Clove lebt das perfekte Vorstadtleben. Ihre Welt kreist um Yogastunden, achtsame Erziehungsmantras und einen inspirierenden Instagram-Feed. Doch hinter der makellosen Fassade verbirgt sich ein sorgsam konstruiertes Lügengeflecht. Niemand ahnt, wie unsicher Clove den Alltag als junge Mutter navigiert oder dass ihr Aufwachsen von Gewalt geprägt war. Nicht einmal ihr netter Ehemann weiß Bescheid. Als Clove unerwartet Post aus einem Frauengefängnis erhält, droht ihre Vergangenheit, sie einzuholen. Mit den Briefen drängen dunkle Erinnerungen ans Licht, und Clove ringt mit ihrer Identität. Wie stark hat das Trauma ihrer Kindheit sie geprägt? Kann jemand wie sie eine gute Mutter sein?
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Bist du deine Vergangenheit?
-Rezensionsexemplar-
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Genre: Ein Roman voll mit schwarzen Humor, Feminismus & reflektierten Mamasein.
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Setting: Clove führt das Vorzeigeleben. Biomarkt, Yoga, alles für die Tochter - perfekt für den InstaFeed. Dann erreich sie ein Brief aus dem Frauengefägnis & die Vergangenheit droht sie einzuholen.
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minas.libraries
aus Wuppertal
5/5
13.03.2026
Buch (Taschenbuch)
So so gut und wichtig!
Inhalt (spoilerfrei): Im Zentrum von Madwoman steht Clove, eine junge Mutter, die scheinbar ein ruhiges Leben mit ihrem Mann und ihren Kindern Nova (die Tochter, etwa 7 Jahre alt) und Lark (der Sohn, etwa 3 Jahre alt) führt. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine Vergangenheit, die sie mit aller Kraft zu verdrängen versucht. Clove lebt unter einem falschen Namen, hat ihre Geschichte neu geschrieben und selbst ihrem Ehemann nie erzählt, woher sie wirklich kommt. Der Roman entfaltet sich in Form eines langen, eindringlichen Briefes an ihre Mutter. Immer wieder richtet Clove ihre Gedanken direkt an sie, als würde sie versuchen, endlich Worte für etwas zu finden, das viel zu lange unaussprechlich war. Während der Alltag mit Kindern, Haushalt und einer Ehe, die zunehmend brüchig wirkt, sie immer stärker belastet, beginnt die Vergangenheit langsam wieder an die Oberfläche zu drängen. Als Clove eine neue Bekanntschaft macht und eine junge Frau als Unterstützung für Haushalt und Kinderbetreuung in ihr Leben lässt, gerät das fragile Gleichgewicht ihres Lebens weiter ins Wanken. Nach und nach setzt sich ein Bild zusammen: von Gewalt, von verdrängten Erinnerungen und von einer Wahrheit, die sich nicht dauerhaft verbergen lässt. Was zunächst wie ein sehr persönlicher, introspektiver Roman über Mutterschaft und Überforderung beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer spannungsgeladenen Geschichte, in der sich Schritt für Schritt enthüllt, was wirklich geschehen ist.
Erzählweise und Struktur: Besonders eindrucksvoll ist die Konstruktion des Romans. Der Text funktioniert wie ein langer innerer Monolog beziehungsweise ein Brief an die Mutter, wodurch eine enorme Nähe zur Protagonistin entsteht. Die direkte Anrede macht die Geschichte unglaublich intensiv, fast schon beklemmend. Chelsea Bieker lässt ihre Leserinnen und Leser lange im Ungewissen. Informationen über die Vergangenheit werden nur fragmentarisch preisgegeben, sodass sich die Wahrheit erst nach und nach zusammensetzt. Dadurch entsteht eine starke Sogwirkung. Man liest weiter, weil man verstehen möchte, was hinter Cloves Verhalten steckt und welche Ereignisse sie geprägt haben. Gleichzeitig nimmt sich der Roman viel Zeit für die psychologischen Prozesse seiner Protagonistin. Gerade im ersten Teil wirkt der Text eher ruhig und reflektierend, bevor er gegen Ende deutlich an Tempo gewinnt und fast thrillerhafte Spannung entwickelt.
Figuren: Clove ist eine faszinierend komplexe Figur. Sie ist gleichzeitig verletzlich, erschöpft, wütend und unglaublich reflektiert. Besonders eindrücklich ist, wie offen der Roman die Überforderung der Mutterschaft beschreibt. Clove trägt einen Großteil der Care-Arbeit allein, obwohl ihr Mann von zu Hause aus arbeitet. Immer wieder weigert er sich, Verantwortung zu übernehmen, während er gleichzeitig ihre Wahrnehmung infrage stellt und sie als überfordert oder sogar verrückt darstellt. Diese Dynamik erzeugt eine unangenehme Spannung, weil man sich ständig fragt, wie sehr Clove ihrem eigenen Umfeld überhaupt vertrauen kann. Gleichzeitig wird deutlich, wie sehr ihre Vergangenheit ihre Gegenwart beeinflusst. Die Erfahrung von Gewalt in ihrer Kindheit wirkt noch immer nach und prägt auch ihre Beziehungen im Erwachsenenleben. Auch die Nebenfiguren bleiben bewusst ein wenig rätselhaft, wodurch sich Cloves Perspektive noch stärker in den Mittelpunkt schiebt.
Themen und Motive: Der Roman verhandelt mehrere große Themen gleichzeitig: Trauma, Schuld, Identität und die langfristigen Folgen von Gewalt. Besonders eindrucksvoll ist dabei, wie subtil gezeigt wird, wie tief traumatische Erfahrungen in die eigene Identität eingreifen können. Clove versucht, sich durch eine neue Identität von ihrer Vergangenheit zu lösen, doch diese Vergangenheit lässt sich nicht einfach abschütteln. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Darstellung von Care-Arbeit und mentaler Belastung in der Mutterschaft. Der Roman zeigt sehr klar, wie isolierend diese Rolle sein kann, wenn Verantwortung ungleich verteilt ist und gesellschaftliche Erwartungen enorm hoch sind. Gleichzeitig wird sichtbar, wie wenig Verständnis im Alltag oft für Kinder und ihre Bedürfnisse existiert und wie schnell Eltern für Situationen verantwortlich gemacht werden, die sich gar nicht vollständig kontrollieren lassen. Auch Gewalt gegen Frauen und ihre gesellschaftliche Dimension spielen eine zentrale Rolle. Der Roman macht deutlich, dass solche Erfahrungen nicht nur einzelne Ereignisse sind, sondern ganze Lebensläufe prägen können.
Fazit: Madwoman ist ein unglaublich intensiver, klug konstruierter Roman über Trauma, Mutterschaft und die Frage, wie sehr die Vergangenheit unsere Gegenwart bestimmt. Chelsea Bieker gelingt es, eine psychologisch dichte Geschichte zu erzählen, die gleichzeitig zutiefst persönlich und gesellschaftlich relevant wirkt. Die Mischung aus introspektivem Erzählton, langsam enthüllter Wahrheit und zunehmender Spannung sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Besonders beeindruckend ist, wie nah man der Protagonistin kommt und wie differenziert ihre inneren Konflikte dargestellt werden. Ein außergewöhnlicher Roman, der schmerzhaft, klug und stellenweise fast obsessiv intensiv ist und gerade deshalb lange nachhallt. Ein Buch, das zeigt, wie wichtig es ist, über Gewalt gegen Frauen und ihre Folgen zu sprechen.
Bewertung
5/5
08.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Atemraubend
r e v i e w
[Dieses Buch hat mich auf solche Art und Weise sprachlos zurückgelassen, sodass ich hier von einer Sternebewertung absehen werde- zumal der Roman so sensible Themen behandelt.]
Ich weiß um ehrlich zu sein nicht genau, warum ich dieses Buch als Rezensionsexemplar angefragt habe, weil diese Mutterperspektive, um die es schon sehr zentral geht, sogar nicht meiner Lebensrealität entspricht. Und die missbräuchliche Kindheit der Protagonistin um so weniger. Genau das fand ich aber schlussendlich sehr interessant von der Autorin verworben, die Aspekte: Mutterschaft und wie erziehe ich meine Kinder, wenn ich selber Opfer von Gewalt geworden bin?
Es ist aber ganz und gar kein Ratgeber, sondern eine sehr wichtige Geschichte, die das häufige Schweigen über Tod und Partnerschaftsgewalt bricht und einen mit einer sehr überraschenden Wendung am Ende atemlos zurücklässt
Bewertung
aus Leipzig
5/5
26.10.2025
Buch (Taschenbuch)
Intensiv
Intensiv
Wir scrollen täglich durch alle verschiedenen Social Media Feeds. Sehen glückliche Menschen. Shoppingtouren und wohl erzogene Kinder. Dann wünschten wir uns, wir wären das alles. Doch der Einkauf ist auf Raten und die Kinder sind die 10 Sekunden im Video höflich. Danach schmeißen sie sich genauso mit Dreck wie die eigenen.
Und so ähnlich kann es uns auch mit Menschen aus unserem Umfeld gehen. Nach außen perfekt und im Inneren brodelt es.
So ist es bei Clove. Sie führt nach außen ein perfektes Vorstadtleben mit Yoga, Achtsamkeit und Social Media-Glanz. Doch hinter der Fassade verbirgt sie eine traumatische Kindheit voller Gewalt und großer Selbstzweifel. Als sie plötzlich Briefe aus einem Frauengefängnis erhält, wird sie mit ihrer verdrängten Vergangenheit konfrontiert. Alte Erinnerungen brechen auf, und Clove muss sich fragen, wer sie wirklich ist und ob sie trotz ihrer Erfahrungen eine gute Mutter sein kann.
Ich fand das Thema sehr spannend und bin ohne große Erwartung in das Buch gegangen. Ich wollte mich treiben lassen und erfahren, wie Clove mit all dem umgehen wird. Schnell habe ich jedoch gemerkt, dass es kein Buch zum Schreiben lassen ist. Es geht nicht nur um das perfekte Leben, sondern um die Vergangenheit, Erfahrungen und was wir daraus machen. Es ist intensiv und man beginnt schnell, sich mit Themen zu beschäftigen.
Wie kann man die Vergangenheit so bewältigen, dass wir bestimmte Muster nicht an unsere Kinder weitergeben? Können wir die Generation sein, die es anders macht? Vermutlich nicht ganz, aber wir können und müssen es versuchen.
Auch wenn ich mit einer anderen Erwartung an das Buch rangegangen bin, hat es mich gefesselt und es hat mich mitgenommen. Und als ich gelesen habe, dass es das Debüt der Autorin ist, bin ich umso gespannter darauf, was uns von ihr noch erwarten wird.
ISBN: 978-3759600325
Autorin: Chelsea Bieker
Verlag: Pola
Veröffentlicht. 29.08.25
Umfang: 400 Seiten
Bewertung
5/5
16.10.2025
Buch (Taschenbuch)
Ein dramatisches Buch, das sich lohnt!
“Wir erlösen kranke Tiere von ihrem Leid, damit sie keine Qualen erleiden, damit sie den Rest der Gruppe nicht anstecken. Männer lassen wir leben.“ (Kapitel 1)
Worum geht’s?
Clove ist in einem gewalttätigen Elternhaus aufgewachsen und hat sich ihr normales Leben hart erarbeitet. Doch als sie Briefe aus dem Frauengefängnis bekommt, holt sie ihre Vergangenheit ein und ihre Geheimnisse scheinen nicht mehr sicher zu sein.
Wie war’s?
Madwoman ist kein Buch für nebenbei. Es befasst sich intensiv mit Themen wie Vergangenheitsbewältigung, Traumata und Mutterschaft, ganz unbeschönigt. Und es spielt jede Menge Gesellschaftskritik, gerade in Bezug auf häusliche Gewalt, eine Rolle. Chelsea Bieker gelingt es jedoch diese Themen schonungslos, aber sensibel aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.
Clove ist getrieben vom Wunsch nach Heilung. Dem Wunsch, alles anders, alles besser zu machen. Als Leserin fühlt man immer wieder ihre innere Zerrissenheit. Wie sie einerseits ihr hart erkämpftes Leben, das Leben ihrer Kinder, die gespielte Normalität aufrechterhalten will. Andererseits versucht sie Verständnis für das Verhalten ihrer Mutter aufzubringen und durchlebt ihre ganze Vergangenheit erneut.
Die stilistische Umsetzung hat mir richtig gut gefallen. So wendet sich Clove immer wieder direkt an ihre Mutter, spricht sie in du-Form an, wenn sie von der Vergangenheit erzählt. Interessant finde ich auch, dass die wichtigsten Männer in Cloves Leben nie namentlich genannt werden. Sie sind einfach mein Vater, der Metzger, mein Mann.
Das Buch konnte ich nur schwer zur Seite legen und war trotz der Dramatik mitgerissen. Das Ende hatte es auch noch mal so richtig in sich!
Madwoman ist hart, aufwühlend und ungerecht. Gleichzeitig macht das Buch aber auch Mut und zeigt, dass man selbst immer Einfluss auf sein eigenes Leben nehmen kann und verschafft dadurch letztendlich Heilung.
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