Die junge Goldschmiedin Lilo hat ein sehr angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, von deren familiären Wurzeln sie so gut wie nichts weiß. Als ein Schreiben auftaucht, das mit der Großmutter zu tun hat, stellt Lilo Fragen, und es kommt zum Streit. «Deine Großmutter hat mein Leben zerstört!», schreit die Mutter schließlich. Lilo ist sprachlos – und beginnt Nachforschungen anzustellen.
Als ihr Mann aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, hofft Agnes auf das lang entbehrte Eheglück. Aber Walter leidet unter Albträumen, verhält sich autoritär und abweisend. Agnes flüchtet sich in ihre Arbeit bei der französischen Besatzungsverwaltung, wo sie Anerkennung erfährt und ein Gefühl der Freiheit erlebt. Doch nach der Geburt der Tochter soll sie wieder an den heimischen Herd. Ihr Zuhause wird für sie zum Gefängnis. Als Agnes schließlich etwas über Walter erfährt, was große Sprengkraft besitzt, muss sie sich entscheiden: Will sie für ihren Traum von Selbstbestimmung kämpfen oder sich in ihr Schicksal fügen?
Ein bewegender Roman über die Geschichte unserer Mütter und Großmütter – und was ihr Schicksal für unser eigenes Glück bedeutet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
25.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich bin begeistert von diesem…
Ich bin begeistert von diesem spannenden und einfühlsamen Roman. Man kommt den tragischen Charakteren sehr nahe und man fühlt sich ihnen verbunden oder von einigen auch abgestoßen. Man zittert also mit, ist manchmal empört, manchmal beeindruckt. Besonders von der Stärke der Personen, vor allem der Frauen. Bis dahin ist es ein schonungsloser Einblick in die Zeiten, in denen in Westdeutschland die Frauen noch von den Männern abhängig waren und keine eigenen Entscheidungen treffen durften (Job, Führerschein, eigene Wohnung etc.) und vor allem nie für voll genommen wurden. Egal, was sie taten und egal, wie schlau sie waren. Letzteres hat besonderen Argwohn hervorgerufen. Das Finale ist fulminant, aber passend und nachvollziehbar. Man bleibt nachdenklich zurück. Ein Gefühl von Dankbarkeit steigt auf für das, was die Frauen für uns in den letzten Jahrzehnten erkämpft haben. Und frau denkt auf einmal: Es geht uns so gut heute! Vielen Dank Valerie Jakob für diesen tollen Roman, den ich nicht so schnell vergessen werde.
Eliza
5/5
20.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsames eindringliches Buch
Valerie Jakob hat ein sehr eindringliches Buch geschrieben, welches in mir noch sehr lange nachgehallt hat. Es ist die Geschichte von Großmüttern, Müttern und Töchtern und inwiefern die Lebenserfahrungen unserer Mütter und Großmütter unser eigenes Leben beeinflussten, ob durch Wissen oder Unwissen.
Im Mittelpunkt steht die junge Goldschmiedin Lilo, aus ihrer Sicht wird der Roman zu großen Teilen erzählt. Sie versucht mehr über ihre Großmutter Agnes heraus-zubekommen, aber ihre Mutter mauert und bezichtigt wiederum Agnes, ihr Leben zerstört zu haben. Lilo möchte wissen, was in der Vergangenheit passiert ist, und begibt sich auf eine spannende Suche. Agnes, Lilos Großmutter erzählt auf der zweiten Zeitebene, vor allen Dingen aus den 50er Jahren und wie hart das Leben für Sie und die Familie nach dem Krieg war.
Zwei Frauen, die um Selbstbestimmung und Freiheit ringen. Der Roman beinhaltet so viele Themen, ob es die Rolle der Frau in den 50er Jahren ist (sie durfte nur mit der Erlaubnis ihres Mannes arbeiten) oder die Kriegsverbrechen und deren Vertuschung. Ein starkes Zeitzeugnis, welches zeigt wie tief manche Dinge verwurzelt sind und dass ein Neuanfang, nicht immer ein klarer Cut ist, so sehr wir uns auch bemühen.
Es geht um Ungesagtes, über das, worüber nicht gesprochen wird oder wurde. Dennoch hat diese “Lücke” das Leben vieler Menschen und Generationen geprägt. Teilweise ein aufwühlendes und beklemmendes Buch, welches ich gerade am Ende kaum aus der Hand legen konnte.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
02.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Lesetipp!
Irgendwie lese ich dieses Jahr recht viele neue Romane, die in der (Nach)-Kriegszeit spielen. Den 2. WK meine ich hiermit. Als ob es gerade eine Art kollektives Bedürfnis gibt, diese Jahre literarisch aufzuarbeiten und zu verarbeiten? Ich muss aber sagen, ich finde die meisten Romane sehr spannend und berührend – so auch diesen, dies gleich mal vorweg geschickt. Und bei diesem hier fühlte ich als „Kriegsenkelin“ mich auch direkt auf und mit dem Klappentext angesprochen: die Autorin Frau Jakob schreibt eine Geschichte über unsere Mütter und Großmütter, und wie sich diese Geschichten immer noch auf uns, die Nachfahren, auswirken. Okay, ich war interessiert :-)
Wir sind in Süddeutschland, im Badischen. Die junge Agnes ist die einzige Überlebende ihrer Familie, die vor Jahren aus dem nun wieder französischem Straßburg umgesiedelt wurde. Und nun hat sie bei einem Bombenangriff alle verloren. Sie wird bei den Steiners einquartiert, deren ältester Sohn Walter an der Front dient. Walter und Agnes heiraten ein paar Jahre später – nicht wirklich aus romantischen Überlegungen, aber praktisch gesehen passt es. Walter ist lange in Kriegsgefangenschaft, und als er zurückkommt, ist der Krieg längst vorbei – und Walter ein kriegstraumatisierter Veteran. Während Agnes in der Verwaltung der französischen Besatzung eine gute Stelle innehat und von einer neuen Zukunft träumt, ist Walter mit alten Kameraden unterwegs....die beiden leben sich zusehends auseinander. Als dann Tochter Monika auf die Welt kommt, soll Agnes zurück an den heimischen Herd. Es wird eine konfliktbeladene Zeit werden....
Auf einer zweiten Zeitebene sind wir im hier und heute bei Lilo, einer jungen Goldschmiedin, und Monika. Also bei Tochter und Enkelin. Deren Verhältnis ist leicht unterkühlt, was nicht daran liegt, dass keine Gefühle da sind, sondern daran, dass Monika ihre Gefühle nie zeigen konnte (Anmerkung: kommt das irgendwem bekannt vor? Die Nachkriegsgeneration, die emotional irgendwo Defizite hat? Ich sag es mal einfach so salopp.....?).
Eines Nachmittags liegt ein Brief auf dem Tisch, den Lilo sich anbietet, zur Post zu bringen. Ein Brief an die Familie Steiner. Den Teil der mütterlichen Ahnentafel, den Lilo nur namentlich kennt. Der Tabuteil der Familie. Die, dessen Namen man nicht sagen darf, zumindest nicht, wenn man Mama Monika nicht aufregen will. Aber dieses Mal siegt Lilos Neugier, und sie stellt auf eigene Faust ein paar Nachforschungen an, die sie am Ende zwar tief bestürzen sollen, die aber auch Klärung und schlussendlich eine heilende Wirkung haben. Klassische griechische Katharsis.
Ja, mehr zum Inhalt zu verraten wäre spoilern.
Ich fand das Buch grandios. Einmal angefangen habe ich das echt in einem Rutsch durchgelesen. Hat mich eine komplette schlaflose Nacht gekostet, aber das Buch hatte Sogwirkung. Ich fand es einerseits wirklich gut und flüssig und spannend geschrieben, es war historisch super recherchiert, aber andererseits habe ich festgestellt: das ist „mein Thema“. Auch wenn meine eigene Familiengeschichte komplett anders ist auf Sachebene, habe ich so viele Parallelen auf emotionaler Ebene entdeckt. Also, es hat mich komplett gefesselt; und natürlich hatten wir hier auch gleich drei interessante Frauencharaktere. Und ich denke, die Story von Agnes ist so, so typisch: als junges Mädchen den Krieg mitgemacht, so vieles verloren, immer wieder aufgestanden, Krönchen gerichtet, weitergemacht, Leben wollen, alle Schwierigkeiten gemeistert. Gearbeitet. Geld verdient, Haus und Hof geschmissen, während die Männer im Krieg waren – und kaum waren diese wieder zurück, sollten sie wieder ihre zaghaft angeworfenen beruflichen Karrieren aufgeben. Auch diesen Teil nimmt die Autorin sich thematisch an. Die vielen Frauen, die wieder an das heimische Herdfeuer mussten, und plötzlich durfte der Gatte wieder über komplett alles entscheiden, plötzlich waren wieder alle Rechte weg. Allein daran könnte man schon verzweifeln, und wenn dann die Ehe nicht wirklich glücklich ist....hmmmm....schwierig.
Also, Frau Jakob nimmt sich hier einem ganzen Schwung Unterthemen an, und herausgekommen ist eine sehr runde Geschichte. Und natürlich haben wir am Ende die Katharsis. Das wird im Nachwort auch noch einmal kurz erwähnt; die Traumata, die epigenetisch von einer Generation auf die nächste vererbt werden; in diesem Fall von Agnes auf Monika und dann auf Lilo. Epigenetik ist per se ein super interessantes Thema, kann ich jedem nur empfehlen, und mit dieser Geschichte bekommen wir einen kleinen Einstieg in dieses Thema – und einen mit positivem Ausblick, denn epigenetische Prägungen sind durchaus lösbar und heilbar, wie es uns am Ende Monika und Lilo vorleben.
Ich denke mir, die Zielgruppe für diesen Roman sind jetzt nicht unbedingt die ganzen jungen Leser und Leserinnen, aber für die, wie sagt man neudeutsch so nett, „Generation X“, dürfte gefesselt sein.
Große Leseempfehlung meinerseits!
Hoelzchen
aus Bad Oldesloe
5/5
27.03.2025
eBook (ePUB 3)
Erinnerungen und Aufarbeitung
Das Verhältnis zwischen Lilo und ihrer Mutter Monika ist geprägt von Distanz und Schweigen. Aber warum? Immer wieder versucht Lilo ihrer Mutter näher zu kommen, doch diese wehrt ab. Auch über die Vergangenheit wird nicht gesprochen. Dieser emotionale Roman von Valerie Jakob ist in zwei Zeitebenen geschrieben. Im Vergangenheitsstrang lernen wir Agnes, Monikas Mutter, kennen. Im 2. Weltkrieg verliert sie ihre Eltern und kommt als junge Frau bei der Familie Steiner unter. Als der Sohn des Hauses aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrt, heiratet sie ihn. Die 50iger Jahre sind immer noch geprägt von den Kriegsgeschehnissen, von der Aufarbeitung und dem Vergessen und Verdrängen dieser Zeit. Die Stellung der Frau entwickelt sich zu den konservativen Moralvorstellungen zurück. Agnes hat es nicht leicht, sie will sich nicht unterordnen und stellt Fragen. Ihr Verlangen nach Gerechtigkeit wird am Ende ihr Verhängnis und das Leben weiterer Generationen beeinflussen. Viele Jahrzehnte später wird Agnes Enkelin Lilo die Ereignisse aufdecken und somit auch einen Weg zu ihrer Mutter Monika finden. Doch auch bei Lilo läuft nicht alles rund, wie wir im Gegenwartsstrang erfahren. Sie ist Goldschmiedin und nach dem Verlust ihres Freundes muss sie ihr Leben neu planen. Beruflich werden ihr, durch einen neuen Kollegen, viele Steine in den Weg gelegt. Somit hat sie nicht nur die Vergangenheit zu verarbeiten, sondern muss auch um ihre Stellung im hier und jetzt kämpfen.
„Frag nicht nach Agnes“ ist für mich der erste Roman, den ich von Valerie Jakob gelesen haben und es wird bestimmt nicht der einzige sein. Sie versteht es, ihre Leserschaft von Beginn an zu fesseln. Sie schreibt flüssig, klar strukturiert und modern. Ich bin eine begeisterte Leserin von Romanen mit unterschiedlichen Zeitebenen und bin hier voll auf meine Kosten gekommen. Ganz geschmeidig setzt die Autorin dieses Stilmittel in diesem Roman um. Es war mir eine große Freude, diesen Roman zu lesen. Die Geschichte um Agnes herum, hat mir am Anfang ein wenig besser gefallen. Lilo konnte ich nicht sofort einordnen und es brauchte ein bisschen, um mich auf sie einzulassen. Doch irgendwann platzte der Knoten und mir wurde klar, was Valeri Jakob uns aufzeigen will. Die Traumata der Kriegsgeneration werden auf die nachfolgenden Generationen weitervererbt. Der Name dafür: transgenerationale Traumata. Vermutlich haben wir alle unser Päckchen zu tragen, die einen mehr, die anderen weniger. Dieser tief berührende Roman lässt mich meine eigene Familiengeschichte hinterfragen und wir mich noch einige Zeit beschäftigten.
Von mir ganz klar eine Leseempfehlung.
Anna
5/5
26.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr bewegend
Valerie Jakob hat sich einen Teil der Deutschen Geschichte vorgenommen, der einen beim Lesen unmöglich kalt lassen kann.
Die unglücklich verheiratete Agnes will sich von ihrem dominanten Ehemann nach dem Krieg scheiden lassen, aber er verweigert die Zustimmung. Als Agnes Unglaubliches über ihn herausfindet und sich mit Hilfe dieses Wissens die ersehnte Freiheit verschaffen will, läuft sie gegen eine Mauer des Vertuschens.
Spannend wie ein Krimi und hochemotional. Ein sehr wichtiges Buch, das mich extrem aufgewühlt zurückgelassen hat. Sehr lesenswert!
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5/5
30.07.2025
eBook (ePUB 3)
Dieses Buch bleibt im Gedächtnis
Ist eine beeindruckende Familiengeschichte. Die Traumata der Kriegsgeneration werden auf die nachfolgende Generationen weitervererbt.
Es sind die Nachwirkungen eines Krieges über drei Generationen.
Absolute Leseempfehlung meinerseits
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5/5
05.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Drei Frauen, ein gemeinsames Trauma
Dieser Roman war mein erster von Valerie Jakob und auch bestimmt nicht mein letzter.
In 2 Zeitebenen erzählt diese berührende Familiengeschichte von einem dunklen Kapitel der Nachkriegsgeschichte und von einem nicht verarbeiteten Trauma, welches 3 Generationen weiter besteht.
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