Die Steinhuder Meer Region ist ein friedlicher Ort, dachte Hauptkommissar Steffen Stein. Doch als ein Toter im allseits beliebten Urlaubsgebiet gefunden wird, ist er sich dessen nicht mehr sicher.
Menschen in der Region fallen in Schockstarre. Sollten Ruhe, Achtsamkeit und Seeidylle nun der Vergangenheit angehören? Erstmals in der Geschichte des Binnensees wird eine Sonderkommission ins Leben gerufen.
Die SOKO Steinhuder Meer ermittelt und nimmt auch die Historie des Binnensees ins Visier.
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Ein Wohlfühlkrimi mit viel Lokalkolorit und einer Brise Dorfklatsch
Der Prolog von Mord mit Seeblick fängt auf eine beeindruckende Weise die echte Steinhuder Meer Atmosphäre ein. Da ich selbst schon öfter vor Ort war, läuft das Geschehen sofort wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ich sehe genau, wohin der unbekannte Mann geht, was er gerade betrachtet und wie die Touristen auf ihn wirken. Dass gleich zu Beginn kleine Anekdoten zu Sagen und historischen Fakten eingewoben werden, gibt dem Einstieg eine ganz besondere Richtung. Es herrscht eine wohlige Urlaubsidylle, durch die aber auch ein feiner Hauch von Dunkelheit weht.
Nach diesem stimmungsvollen Start nimmt sich Johanna Ritter erst einmal viel Zeit, um die Figuren vorzustellen, ehe die eigentliche Krimihandlung beginnt. Da ich am Anfang sehr vielen Charakteren begegne, von denen manche später kaum noch eine Rolle spielen, während andere in den Fokus rücken, drosselt diese Vorstellung das ohnehin gemütliche Erzähltempo. Für mich ist das beim Lesen aber absolut okay. Die Entschleunigung sorgt dafür, dass ich diesen Wohlfühlkrimi einfach genießen kann.
Johanna Ritter fängt das Lokalkolorit wunderbar ein. Ich mag es unheimlich, wie sie die Gegend rund um das Steinhuder Meer beschreibt. Ich kann mir jeden einzelnen Schauplatz bildhaft vorstellen, selbst die Ecken, an denen ich persönlich noch gar nicht gewesen bin, wie das Heimatmuseum in Mardorf. Ihr Schreibstil ist klar, leicht verständlich und manchmal herrlich ausschweifend, wenn präzise Ortsbeschreibungen und Alltagsbeobachtungen zum Tragen kommen. Genau das macht für mich den Reiz von Mord mit Seeblick aus, weil viele humorvolle und ironische Einschübe die Geschichte wunderbar locker halten.
Die personale Erzählperspektive wechselt geschickt zwischen verschiedenen Figuren, sogar innerhalb der Kapitel. Dadurch entsteht beim Lesen ein sehr vielfältiges Bild von der Region und den einzelnen Charakteren. Die Perspektivwechsel sind immer gut gesetzt, sodass ich nah an den Figuren und ihren Gedanken und Emotionen bin.
Der Kriminalfall selbst ist spannend aufgebaut. Das Opfer ist altertümlich gekleidet. Dieses skurrile „Wie und Warum“ weckt bei mir eine Neugierde, die unterschwellig die ganze Zeit über schwelt, während sich die Handlung leise auf das Finale zubewegt. Dadurch, dass es verschiedene Parallelstränge gibt und sich eben nicht alles nur um das Verbrechen dreht, gewinnt die Geschichte an Vielschichtigkeit.
Die Charaktere wirken lebensnah, auch wenn sie bisweilen bewusst etwas typisiert sind. Hauptkommissar Steffen Stein ist mir sympathisch. Er ist ein bodenständiger Ermittler, und sein Kollege Marlon Herzog bildet als spannender Sparringpartner das perfekte Gegenstück zu ihm. Mein heimlicher Favorit ist allerdings das Ehepaar Bitterfeld. Die beiden sind für mich der Inbegriff der absolut klassischen Nachbarn. Sie sind herrlich nervig, besserwisserisch und einfach genial gezeichnet. Mit ihrer unbändigen Neugierde befeuern sie perfekt die typische Gerüchteküche, wie sie in jeder Nachbarschaft zu finden ist.
Die bunte Mischung aus Alltagsleben, Yoga-Seminaren, lokaler Geschichte und dem normalen Polizeialltag erzeugt ein tolles Gesamtbild mit spannenden Verknüpfungen. Die sozialen Dynamiken werden hier pointiert beschrieben. Ich merke beim Lesen kaum, wie ich immer mehr in Mord mit Seeblick versinke, während ich eifrig mitrate. Die durchdachte und schlüssige Auflösung am Ende überrascht mich und lässt mich zufrieden das Buch zuschlagen.
Fazit:
Mord mit Seeblick begeistert mich als entspannter Kriminalroman mit leichtem Urlaubsfeeling. Die gelungene Mischung aus lokaler Geschichte, lebendigen Charakteren und einer schlüssigen Auflösung macht das Buch zu einer klaren Leseempfehlung für alle Cozy-Crime-Fans.
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