100 Jahre Migros – Ein Spiegel der Schweiz
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- Deutsch ausgewählt
15,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.,
Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
02.07.2025
Herausgeber
Oliver PrangeVerlag
Du KulturmedienSeitenzahl
82
Maße (L/B/H)
31/23,5/0,6 cm
Gewicht
368 g
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-907315-35-4
Der Grund ist, dass die Migros eine Gesellschaftsordnung hat wie die Schweiz. Gottlieb Duttweiler hat sich die Schweiz zum Vorbild genommen. Das hat die Migros gross gemacht, birgt aber auch
dieselben Schwächen.
Dahinter steht die Kernidee der direkten Demokratie. Zuoberst steht der Bund, der spezifische Aufgaben erfüllt. Darunter die Kantone, die alles andere erledigen. Genau gleich die Migros: Zuoberst steht die Verwaltung, darunter die zehn Genossenschaften.
Die Führung aber kommt von unten, nicht von oben. Nicht ein Einzelner gibt den Kurs vor, sondern der kollektive Wille des Volks. Der Gedanke ist, dass man nur gemeinsam stark sein kann. Unser
Autor Felix E. Müller schreibt: «Diese Überzeugung ist tief in der DANN des Landes verankert und geht zurück auf die mittelalterlichen Alpgenossenschaften oder Alpkorporationen. Das Überleben in der harschen Natur der Gebirgswelt liess sich nur durch das sorgfältige Management der kargen Ressourcen garantieren.»
In diese Richtung lenkte Duttweiler sein Unternehmen, als er 1940 seinen eigenen Reichtum aufgab, indem er die Migros in eine Genossenschaft umwandelte. «Das Gute im Schweizerland ist meist
von unten gekommen», schrieb er 1940.
Duttweiler kannte die Gefahren des Reichtums. Er war jung schnell reich geworden, verlor das Geld aber wieder. In seiner zweiten Karriere strebte er andere, soziale Ziele an. Darum verschenkte er seinen neu erworbenen Besitz an das Volk. Die Migros zählt heute 2,3 Millionen Genossenschafter.
Gewinnstreben steht nicht im Vordergrund. Erst 2022 entschieden die Mitglieder in einer Urabstimmung, weiterhin keinen Alkohol zu verkaufen. Das Management muss sich danach richten. Stattdessen soll die Migros den Zugang zu höheren Gütern ermöglichen: Gesundheit, Bildung, Kultur.
Die Schwächen des Systems aber sind in den letzten zehn Jahren immer offensichtlicher geworden. Die Führungsstruktur führte zu starker Verzettelung. Darum trennte man sich ab Februar 2024 von
einigen Tochterunternehmen und Aktivitäten. Präsidentin Ursula Nold und CEO Mario Irminger sagen im gemeinsamen Interview mit Du, dass man Ballast abwerfen und sich wieder auf den Supermarkt
konzentrieren will. Darum gründete man die zentral agierende Supermarkt AG mit eigenem Verwaltungsrat und eigener Geschäftsleitung, welche die Vorteile von regionaler und zentraler Führung vereinen.
So soll der Geist der Migros auch die nächsten hundert Jahre weiterleben. Trotz allem Kollektivdenken: Letztlich ist es doch ein Einzelner, der den Kurs vorgibt – Gottlieb Duttweiler.
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