Zoom auf die Hightech-Megacity Shenzhen ist die Stadt der Superlative: die am schnellsten wachsende Metropole der Welt, die jüngste, offenste, reichste und teuerste Stadt Chinas. Ob Elektromobilität, Gentechnik oder Künstliche Intelligenz - bei den wichtigen Zukunftstechnologien werden hier die Trends gesetzt. Wenn Chinaexperte Wolfgang Hirn Shenzhen beschreibt, entwirft er damit gleichzeitig das Bild der Urbanität von morgen. Er bereist die Region seit vielen Jahren und beobachtet die rasante Entwicklung. Auch immer mehr ausländische Konzerne - ob Airbus, Apple, Daimler oder Lufthansa - installieren Labs in der Megacity. Die Weltwirtschaft bekommt mit Shenzhen ein neues Gravitationszentrum, die neue Maßeinheit heißt Shenzhen-Speed.
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Vom Fischerdorf zum Forschungslabor
Sikal am 18.05.2020
Bewertungsnummer: 1329492
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Shenzhen wird mit allem in Verbindung gebracht, was mit „höher, schneller, reicher, teurer, intelligenter“ zu tun hat. Die Millionenstadt wird als das chinesische Silicon-Valley bezeichnet und gilt als „Spielwiese“ für Start-ups, Zukunftstechnologien, wie E-Mobilität oder künstliche Intelligenz.
Wer sich für wirtschaftliche Zusammenhänge, für modernes Denken und Visionäre interessiert, ist mit diesem Buch gut beraten. Shenzhen ist einfach anders – und das erkennt man bereits nach wenigen Seiten.
„Roboter, die in Restaurants bedienen, Drohnen, die Verkehrsrowdys verfolgen, Metrostationen, die man per Gesichtserkennung betreten kann. Mülleimer, die sich melden, wenn sie voll sind.“
Keine Utopie, sondern Realität sind diese Dinge in Shenzhen. Dass von den 20 Millionen dort lebenden Menschen (Durchschnittsalter gerade mal 30 Jahre) Unmengen von Daten gesammelt werden, versteht sich von selbst.
Während China hierzulande häufig als Nachahmer bezeichnet wird, gilt für Shenzhen eine Sondervereinbarung – die Stadt hat nicht nur einen besonderen Status in China, sondern weltweit und beherbergt sämtliche bekannte Konzerne, die ihrerseits wieder viel Geld in Forschung und Entwicklung stecken. Nur so können die Ziele der kreativen Denker umgesetzt werden. Und zielorientiert arbeiten alle in der Greater Bay Area. So wird – wie es in dem Buch so schön heißt – Deutschland (aber nicht nur Deutschland) der Schüler und China der Lehrmeister.
Das Buch ist in einzelne Kapitel gegliedert, die nicht chronologisch aufeinander aufbauen. So kann jeder Leser wählen, welches Thema ihn gerade am meisten anspricht. Man erfährt einiges über die Entwicklung der Stadt, über diverse Konzerne, über die Menschen, die dort leben.
Der Autor Wolfgang Hirn reist bereits seit Jahrzehnten regelmäßig nach China und konnte so auch die Entwicklung Shenzhens mitverfolgen. Er schafft es, seine Begeisterung auf den Leser zu übertragen und gibt einen umfassenden Einblick in diese bemerkenswerte Stadt. Interessant finde ich, dass Shenzhen – obwohl die Stadt so innovativ ist – weniger Wert auf eine „Schule für alle“ legt und die Eltern um die verfügbaren Schulplätze kämpfen.
Was man sehr schön herauslesen kann, ist, dass Shenzhen viele Ideen einfach ausprobiert ohne lange zu diskutieren und zu thematisieren. Es werden Ziele gesetzt und Strategien erarbeiten – diese landen nicht in der Schublade sondern werden umgesetzt.
Ein sehr aufschlussreiches, spannend zu lesendes Buch, das nachdenklich stimmt. Wie wird unsere Zukunft sein? Wird die Smart-City Shenzhen zum Modell für andere Städte? Wollen wir grenzenlose Digitalisierung und Automatisierung? Wo bleibt der Mensch?
Viele Fragen, die man sich dazu stellen kann, lassen das Buch auch zu einem Diskussionsthema werden. Auf jeden Fall gibt es von mir eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
Ein Blick in die Zukunft
annlu am 04.05.2020
Bewertungsnummer: 1324432
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Shenzen – das Silicon Valley des Ostens? Der Vergleich wird oft herangezogen und doch ist Shenzhen kein Abklatsch. Es steht für eine Modellstadt, für Reformen und Innovationen. Wer sich über die Entwicklung der Stadt, die global Player der chinesischen Zukunftskonzerne und die Innovationen in Shenzhen informieren möchte, findet hier das passende Buch.
Die Kapitel sind so gestaltet, dass sie nicht aufeinander aufbauen und der interessierte Leser sich das herauspicken kann, was er möchte. Beginnend mit der Geschichte der Stadt, wird auf start-ups und ihre Stars eingegangen, darauf folgen die großen Internetfirmen. Neue Technologien braucht es auch für Shenzhens Status als Smart City. Die Elektromobilität bekommt ihr eigenes Kapitel, ebenso die Forschung und die Kunst. Den Abschluss bildet das ambivalente Verhältnis zur Nachbarstadt Hongkong und der Blick in die Zukunft, der eine große Verbindung aller Städte in der Nähe verspricht.
Wie sieht eine moderne Stadt aus? Die Einblicke in die Stadt Shenzhen werden zum Anlass genommen nicht nur neue Technologien mit ihrer Geschichte vorzustellen, sondern auch auf Konzerne einzugehen, die längst schon zur Weltspitze gehören. Gilt China oftmals noch als Land der Kopierer und steht im Ruf sich nicht an Patentregelungen zu halten, sind Innovation und Forschung längst schon in die Konzerne eingezogen. Warum das im Bewusstsein der „Ottonormalverbraucher“, die doch sehr westlich orientiert sind, noch nicht angekommen ist, ist eine der Fragen, die sich mir hier öfters gestellt haben. Umso interessanter fand ich die Ausführungen zu Innovationen in der Technologiebranche und zu den „Großen“ der chinesischen Konzerne.
Obwohl auch hier nicht kritiklos berichtet wird (z.B. was den sehr abgeschotteten Konzern Tencent; die Überwachung, die für eine Smart-City nötig ist oder auch fragwürdige Praktiken in der Biotechnologie angeht), sind viele der Beschreibungen neutral gehalten und überlassen es dem Leser, sich eine eigene Meinung zu bilden. Bei aller Faszination, die die technologisierte, stets mit sich selbst in Konkurrenz stehende Megacity in mir ausgelöst hat, fand ich doch einige fast schon beängstigende Aspekt. Wieder eine Frage, die meine Lektüre geprägt hat: Soll so unsere Zukunft aussehen?
Fazit: Der Autor kennt sich mit China aus, hat Shenzhen bereits mehrmals besucht und dabei auch die rasche Entwicklung der Stadt miterlebt. Es gelingt ihm, die Themen so zu behandeln, dass sie angenehm zu lesen sind und Neugier aber auch Kritik wecken.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein atemberaubendes Sachbuch, das nicht zuletzt zeigt, wie moderne Weltwirtschaft funktioniert, deutlich macht, dass die VR China nichts dem Zufall überlässt und letztlich die Frage aufwirft, ob Shenzhen längst das neue Silicon Valley ist.
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... denn bald kommt die Greater Bay Area mit ihrem Herzstück Shenzhen.
Ich war vermutlich wie alle, die dieses Buch lesen überrascht, dass diese Stadt existiert. Ich wusste durchaus was die Chinesen alles können, aber auf diese Stadt war ich nicht vorbereitet.
Der Autor und jahrelanger Kenner der Szene erklärt detalliert wie das kleine Fischerdorf in 40 Jahren zu einer solchen Megacity heranwachsen konnte.
Er beleuchtet die Vorteile (und teilweise auch die Nachteile) der Stadt und gibt einen guten Einblick.
Für mich ein überraschendes, aufschlussreiches und interessantes Buch.
Da kann sich die EU eine Scheibe abscheniden.
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