leider gibt es hier kein Patentrezept.
Dies ist alles sehr interessant, zumal sich im Anhang dazu ein Literaturverzeichnis von 35 Seiten und Anmerkungen von 60 Seiten finden, um zusätzliche Informationen zu erfahren. Diese Fülle an Informationen überfordert den interessierten Laien möglicherweise ein wenig. Zahlreiche Abbildungen ergänzen dieses Sachbuch zur Geschichte des Mülls.
Fazit:
Ein sehr interessantes Buch zur Geschichte des Mülls von der Frühgeschichte der Menschheit bis zur Gegenwart. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.
Bewertung
5/5
02.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
wertvoll
Ab heute sehe ich die Mülltonnen mit anderen Augen. Natürlich hat man die ein oder andere Dokumentation von Müllsammlern in Afrika gesehen, die auf Deponien in ihrer eigenen Welt leben (müssen), am Rande der Gesellschaft. Aber das Buch hier gibt eine breite Darstellung, wie sich der Müll seit den Menschen und mit den Menschen über die Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.
Dadurch erhält man zwangsläufig einen neuen Blick. Ich mochte die sachliche Darstellung mit vielen Quellen sehr. Der Autor ist dabei keinesfalls belehrend oder wertend, es ist sehr objektiv gehalten. Aber gerade das regt zum Nachdenken an. Man bleibt zurück mit dem Willen die Dinge mehr wertzuschätzen, reparieren statt neu kaufen. Es geht um unser aller Zukunft.
Fazit: sehr informativ und wertvoll.
Bewertung
5/5
26.05.2024
eBook (PDF)
Deutscher Sachbuchpreis, Shortlist
Und wieder mal ist e soweit. Acht Bücher sind nominiert. Recht unterschiedlich, teils gut, teils etwas schwerer zu lesen, 8 siehe REzensionen zu den anderen sieben Büchern).
Herausgestochen haben für mich neben " Die Königin" und " verkaufte Zukunft" das Buch von Roman Köster "Müll". Untertitel "eine schmutzige Geschichte der Menschheit". Wieder einmal zeigt der Beck Verlag, daß die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein gutes Händchen für Sachbücher haben, sind doch drei von acht Titeln aus diesem Verlag! Glückwunsch. Und zurecht. Auch "Müll" gehört zu den zeitlosen, lesenswerten Sachbüchern, die in zehn Jahren auch noch aktuell sind! Und das macht ein gutes Sachbuch nun mal aus, Langlebigkeit!
Warum ist das bei diesem Buch so? Weil es gut geschrieben, gut recherchiert, für jeden verständlich geschrieben und Themenmäßig aktuell ist. Müll ist kein Phänomen der Neuzeit, seit es Menschen gibt, gibt es Müll. Nur heute mehr denn je. Und wir müssen was tun, heute am besten gestern.
Roman Köster gibt uns eine Vorlage, wir, jede/jeder Einzelne kann sie umsetzen. Aber erst einmal Problembewußtsein schaffen. Da hilft dieses Buch !
Es ist mein Favorit für den Buchpreis! Viel Glück Roman Köster.
Ralf H.
4/5
13.05.2024
eBook (PDF)
Was ist Müll, oder wichtiger: was macht Müll mit unserem Leben
Ein wissenschaftliches Sachbuch über die Entstehung, Verwendung und Entsorgung von Müll über Zeit, Epochen, Kulturen und wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit.
Meinung:
Ein wissenschaftliches Sachbuch über das kritische Thema Müll.
Es beginnt mit der Vormoderne, wobei der Zeitraum weitgestreckt ist als Menschen noch Nomaden waren bis hin zur Stadtgründung und der Annäherung an die Phase des Industriezeitalter, gefolgt von der Phase der Massenkonsum.
Dabei wird immer die Entstehung von Müll betrachtet, als auch der Begriff als Müll an sich, denn auch der unterliegt dem Wandel der Zeit.
Zunächst wird die Vormoderne beleuchtet. Dieser Abschnitt gestaltet sich nach meiner Ansicht als sehr unübersichtlich, denn es werden unterschiedliche Regionen der Welt, unterschiedliche Kulturen und unterschiedliche Zeiträume ziemlich wild durcheinander gemischt analysiert. Es gibt keine Möglichkeit in dem Roman die Müllhandhabung in China während dem Wechsel der Epochen gezielt zu suchen, sondern es wird die ganze heutige Welt betrachtet, wie mit Blitzlichtern unter einem bestimmten Aspekt, wobei die Kulturen, Anbaumethoden, Ernährungsgewohnheiten und Jahrhunderte dargestellt werden, aber nicht in einer gesteuert Zeitabfolge, sondern einzig unter einem Themengesichtspunkt, dass man danach gezielt suchen könnte. So hüpfe ich als Leser wild durch die Zeit, Lokationen, Kulturen und Außeneinflüsse wild auf der Erde umher. Als Lehrbuch ist der Roman in meinen Augen daher völlig ungeeignet.
Es werden zwar alle möglichen Einflüsse diskutiert, wie z.B. Urbanisierung, mit Pflasterung der Straßen oder ohne, mit Sickergruben oder ohne, mit Flüssen in der Nähe oder ohne, Kanalisation mit/ohne, als auch mit Mauern zum Schutz oder eben ohne. Es ist ein wildes Durcheinander, denn er betrachtet Stadtstrukturen in China, Europa, Südamerika in unterschiedlichen Kulturen zu unterschiedlichen Zeiten. Es ist interessant aber eben ein strukturloses Müsli.
Man kann unmöglich im gleichen Absatz Stadtstrukturen in China um 1200, vergleichen mit Ägypten um 2000 vor Christus mit Peru um ca. 1400 und das dann mit Europa um 1000?! Aber genau das passiert.
Trotzdem bildet sich wie beim Puzzel ein Gesamtbild, nämlich, dass früher fast alle Abfälle, überwiegend Fäkalien, Metalle etc. vor allem von besonders armen Bevölkerungsgruppen konsequent recycelt werden, weil das oftmals die einzige Einnahmequelle war und das war angepasst an die jeweilige Bevölkerungsstruktur, z.B. in der Stadt, mit Mauer und Vieh in der Stadt etc. etc.
Also in der Vormoderne herrscht ein total unübersichtliches, uneinheitliches Chaos in allen unterschiedlichen Städten auch in Deutschland und genau das vermittelt die Geschichte perfekt. Im ersten Abschnitt der Vormoderne bessert sich das erst in den letzten Kapiteln.
Im zweiten großen Abschnitt wird dann die Industrialisierung beschrieben. Die Tatsache, dass diese Phase gemessen an der Vormoderne nur „wenige“ Jahre umfasst, verhilft eindeutig zu einer sehr viel besseren Struktur. Hier sind die Zeitspünge „überschaubar“. Hier werden vor allem auch die Gründe für das „Abhängen“ große Teile der nicht Europäischen Länder erklärt. Nur bedingt begünstigt waren hier in gewisser Weise auch die Kolonien, auch wenn ich insgesamt die Kolonisierung verabscheue, so brachte sie manchen dieser Länder auch „etwas“ Fortschritt, allein dass die indigene Bevölkerung erfahren hat was es alles gibt, von dem aber die große Mehrheit nur indirekt profitieren konnte, wenn überhaupt. Allerdings spalteten sich dabei auch besonders arme und besonders reiche Schichten überall in der Welt voneinander ab.
Zwar beschreibt auch hier der Autor die Auswirkungen, nämlich das gewaschene Wäsche draußen aufgehängt sofort grau wird, doch dass die Mengen an Ruß nur den Stahlfabriken, zu verdanken war, und auch sonstige „Abgase“ und alle „sonstigen Stoffe die so in der freien Umwelt“ nie vorkommen würden, fehlen in der Betrachtung von „Müll“ vollkommen. Schade. Das finde ich bedenklich, zumal auch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen dadurch unübersehbar waren. Selbst die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Grubenarbeiter fehlen völlig. Auch die Tatsache, dass die Mehrheit Steinkohle verheizte wird dargestellt, doch nur die Entsorge der Asche wird diskutiert?? Erst im Kapitel „Ablagern und verbrennen“ wird quasi im Nebensatz auf jetzt fehlende „Recycling der Abfälle“ eingegangen. In meinen Augen beginnt damit bereits das schwarze Zeitalter der unkontrollierten Müllentsorgung. Im Gegensatz dazu werden allerdings die unterschiedlichen Handhabungen von Müll auf dem Land oder Stadt sehr ausführlich betrachtet. Auch die heutigen Spätfolgen, nämliche das mögliche Abstellen der Grubenpumpen, was ein mögliches unkontrolliertes Absenken vieler Gebiete verursachen würde, sind nicht einmal betrachtet.
Zum Finale kommt das Thema Massenkonsum, das mit dem Wirtschaftwachstum nach dem zweiten Weltkrieg einsetzt. Dabei ändern sich vor allem die Inhalte des Abfalls, weil vermehrt alles in Einwegpackungen über den neu entstandenen Supermarkt verkauft wird, anders als individuell abgewogen beim Einzelhändler. Dadurch wuchs die Menge des Abfalls exponentiell. Zunächst gab es zahlreiche Deponien mit ihren spezifischen Problemen mit vermehrt Vergiftungserscheinungen des Grundwassers. Später zunehmend Verbrennungsanlagen mit ebenfalls spezifischen Problemen, doch nur sind die Gifte in der Luft. In diesem Abschnitt wird dann endlich vermehrt auf das Thema Umweltbelasten in allen Aspekten eingegangen. Das letzte Kapitel liefert mir erstmals zahlreiche neue, bis dahin unbekannte, Fakten und vor allem Skandale.
Das letzte Kapitel stimmt mich wenig hoffnungsvoll, dass diese Probleme noch beherrschbar wären. Es scheint eher, dass wir eine weitere Hypothek an unserer Kinder und Enkel hinterlassen…
Für alle die noch mehr Vererbungsschäden ertragen können: „Verkaufte Zukunft“ von Jens Becker, dann wird die Abrechnung mit uns und unseren Eltern komplett.
Fazit:
Ein in Grunde genommenes außerordentlich wichtiges Thema „Müll“ heute ist in meinen Augen für ein kürzlich erschienenen Roman unvollständig und lückenhaft betrachtet worden, aber mit vernichtendem Urteil: vier Sterne.
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5/5
05.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr interessant ist es hier nachlesen...
Sehr interessant ist es hier nachlesen zu können, dass der Mensch seit frühester Zeit ein Müllproblem hatte. Natürlich haben heute die globalen Ausmaße ganz andere Dimensionen. Köster beschreibt auch geographische und gesellschaftliche Zusammenhänge. Ein aufklärendes Buch.
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4/5
03.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Roman Köster erzählt vom unserem...
Roman Köster erzählt vom unserem Umgang mit Müll und die Entwicklung dessen und das seit der Steinzeit. Mal ein ganz anderer Aspekt der Menschheitsgeschichte. Wer hätte gedacht, das Müll so spannend sein kann!
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3/5
29.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leider bin ich nicht ganz mit...
Leider bin ich nicht ganz mit dem Stil warm geworden. Thematisch war es, trotz inhaltlicher Wiederholungen, realtiv interessant.
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