Herr Harald ist der Mann in der Garderobe. Er gehört zum Theater wie der Vorhang, aber niemand kommt seinetwegen, das Rampenlicht ist für andere. Er nimmt den Menschen die Mäntel ab, die Taschen, was immer sie ihm anvertrauen, um für kurze Zeit unbeschwert zu sein, und wartet bis zum Schlussapplaus, das ist sein Einsatz. Doch eines Abends bleibt ein Mantel zurück, und in dem Mantel findet sich eine Pistole. Herr Harald trägt sie nach Hause, nur: Was will er damit tun? Er kann sich schlecht gegen alles zur Wehr setzen, was ihm an der Welt und den Mitmenschen als Zumutung erscheint. Aber vielleicht kann er ihre Aufmerksamkeit auf jemanden lenken, der wie er ein Schattendasein führt: die Frau, die für einen anderen die Noten umblättert und die er aus der Ferne verehrt.Der tragische wie komische Protagonist dieser hinreißend erzählten Geschichte ist ein Held des Alltags, ein Mann in Dienstkleidung, einer, dem es niemand dankt. Und gäbe es die Literatur nicht - und Autorinnen wie Dagmar Leupold -, wie sollten wir wissen, was für ein Reichtum an Gedanken und Gefühlen, wie viel waches Leben und wehe Sehnsucht sich dahinter verbirgt.
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Eine kleine Warnung zu Beginn: Actionfans werden hier nicht auf ihre Kosten kommen. An klassischer Handlung passiert in dieser Geschichte wenig, etwa die Hälfte des Romans ist erzählt, bis das ansonsten recht ereignislose Leben des Garderobiers "Herrn Harald" aus den Fugen zu geraten droht, als er eine Schreckschusspistole in einem nicht abgeholten Mantel findet. Doch auch dieser Einschnitt wirbelt in erster Linie die Gedanken des Protagonisten durcheinander; am Ablauf seines recht geordneten Alltags ändert sich wenig.
Überhaupt ist Herr Harald sehr geordnet und strukturiert. Der Ofen wird zwei Mal im Jahr gereinigt, ob er benutzt wurde oder nicht. Und seine Selbstkontrolle geht so weit, dass er sich sogar mental korrigiert, wenn er findet, dass er etwas Übertriebenes gedacht hat. Überhaupt spielen in diesem Roman Gedanken und Sprache eine zentrale Rolle. Die Introvertiertheit und mangelnde Sozialkontakte der Hauptfigur bringt ein Satz auf den Punkt: "Überhaupt hat er schöne Antworten auf nicht gestellte Fragen parat." Leupold lässt die Leser*innen förmlich ins Innerste ihres Protagonisten kriechen. Nicht nur was, sondern wie er denkt nimmt viel Raum ein. Dabei ist jeder Seite die immense Liebe der Autorin zur Sprache anzumerken, etwa hier: "Durch das Küchenfenster dringt schlechtgelauntes Licht, das bereits anderswo im Einsatz war und nur noch spärlich auftritt." Harald hat einen Hang zum Pedantischen, er nennt sein Wohnzimmer lieber Arbeitszimmer, denn "schließlich wohnt man in allen Zimmern". Auch an der Formulierung "Olympische Spiele" stört er sich, er verwendet "Olympische Wettkämpfe", da es in seinen Augen keine Spiele sind. Trotz derartiger Erbsenzählereien entwickelt man unweigerlich Sympathien für den älteren Junggesellen, spätestens als er sich in eine Notenumblätterin verliebt und diese unbeholfen anschmachtet. Und kurze, oft nur angedeutete Rückblicke geben eine Ahnung der schweren Vergangenheit des "Harald-Kindes".
Es ist ein zarter, leiser Roman voller kluger Sprachbetrachtungen, der aufzeigt, welche Persönlichkeit hinter einem unauffälligen Menschen stecken kann. Sehr lesenswert!
Er heißt nur Herr Harald und er arbeitet im Theater. an der Garderobe. Was uns eintönig erscheint ist für Herrn Harald Spaß. denn er beobachtet alles sehr genau.
Es passiert sehr viel in diesem unscheinbaren Roman, der zurecht für den deutschen Buchpreis nominiert wurde.
Ein Buch das uns berührt, uns diesen einfachen Mann näher bringt, der unspektakulär lebt, aber ein Rad in der grossen Welt ist. Eines Tages bleibt ein Mantel hängen. Darin eine Pistole. Was nun? Wie damit umgehen?
Für Herrn Harald eine wichtige Frage, die wir nur beantworten können, wenn wir uns auf das Buch einlassen. Es lohnt sich.
Dagmar Leupold ist ein großartiger Roman gelungen. Auch wenn es nicht zum Finale reichte: Herzlichen Glückwunsch zur Nominierung.
yellowdog
4/5
15.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Herr Harald Dagegen die…
Herr Harald Dagegen die Elefanten ist ein Roman mit einem Porträt eines Mannes: Herr Harald Er ist nicht mehr ganz jung, arbeitet in der Garderobe einer Oper und ruht ziemlich in sich. Er ist ein Beobachter. Er braucht für sich aber auch klare Strukturen und Regeln. Im Buch werden die Monate als Kapitel gefüllt und so zeigt die Schriftstellerin Dagmar Leupold ein Jahr im Leben des Herrn Harald. Das macht sie geschickt und findet einen entsprechenden Ausdruck. Hinzu kommen gute Beschreibungen der Umgebung, die auch Herr Harald so genau betrachtet. Es ist erstaunlich, wie packend dass eigentlich so unspektakuläre Buch ist. Das beim Verlag Jung und Jung erschienene Buch könnte ein Kandidat für die Short List des deutschen Buchpreises 2022 sein.
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