Weil man vor nichts ewig davonlaufen kann: Der Tod ihres exzentrischen Großvaters bringt Chris' Leben ordentlich durcheinander. Um Abschied zu nehmen, kehrt sie in die Kleinstadt zurück, in der sie aufgewachsen ist, aus der sie jedoch vor über sechs Jahren Hals über Kopf geflohen ist. Sie schlittert wieder in das Leben von damals, mit Doro, Rafa und Antonia, die vor sieben Jahren entschieden haben, als Wahlfamilie gemeinsam ein Kind großzuziehen. Zusammen mit Chris, eigentlich. Stück für Stück realisiert sie, wieso sie damals vor der Verantwortung weggelaufen ist und was das alles mit ihrem Großvater zu tun hatte. Ihr wird bewusst, was für einen Einfluss ihr Großvater auf sie gehabt hat, der Mann, der sich sofort auf jeden vermeintlichen Fehler gestürzt hat. Es waren seine Augen, die immer über sie gewacht haben und ihren Blick gelenkt haben. Ein Großvater, ein Kind und eine steinalte Hündin: Ela Meyer erzählt in Furchen und Dellen die Geschichte von alten Freund*innen, von einer Rückkehr und vom Aufwühlen tiefsitzender Emotionen einfühlsam, authentisch und mit genau der richtigen Prise Humor. Dabei nennt die Autorin die Dinge beim Namen und widmet sich wichtigen Themen wie gesellschaftliche Erwartungen an Frauen, Kinderwunsch und gewollte Kinderlosigkeit, unterschiedliche Familienmodelle und Feminismus. So befreiend kann das Ende eines Lebensabschnitts sein! Das gleichnamige Hörbuch, gesprochen von Marion Elskis, erscheint als digital only bei GOYALiT.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Mir hat schon das erste Buch von Ela Meyer ‚Es war schon immer ziemlich kalt‘ sehr gut gefallen. Und auch in diesem Buch liebe ich die Beschreibungen der Charaktere.
Das Buch macht Mut und nachdenklich und wirkt noch lange nach.
Tiefgründiger Roman. Schatten…
MarcoL aus Füssen am 17.08.2024
Bewertungsnummer: 2877081
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Tiefgründiger Roman. Schatten der Vergangenheit, kindliche Prägungen uns Selbstbestimmung der Frau. Chris kehrt nach sechs Jahren in ihre Heimatstadt zurück. Ihr Großvater liegt im Sterben. Gemeinsam mit Mutter und Bruder wacht sie am Krankenbett, ihre Vergangenheit holt sie ein. Zum einen ist es ihr Opa, der ihr Denken und Leben maßgeblich bestimmte. Er war ein frauenfeindlicher Patriarchat durch und durch. Sie wuchs mit ihrem Bruder und ihre Mutter zusammen in dem kleinen Miethäuschen auf, in welchem der Großvater über alles herrschte, und vor allem anherrschte, während ihre Mutter für den Lebensunterhalt sorgte. S.107: „Weiber waren nervig, so ließ er es durchklingen, waren zweitklassig, waren weniger wert. Er stellte sich darüber, weil er meinte, das Recht dazu zu haben, weil so das Patriarchat funktionierte.“ Zum anderen war es die WG, in der Chris dann lebte. Ihre beste Freundin Doro wollte unbedingt ein Kind, und der Plan war, dass die WG-Bewohner:Innen sich dann alle gemeinsam um das Kind kümmern sollen. Damit war Chris heillos überfordert, sie wollte das nicht, und schon gar keine Verantwortung über fremdes Leben übernehmen. Es gab Unverständnis auf beiden Seiten. Hals über Kopf zog sie aus. Nun, sechs Jahre später, kommt sie zurück, Begegnungen sind unausweichlich. Es kommt zu Annäherungen, einem ersten, heftigen Schlagaustausch zwischen ihr und Doro. Die Fronten klären sich, die Sichtweisen beider Frauen, und auch die der WG-Mitglieder, werden uns preisgegeben. Ela Meyer packt in diesen Roman sehr viele Themen hinein, die sie sehr geschickt in eine kleine Rahmenhandlung verwebt. Was ist Heimat, oder wo ist sie? Oder wie bestimmt unsere Kindheit/Vergangenheit unser weiteres Leben? Was machen frühkindliche Prägungen mit uns (sehr spannend)? Viele Fragen suchen nach Antworten. Selbstbestimmung der Frauen über ihren eigenen Körper, die Freiheiten, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Chris wollte einfach keine Kinder bekommen, und die Gesellschaft verlangt nach wie vor von den Frauen, die sich so entscheiden, eine Rechtfertigung. S.38: „Je breiter mein Becken in den Jahren meiner Pubertät wurde, desto sicherer war ich mir, niemals ein Kind hindurchpressen zu wollen […] Die ganzen Zuschreibungen, die mein Körper erfuhr, reduzierten ihn auf Funktionen, Ausscheidungen und Organe: Becken, Brüste, Gebärmutter, Eierstöcke […]“ S.192: „Ich bereue vor allem, dass es all diese unverhältnismäßigen Erwartungen an Personen mit Uterus gibt und es mir nie möglich war, mich davon unabhängig zu machen. Und ich bereue, mein Leben lang an die Zuschreibungen meines Opas geglaubt zu haben […]“ Während ihres Aufenthaltes in ihrer alten Heimat schafft es Chris so allmählich, sich von den Gespenstern der Vergangenheit zu lösen, und endgültig zu akzeptieren, dass jeder Mensch allein für sich, sein Tun, seine Wünsche, Sehnsüchte, das ganze Leben, verantwortlich ist. Auch die Passagen, wem ein Kind wohl ähnlicher sehe, all das Geschwafel der Leute über dieses Thema, das wirklich niemanden etwas angeht (und wir uns dabei wohl auch selber an der Nase nehmen müssen), fand ich sehr gut. Das ganze Buch ist eine gut durchdachte Aufarbeitung von so manchen „Mängeln“ unserer Gesellschaft, vor allem aus der Sicht einer Frau. Manchmal wünschte ich mir beim Lesen zwar, dass es weniger thematische Wiederholungen gegeben hätte, aber in Summe fügt sich alles zusammen zu einem Aufschrei, was alles so falsch läuft. Gerne gebe ich in eine Leseempfehlung , und wünsche Ela Meyer von Herzen, dass sehr viele diesen tiefgründenden Roman lesen, vor allem auch Personen mit Y-Chromosomensatz.
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