Beschreibung
Produktdetails
Einband
Gebundene Ausgabe
Altersempfehlung
3 - 99 Jahr(e)
Erscheinungsdatum
05.07.2025
Abbildungen
mit 154 Abbildungen
Verlag
KRAUTin VerlagSeitenzahl
40
Maße (L/B/H)
21,2/15/0,9 cm
Gewicht
164 g
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-96703-146-1
Der Kunstverein Schieder-Schwalenberg reagierte auf die kurzfristige Streichung von Fördermitteln nicht mit Absage, sondern mit Improvisation: Kein fertiges Layout, keine korrigierten Texte, kein Hochglanzpapier. Was bleibt, ist ein Manuskript im buchstäblichen Sinne – mit sichtbar durchlaufenden Korrekturen, offenen Zeilenumbrüchen, formalen Brüchen. Und das Erstaunliche: Gerade diese Formlosigkeit führt zu einer ungewohnten Nähe zum Entstehungsprozess. Die Leser:innen begegnen dem Projekt nicht als Produkt, sondern als Denk- und Möglichkeitsraum.
Was zunächst wie ein Provisorium erscheint, entpuppt sich schnell als ästhetisches Statement. Kuratiert von Helga Ntephe und Gesa Reuter, vereint die Ausstellung 15 bildende Künstler:innen mit etwa ebenso vielen Autor:innen – alle arbeiten zum selben Motiv: der Hecke. Doch sie taten dies unabhängig voneinander, ohne gegenseitige Einblicke. Entstanden ist so ein Dialog zweier Sprachen, der mehr ist als ein Nebeneinander – ein vielstimmiges Porträt über Wahrnehmung, Natur und kulturelle Übergänge.
Im Vorwort verweist Alexander Hilbert auf ein kunsthistorisches Fundament: Balzacs Das unbekannte Meisterwerk. Dort ruft der Maler Frenhofer aus: „Die Aufgabe der Kunst ist nicht, die Natur zu kopieren, sondern sie auszudrücken.“
Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Projekt: Die Kunst drückt nicht aus, was sie sieht – sondern wie. Gerade darin liegt die Stärke des Konzepts. Denn Das Wispern der Hecken ist keine klassische Themenausstellung, sondern ein Versuch, zwei autonome Ausdrucksformen – Bild und Text – aufeinandertreffen zu lassen. Nicht zur Illustration, sondern zur Irritation, Ergänzung, Reibung.
Die Hecke wird dabei zum Sinnbild für Zwischenräume: ökologisch, poetisch, historisch. Sie steht für Schutz und Abgrenzung, Wildnis und Ordnung. Und sie öffnet in dieser Konstellation einen Erfahrungsraum, den der Katalog konsequent mitträgt: ungeschönt, offen, voller Spuren des Prozesses.
Ein Zitat aus dem Vorwort bringt den Ton der Ausstellung auf den Punkt: „Verstehen Sie ‚Das Wispern der Hecken‘ nicht als klassische Ausstellung. Sondern als eine Art gedankliche Heckenwanderung – mit zwei eigenständigen Erzählweisen, die sich kreuzen, überlagern, widersprechen oder ergänzen.“
Dass daraus ein so eigenwilliges Buch entstehen konnte, ist nicht trotz, sondern wegen seiner Produktionsbedingungen bemerkenswert. Es ist ein Manifest für das Unfertige, das Vieldeutige, das leise Widerständige.
Doch eine Frage bleibt: Wie lange können sich kleinere Kunstorte diesem Sparzwang noch entgegenstellen? Das Buch macht auch in dem Punkt Mut: Mit Herz, Hirn und Chuzpe – wie immer in der Kunst.
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