Julia ahnt schon lange, dass in ihr mehrere Persönlichkeiten wohnen. Als ihre kleine Tochter Joana spurlos verschwindet, muss sie sich dieser Tatsache stellen. Unterstützt von zwei Freundinnen tritt sie mit ihren verschiedenen Identitäten in Kontakt. Sie muss sie als Verbündete gewinnen – sonst wird sie Joana niemals wiedersehen.
Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Die Suche nach Joana führt in ein kleines Dorf im Südwesten Frankreichs. Werden die „anderen“ ihr helfen, Joana wieder wohlbehalten in die Arme nehmen zu können?
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Thriller oder Spannungsbücher sind eigentlich nicht mein Genre. Weswegen ich bei diesem Buch auch absolut nicht damit gerechnet habe, dass es mich von der ersten Seite bis zum Schluss komplett einsaugen würde! Ich hab es innerhalb von zwei Tagen ausgelesen, zu wenig geschlafen weil ich wissen wollte wie es weitergeht und es nur widerstrebend zur Seite gelegt. Toni, Helen, Julia, Bernadette und auch die kleine Joana haben mich gefangen genommen und auch nach dem Lesen länger nicht losgelassen - das hatte ich wirklich lange bei keinem Buch mehr!
Die Themen im Buch sind nicht leicht verdaulich - eine dissoziative Identitätsstörung entwickelt sich als Schutzmechanismus auf Erfahrungen und Traumata, die nicht zu ertragen wären, wenn sie nicht in andere Persönlichkeitsanteile abgespalten werden könnten. Die Autorin beschreibt diese Erfahrungen einfühlsam und aus Sicht der Protagonistin, verschleiert jedoch nichts und nutzt Andeutungen, die voll ausreichen, um zu verstehen, was Julia Furchtbares widerfahren ist, wodurch es auch nicht (wie so oft bei diesen Themen) voyeuristisch wird.
Stilistisch fand ich es sehr schön, dass wir erst Stück für Stück und in einzelnen Rückblenden zu Julias Geburtstagen ihre Biografie erfahren, während wir gleichzeitig dabei zusehen (müssen), wie diese junge Frau sich immer wieder in riskante Situationen begibt und wir mit ihr um ihre Tochter Joana bangen.
Auch, dass wir mit Julia, Toni und Helen gemeinsam Julias Persönlichkeitsanteile kennenlernen und diese dadurch erst greifbarer und plastischer werden, fand ich sehr geschickt. Ich bin mir recht sicher, dass das Buch dadurch auch für Personen, die nicht „vom Fach“ sind, eine ähnliche Wirkung wie auf mich erzielt.
Es wäre aber wohl keine Rezi von mir, wenn ich nicht auch etwas zu meckern hätte: die Heroisierung von Polizist*innen und die Beweggründe der einzelnen Figuren, diesen Beruf zu ergreifen, waren mir zu pauschal, zu unkritisch und zu wenig differenziert. Der Polizeiberuf ist ohne Zweifel ein wichtiger, der wahnsinnig an die Substanz geht und fordert - gleichzeitig ist aber der Polizeiapparat an sich ein System, das eine dringende Reformierung benötigt um inhärente Gewaltstrukturen aufzulösen, damit sich polizeiliche Methoden wirklich nur noch gegen Menschen richten, die anderen Menschen Unrecht tun, und nicht zum Mittel für eklatanten Machtmissbrauch werden.
Alles in allem aber ist „Meine Liebe tötet“ ein grandioses Debüt, das ich jedem ans Herz lege, der einen spannungsgeladenen Roman lesen möchte, den er erstmal nicht mehr aus der Hand legen kann.
Spannender und komplexer Psychokrimi
Bewertung am 03.12.2024
Bewertungsnummer: 2355645
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Julia die Protagonistin in Dagmar Kramps Erstlingswerk „Meine Liebe tötet“, lebt mit ihrer kleinen Tochter Joana und ihrer Tante Bernadette auf dem Land. Als Joana plötzlich verschwindet wird Julias Leben auf den Kopf gestellt und auch ihre Tante kann die Augen vor den Problemen, die schon lange im Hintergrund schwelen, nicht mehr verschließen. Nach und nach wird klar, dass Julia an einer dissoziative Identitätsstörung leidet, d.h. dass sie mehrere Persönlichkeiten entwickelt hat und diese abwechselnd die Kontrolle übernehmen. Hat eine dieser Persönlichkeiten etwas mit Joanas Verschwinden zu tun? Wer ist der Vater von Joana und – hat er Joana entführt?
Julia muss aktiv werden. Ihre verzweifelte Suche nach ihrer Tochter führt sie u.a. in ihre Vergangenheit und es wird klar, dass sie der Wahrheit nur auf den Grund kommen kann, wenn sie sich ihren Dämonen stellt. Zwei Freundinnen helfen ihr auf ganz unterschiedliche Weise dabei.
Durch gezielte Sprünge in die Vergangenheit, entblättert die Autorin nach und nach geschickt die Auslöser für Julias Erkrankung. Die Tatsache, dass Dagmar Kramp Psychotherapeutin ist erklärt weshalb sie das Thema Multiple Persönlichkeiten so gut beschreiben kann. Außer der Spannung, die die Autorin mit dem Erscheinen und Verschwinden der verschiedenen Persönlichkeiten Julias erzeugt, kann sich der Leser überraschend gut in die Protagonistin hineinversetzen.
Absolut lesenswert!
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