Sichtbare Gebrauchsspuren auf einigen Seiten z.B. leichte Knicke oder vereinzelte Markierungen möglich. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
»Täglich und pünktlich beziehe ich meinen Posten und beobachte, ob in meinem Revier auch alles in geregelten Bahnen abläuft. Ich sag immer, es gibt nichts, was es vor meinem Fenster nicht gibt.«
Wir kennen sie alle: die Fenster-Rentner. Die Arme aufs Kissen gestützt, in weißem Feinripp und mit kritischem Blick entgeht ihnen nichts, was sich vor ihrem Logenplatz abspielt.
Otto Redenkämper aus Gelsenkirchen-Buer – 40 Jahre auf der Zeche malocht und alt geworden mit Wilma – ist einer von ihnen. Rau aber ehrlich und mit einer ordentlichen Portion Potthumor regt er sich von seinem Fensterplatz aus herrlich witzig und herzhaft erfrischend über Gott und die Welt auf.
»Kinners, ich sitz hier doch nicht zum Spaß …!«
Immer auf dem Posten: DER FENSTER-RENTNER
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Otto Redenkämper ist Pensionär, lebt im Ruhrpott und betätigt sich als Fensterrentner. Dass dies ein hochoffzielles und für die Gesellschaft unverzichtbares Amt ist, ist einem spätestens nach dem ersten Kapitel klar, in dem er beschreibt, wie er einen gesuchten Einbrecher fasst, inklusive aller Recherchen, die dazu gehören. Nur dass die Polizei ihm partout nicht glauben will... Schnarchnasen, das... Otto ist mit Wilma verheiratet und hat in seinem Berufsleben 40 Jahre als Bergmann unter Tage malocht. Mindestens so wichtig wie Wilma sind seine Kumpel aus der Nachbarschaft, denen er täglich im Kiosk begegnet und für die er alles tun würde - mit denen natürlich auch. Wobei man sagen muss, dass Otto generell ein großes Herz hat: So versucht er, Jupps Kiosk zu retten, als diesem wegen einer Mieterhöhung der Konkurs droht. Dafür fährt er sogar nach Lüdenscheid-Nord (anderen auch als "Dortmund" bekannt), um mit der Immobilienfirma zu verhandeln. Außerdem stellt er seine Einfahrt jedem Schalke-Fan, den die Parkplatzsuche vor dem Stadionbesuch verzweifeln lässt, zur Verfügung.
Ich muss sagen, ich habe Otto während der Lektüre sehr ins Herz geschlossen. Er ist ein Nachbar, der seine Straße zwar genau im Blick hat und dabei nichts duldet, schon gar keine Bockspring-Blagen, aber dabei hat er ein großes Herz und ist auch bereit, seine Meinung über andere zu ändern. Das erfreut Wilma, aber vor allem ihn selbst, weil er sich immer riesig freut, wenn er einem netten Menschen begegnet - genauso, wie er es aber auch als seine Pflicht erachtet, allen nicht-netten Menschen zu zeigen, dass das so nicht geht.
Das Buch liest sich so flüssig, dass ich nach 1,5 Tagen damit durch war, was ich sehr schade fand. Ich hätte noch lange weiterlesen können und hoffe sehr auf einen 2. Teil. Stoff genug gibt es, sei es, dass Wilma noch mehr zu Wort kommt, Otto noch mehr über seine Kumpel erzählt - und abgesehen davon weiß man ja nicht, was in der Nachbarschaft passiert ist, seit dieses Buch in den Druck gegangen ist. Abgesehen davon ist es spannend, so mehr über Menschen zu erfahren, mit denen man sonst kaum in Kontakt kommt, weil man viel zu sehr damit beschäftigt ist, in die andere Richtung zu schauen, damit ihnen nicht auffällt, dass man gerade mit Koffer durch ihre Straße läuft ;-)
Danke, Otto, für eine grandiose Leserunde!!
Fazit: Muss ich noch was sagen? Mindestens für alle aus dem Pott, aber auch darüber hinaus, die irgendwo einen Fensterrentner kennen oder selbst derartige Tendenzen entwickeln, eine Pflichtlektüre. Glück auf!
Gelsenkirchener Rentnerdasein...
Bewertung (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 09.05.2015
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