Kara Swisher legt eine witzige, bissige, aber faire Abrechnung mit der Tech-Industrie und ihren Gründern vor. Sie berichtete seit den frühen 1990er-Jahren über den Aufstieg von Google, Apple, Amazon und Co und blickt auf eine unglaubliche Erfolgsbilanz zurück. Ihre Artikel und ihr Netzwerk sind legendär. Ihre Streitlust und ihr Witz auch. Ein Tech-CEO vermutete einmal, sie würde „in den Heizungsschächten lauschen“, und Sheryl Sandberg sagte: „Es ist ein Running Gag, dass Leute Memos schreiben und sagen: ‚Ich hoffe, Kara sieht das nie.‘“ Teils Memoiren, teils Geschichte und vor allem ein Bericht über die mächtigsten Akteure der Tech-Branche: Dies ist die Insider-Story, auf die alle gewartet haben, über das Silicon Valley und die größte Gelddruckmaschine der Menschheitsgeschichte.
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Kara Swisher gilt als eine der einflussreichsten amerikanischen Journalistinnen der Technologie- und Internetbranche, da sie seit über 30 Jahren die Entwicklungen im Silicon Valley begleitet. Als Insiderin der Tech-Branche ist sie bei vielen Tekkies wegen ihrer Fachkompetenz gefürchtet, aber auch wegen ihrer fairen Berichterstattung geachtet und beliebt. In Deutschland kaum bekannt, ist die Journalistin in den USA eine Institution. In ihrem “Burn Book“ zeichnet Kara Swisher ihren beruflichen Werdegang nach und blickt zurück auf die Stationen ihrer Karriere, etwa beim Wall Street Journal und ihrer eigenen Firma Recode. Zusammen mit ihrem langjährigen Kollegen und späteren Geschäftspartner Walt Mossberg führte sie unzählige Interviews mit führenden Persönlichkeiten der Tech-Branche. Die New York Times bezeichnete diese Konferenzen als „Goldstandard für Live-Journalismus“, wobei das gemeinsame Interview mit Steve Jobs und Bill Gates im Jahr 2007 als legendär gilt, da „Jobs und Gates seit langem eine Antipathie gegeneinander hegten“. Dazu gibt es übrigens ein Video auf youtube: einfach „Interview Steve Jobs and Bill Gates by Kara Swisher and Walt Mossberg at D5 Conference 2007“ googeln. Alle relevanten Führungspersönlichkeiten saßen bei ihr auf dem „roten Stuhl“. Viele Interviewpartner waren narzisstisch, arrogant und nicht kritikfähig. Aber es gab auch andere interessante Personen, menschlich, bescheiden und dennoch fokussiert. Erwähnenswert sind Marc Andreessen von Netscape („ein lästiger, verärgerter Trottel“, „mürrisch“, „dystopisch“), Sergey Brin und Larry Page von Google („liebenswert tollpatschig und zunehmend bizarr“), Sheryl Sandberg, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg, Rupert Murdoch, George Lukas und Elon Musk („nur eine Frage der Zeit, bis wir in das Kapitel ‚Howard Hughes‘ eintreten – der nächste brillante Mann, der auf die schiefe Bahn gerät.“) . In vielen unterhaltsamen Anekdoten charakterisiert Swisher diese Menschen. Dabei geht sie manchmal hart, oft subjektiv und bissig, aber meist fair und unterhaltsam mit ihnen ins Gericht und nimmt kein Blatt vor den Mund. Ein Personenregister sucht man übrigens vergeblich, das hat sie bewusst weggelassen. Sie möchte, dass die Betroffenen ihr Buch lesen müssen, um herauszufinden, ob sie auch dabei sind. Neben ihren Interviews sind auch ihre Analysen treffend formuliert. So hat sich ihre frühe Prognose, dass alles, was digitalisiert werden kann, auch digitalisiert wird, als richtig erwiesen. Ebenso zutreffend ist, dass es die Politik nach einem Vierteljahrhundert Internetzeitalter versäumt hat, den Tech-Unternehmen wichtige Regeln zum Schutz der Menschen aufzuerlegen: kein Schutz der Privatsphäre, kein angepasstes Kartellrecht, keine Transparenzvorgaben für Algorithmen, kein Fokus auf Sucht und psychische Auswirkungen. Swisher ist überzeugt, dass Sicherheit und Innovation keine Gegensätze sein müssen, sieht aber einen technologischen Tsunami auf uns zukommen, insbesondere durch künstliche Intelligenz. Der Stil ist umgangssprachlich und daher gut lesbar, auch wenn die Autorin manchmal verbal ins Vulgäre abdriftet. Die Übersetzung ist aus meiner Sicht verbesserungswürdig und wirkt, als habe eine überforderte KI mitgeholfen. Manchmal passen die Bilder nicht, Redewendungen werden holprig übersetzt und die englischen Spitznamen für Ikonen des digitalen Zeitalters funktionieren häufig im Deutschen gar nicht. Kara Swisher legt mit ihrem Buch die Finger in viele Wunden und benennt Probleme und Schwächen von technischen Entwicklungen mit großer Klarheit. Sie lässt sich den Mund nicht verbieten, nennt Unsinn beim Namen, auch wenn er von „mächtigen“ Personen verbreitet wird. Man spürt, sie brennt für ihren Beruf.
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