Selbstmitleid ist Lina fremd, denn sie hat reichlich Humor. Doch woher all die Wut kommt, die mitunter aus ihr herausbricht? Sie scheint dann ganz außer sich, völlig daneben. Weil wohl einfach zu viel zusammengekommen ist. Kein kleines Familiendrama, ein großes. Ihre Zwillingsschwester Luise ist spurlos verschwunden. Vor Jahren. Schon lange lebt Lina deshalb nicht mehr in Wildhof. Jetzt aber muss sie dorthin zurückkehren, um aufzuräumen, nachzuforschen, zu begraben und abzuschließen.
Gut dreißigjährig und frisch verwaist sucht sie nun einen Käufer für das Elternhaus und findet wieder, was auf immer versunken schien. Auch endlich eine Spur. Denn Luise hat ihr einen Wegweiser hinterlassen …
In einer Gegenwart, in der sie gehalten wird vom durchsonnten Wald und von alten Freundschaften, kratzt Lina beidhändig die vermooste Vergangenheit frei. Und damit ihre eigene Zukunft.
Ein sinnliches Buch, voller Gefühle, Gerüche und Geräusche, angespannt und spannend bis zum Schluss.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Trauer ist still und schaut in den Wald, die Wut aber lärmt und tritt, boxt und knurrt. So wie Lina.
Atemlos, wild, gnadenlos, ohne Vorwarnung werden wir hineingeschleudert in das Leben von Lina, in dem die Zeit in die falsche Richtung läuft, denn sie landet mitten in der Vergangenheit. Sie kommt zurück nach Wildhof, den Ort ihrer Kindheit, wo der Wald, das Haus, die Geister und die Tentakel der Erinnerung auf sie warten. Das Haus auflösen, sich im Wald verwurzeln.
Sofort sind sie da, gnadenlos, im Text wie in Linas Kopf, Erinnerungsfetzen. See, Baumhaus, Bilder, Klavier, Regen, Eltern, Freundesband, Kunst, Leben, Hund Sherry, lachen, Luise. Ungefiltert prasselt es weiter, die Putzflaschen mit Vodka drin, die Bewährung.
Was ist denn nur geschehen? Wo ist Lina hier hineingeraten? Der Wald ist um das Haus, er beschützt, er lebt, er ist laut. Alles ist laut. Nur manchmal gibt es Pausen.
Lina kotzt, weint, schreit, lehnt sich auf, konfrontiert, benennt das Unsagbare, sucht die Stille, durchbricht das Schweigen, wird wieder Teil der Natur in Wildhof. Und lässt die alten Freund*innen wieder an sich heran.
Eva Strasser hat einen überwältigenden, großartigen, freien, wilden und mystischen Roman geschrieben, den ich von der ersten bis zur letzten Seite gefeiert habe. Er ist voller Musik, Farben, besonderer Menschen, die das Schwierige aushalten, voller Gerüche, Kaffee, Zigaretten und Geräusche, Schuld, Scham, Trauer, Wut.
Lina stellt sich ihrer Vergangenheit mit viel unterschwelligem Humor, Selbstironie und Hilflosigkeit. Im Text ist Wucht, er ist tollkühn und wunderschön, intensiv und ohne Kompromisse. Sprachlich ist das ganz, ganz groß. Das Leben kann ja nun mal auch größer sein als die Gefühle.
Was für ein fantastisches Buch. Es bleibt spannend bis zum Schluss. Das Drehbuch sieht ein offenes Ende vor, und das ist gut so. Denn da draußen wartet eine Zukunft.
Wild und anders
hamburg.lesequeen aus Bargfeld-Stegen am 05.12.2025
Bewertungsnummer: 2670442
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
WILDHOF
Eva Strasser
ET: 20.2.25
Die fast 30-jährige Lina kehrt nach dem tödlichen Unfall ihrer Eltern nach Wildhof zurück, um deren Nachlass zu regeln. Seit ihrem 18. Lebensjahr war sie nicht mehr hier gewesen; der Kontakt zu ihren Eltern war längst abgebrochen. Ihre Mutter Henny war zuletzt schwer alkoholkrank, und auch der Vater – ein Künstler, der früher Gitarre spielte und gemeinsam mit seiner Frau Bilder malte – bot ihr keinen Grund zurückzukehren.
Nun steht sie wieder vor dem Haus am Waldrand, das fast unverändert wirkt. Kaum hat sie die Schwelle überschritten, holen sie die Erinnerungen ein. Besonders die an ihre Zwillingsschwester Luisa, die mit 13 Jahren spurlos verschwand – und deren Stimme Lina nun wieder zu hören glaubt. Bilder und Gefühle aus jener Zeit tauchen unaufgefordert auf, bedrängend und vertraut zugleich. Doch je länger sie in dem alten Haus bleibt, desto mehr wandeln sich diese Erscheinungen. Was zuerst überwältigt, wird nach und nach weicher – und Lina beginnt, Frieden mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu schließen.
Selten hat mich ein Buch trotz einer sperrigen Protagonistin so berührt. Lina ist unangepasst, wild, sensibel und zugleich unglaublich verletzlich. Eva Strasser gelingt es meisterhaft, sie und Wildhof – das Holzhaus, das Wetter, die Atmosphäre – mit eindringlichen, bildreichen Worten zum Leben zu erwecken.
Eines jener Bücher, bei denen man am liebsten jeden Satz markiert.
Beispiel: „Nie hatte Lina gedacht, dass Hanno in Wildhof bleiben würde, aber es gibt so Menschen, die haben alles in sich, die brauchen von außen gar nichts mehr, es ist egal, wohin sie gehen, weil sie in sich selbst zu Hause sind.“ (S. 69)
Fazit:
Ich habe dieses Buch unglaublich gerne gelesen. Es ist frisch, wild und etwas ganz Besonderes.
4½/5
Meinung aus der Buchhandlung
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In "Wildhof" von Eva Strasser geht es um Lina, die nach dem Tod ihrer Eltern wieder zurück in ihr Kindheitshaus kehren muss, um die Hinterlassenschaften ihrer Familie zu richten. Jedoch holt sie die Vergangenheit, welche sie eigentlich vergessen wollte, wieder ein. Nun muss sie sich mit dem Verschwinden ihrer Zwillingsschwester befassen, um endlich mit allem abschließen zu können.
Ein absolutes Chaos an Gefühlen, welche durch diesen Roman bei mir ausgelöst wurden. Der Schreibstil und die Handlung haben mich vom ersten Satz an direkt mitgenommen, sodass man fast nicht aufhören konnte zu lesen.
Eine Geschichte über Familie, Verlust, Vergangenheit und dem Abschließen von all diesen Ereignissen. Es ist mir unter die Haut gegangen!
Absolute Empfehlung!
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Lina kehrt nach dem Tod ihrer Eltern in die Heimat zurück. Hier ist vor mehr als 15 Jahren ihre Zwillingsschwester Luise verschwunden. Lina versucht das Elternhaus zu verkaufen und zugleich das Geheimnis zu lüften. Eva Strasser ist ein unfassbar atmosphärischer Roman gelungen, der uns LeserInnen bis zu Ende mitreißt. Toll!
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