Das Buch von Alexander Graf verarbeitet die aktuellen Entwicklungen der E-Commerce-Branche.
Plattformen wie Amazon, TEMU, Trendyol usw. haben die Regeln komplett neu- und umgeschrieben. Was 2020 noch "gut" war, lockt 2024 keinen Kunden mehr in den Onlineshop. Das Buch schaut sich die neuen Regeln genau an und bewertet diverse Spieler in diesem Markt nach diesen neuen Regeln.
Es beantwortet Fragen wie: Was kommt nach Zalando? Wo geht die Reise mit Amazon hin? Warum ist TEMU so erfolgreich?
Das Buch ist sehr gut lesbar für E-Commerce-Entscheider. Der Autor selbst arbeitet seit 20 Jahren in der Branche auf Entscheiderebene und weiß, wie man mit und für die Zielgruppe kommuniziert. Es ist kein theoretisches Werk, sondern spricht ganz klar die Herausforderungen der Industrie an.
Case Studies bezogen auf den deutschsprachigen Markt runden den Praxisbezug des Buches ab.
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Unverzichtbar für die Branche: Grafs Blick auf die E-Commerce-Zukunft
Der E-Commerce-Seriengründer und auch in der Community sehr bekannte Handelsexperte und Podcaster („Kassenzone“) Alexander Graf hat mit „Gewinnen in der Plattform-Ökonomie“ (2024) nach „Das E-Commerce-Buch“ (2017) sein zweites Fachbuch vorgelegt.
Während die Hardcopy des Erstlingswerks nicht nur vom Format, sondern auch in puncto Seitenzahl mit knapp 400 Seiten deutlich opulenter daherkam, ist Grafs neues Opus merklich schlanker (knapp 230 Inhaltsseiten). Man könnte auch sagen, dass das Buch in seiner Bündigkeit und Prägnanz auch der Schnelllebigkeit der E-Commerce-Branche bestens entspricht – einer Industrie, in welcher ständig neue Phänomene entstehen – wie in jüngerer Vergangenheit etwa aus China in Gestalt von Shein und Temu.
Für alle, die wissen wollen und müssen (der Untertitel des Buchs lautet ja „Der Leitfaden für Handelsentscheider“), was Stand 2024 mögliche Erfolgsfaktoren für den Betrieb von E-Commerce-Geschäften sind, kommt an diesem Titel nicht vorbei.
Das Buch besteht aus vier Teilen:
Der erste Abschnitt gibt in einer einzigartigen Art und Weise einen Abriss über die globale E-Commerce-Geschichte, wie ich es so noch nirgendwo anders gefunden habe: Prägnant, anekdotisch, aber immer substanziell – auch schön zum Schwelgen in Erinnerungen für ältere Lesende.
Im zweiten Kapitel kristallisiert Graf auf Basis von Daten und Weltwissen fünf Eigenschaften von Plattformen heraus, die auch Erfolgsfaktoren sein können (Einzigartigkeit, Unabhängigkeit von eigenem Lagerbestand, Geschwindigkeit, Skalierbarkeit, Datenzentriertheit).
Im dritten Teil erfolgt eine spannende Darlegung von über zwanzig Fallstudien deutscher und internationaler E-Commerce-Unternehmen/-Plattformen (von Otto über Zalando via Amazon und Mercado Libre bis hin zu Teimu und Shein), die Graf anhand seiner Taxonomie bewertet.
Im vierten und letzten Kapitel erfolgt der Ausblick samt Ableitungen und Empfehlungen. Der Case-basierte, induktive Ansatz hilft dabei, verschiedene Erfolgsfaktoren zu kristallisieren – eine Garantie für Erfolg sind die einzelnen Faktoren dabei jedoch nicht immer. So können z. B. auch Unternehmen, die heute noch Lagerbestand haben, in bestimmten Branchen nach wie vor erfolgreich sein, aber solche, die wenig eigenen Bestand haben, sind im Schnitt heute besser dran.
Natürlich steht über allem die große Branchenfrage, wie mit den recht kompromisslosen neuen chinesischen Formaten (z. B. Teimu, Shein oder TikTok Shops) umzugehen ist. Einfach nachmachen geht nicht so – da scheitert es allein schon an manchen regulatorisch-gesetzlichen Rahmenbedingungen in der westlichen Welt. Aber die Prinzipien dieser Formate zu verstehen, hilft dabei, beim eigenen Geschäft Stellschrauben zu identifizieren und Risiken zu reduzieren.
„Handel ist Wandel“ – noch nie hat es so gestimmt, und ich denke, Alexander Graf wird schon bald eine Aktualisierung dieses Buches vornehmen können, wenn wieder neue, heute noch kaum erdenkliche Player aus irgendeiner Ecke dieser Erde (oder gar aus Deutschland?) mit einem neuen, aberwitzigen E-Commerce-Konzept auf den Plan treten.
Als kleiner Wermutstropfen: Das Buch sollte wohl fix auf den Markt kommen. Nur so ist zu erklären, dass bei allem verständlichen Praxisbezug die Grafiken z. T. ungenau beschriftet/betitelt und durchweg ohne Quellenangaben sind. Insgesamt ist das Buch leider schlampig lektoriert mit überdurchschnittlich vielen Fehlerchen verschiedener Art, aber zum Glück ohne inhaltlich-sachliche Schnitzer, was bei einem Fachbuch definitiv ein Problem wäre. Der Wiley-Verlag ist jetzt kein unbedeutender Fachverlag, daher wundert mich das Lektorat, ebenso wie das sehr biedere Cover-Design im Stil der neunziger Jahre (ja, das Auge kauft/isst mit). Das Gute aber: Bei diesem sehr gelungenen Buch kann man definitiv sagen: „Don’t judge the book by the cover!“
Fazit: Aus meiner Sicht ist dieses sehr gut und schmissig geschriebene Buch eine absolute Pflichtlektüre für alle, die E-Commerce heute verstehen wollen und müssen.
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