Washington, 1932: Die junge Reporterin Lorena Hickok reist in die Hauptstadt, um in der heißen Phase des Wahlkampfs um das Präsidentenamt regelmäßig Einblicke ins Leben des Kandidaten Franklin D. Roosevelt und seiner Frau Eleanor zu liefern. Als Roosevelt wenige Monate später das Rennen für sich entscheidet, zieht „Hick“ ebenfalls ins Weiße Haus ein – und wird zur Geliebten der First Lady.
Eine wahre Geschichte über zwei besondere Frauen mitten im Machtzentrum der USA.
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Ich bin schon des Öfteren um die Bücher der amerikanischen Autorin Amy Bloom herumgeschlichen. Ich finde die Cover ihrer Bücher einfach so schön. Sie bilden genau meine Lieblingszeit ab. Bei dem aktuellen Buch hat mich jetzt tatsächlich direkt das Thema angesprochen – ein Thema, was es meiner Meinung nach immer noch zu wenig in die „normalen“ Publikumsverlage schafft – Frauenliebe! Und dafür danke ich dem Atlantik Verlag sehr.
Zum Inhalt des Buches brauche ich dieses Mal gar nichts weiter zu schreiben, weil ich zur Abwechslung einmal nichts zu meckern habe. Dafür warte ich einfach noch mit ein paar Hintergrundinformationen auf.
Lorena Alice „Hick“ Hickok wurde am 7. März 1883 in Wisconsin geboren und starb am 1. Mai 1968 in New York City. Sie stammte aus einfachen Verhältnissen und hat es mit viel Courage und Chuzpe geschafft, eine anerkannte Journalistin zu werden. Außerdem hat sie einige Bücher geschrieben, die es leider nur noch in Englisch gibt. Einen Eintrag bei Wikipedia gibt es über sie ebenfalls nur in der englischsprachigen Version. Sie war Zeit ihres Lebens lesbisch.
Eleanor Roosevelt wurde am 11. Oktober 1884 in New York City geboren und starb am 7. November 1962 ebenfalls in New York City. 1905 heiratete sie Franklin D. Roosevelt, ihren Onkel 6. Grades. Von 1933 bis 1945 war sie die First Lady der Vereinigten Staaten. Sie hatten zusammen 6 Kinder, wobei eines als Säugling starb. Eleanor als auch Franklin D. Roosevelt waren beide politisch sehr aktiv, wobei sie radikaler als ihr Ehemann war. Sie war auch noch nach dem Tode ihres Mannes weiterhin politisch tätig. Nachdem herauskam, dass ihr Ehemann eine langjährige Beziehung mit seiner Sekretärin hatte, hat sie selbst auch andere Beziehungen angefangen. Ob die Beziehung zwischen Hick und ihr eine sexuelle Beziehung war, darüber wird heute anscheinend immer noch heiß diskutiert. Auch Eleanor Roosevelt hat Bücher geschrieben, die es ebenfalls nur noch in Englisch gibt.
Der Roman von Amy Bloom hat mich sehr gefesselt, auch wenn ich mich erst ein wenig in die Sprache der Autorin reinlesen musste. Es ist halt keiner meiner üblichen Unterhaltungsromane, sondern schon „bessere Kost“. Die Autorin erzählt die Geschichte aus Hicks Sicht. Das Buch hat als Rahmen ein Wochenende direkt nach der Beerdigung Franklin D. Roosevelts. Zu dem Zeitpunkt sind die beiden Frauen wohl immer noch sehr eng verbunden, aber kein eigentliches Paar mehr. Und im Rahmen dieses Wochenendes lässt Hick ihrer beider Geschichten Revue passieren. Es ist eine sehr schöne Geschichte, die teilweise aber auch sehr traurig ist. Besonders der Part, der von der schwierigen Kindheit und Jugend Hicks erzählt. Beide Frauen haben mir sehr imponiert, da sie starke Persönlichkeiten waren, die sich sehr für die Gleichheit aller Menschen eingesetzt haben. Egal welche Hautfarbe, welche Religion oder welches Geschlecht sie hatten. Wenn es stimmt, wie es hier im Roman erzählt wird, dann hat Hicks für die Beziehung mit Eleanor aus Liebe ihre Karriere zwischenzeitlich auf Eis gelegt.
Amy Bloom erzählt die Geschichte so, dass sie sich wirklich so liest, als ob das Buch aus dieser Zeit stammt, in der es spielt. Vom Verlag hätte ich mir gewünscht, dass er im Anhang noch etwas mehr Informationen zu den beiden Frauen und den Hintergründen geliefert hätte.
Es ist schon erschreckend, wie bigott diese Zeit damals war! Anscheinend wussten ganz viele Menschen von den außerehelichen Verhältnissen von sowohl Franklin D. als auch Eleanor Roosevelt, aber das wurde alles unter den Teppich gekehrt. Eine kleine Episode am Rande in dieser Geschichte hat mich besonders traurig gestimmt. Da geht es um den Diplomaten und langjährigen Freund der Familie Charles Parker Fiske, der selbst homosexuell war, dies jedoch nur im Stillen ausleben konnte. Um in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben, hatte er mehrfach geheiratet. Er wäre bereit gewesen, andere zu verraten, wenn es ihn seinen Kopf gerettet hätte. Was war das für eine Zeit, wo so etwas notwendig war.
Als ich das Buch ausgelesen habe, habe ich erst einmal in meinen Büchern gesucht, ob ich nicht schon vorher einmal etwas über die Beziehung von Eleanor Roosevelt und Lorena „Hick“ Hickok gelesen habe. Und ich bin fündig geworden. Schon in dem 1997 erschienenen Buch „Wer mit wem“ von Ines Rieder (DTV) stand etwas über diese Beziehung.
Ein ausgesprochen interessanter Roman über zwei starke Frauen, die viel erreicht haben. Nur ihre Liebe musste Zeit ihres Lebens ein Geheimnis bleiben.
Eine andere Sicht auf Eleanor Roosevelt
Ascora am 01.08.2019
Bewertungsnummer: 1233643
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Der Klappentext: „Washington, 1932: Die junge Reporterin Lorena Hickok reist in die Hauptstadt, um in der heißen Phase des Wahlkampfs um das Präsidentenamt regelmäßig Einblicke ins Leben des Kandidaten Franklin D. Roosevelt und seiner Frau Eleanor zu liefern. Als Roosevelt wenige Monate später das Rennen für sich entscheidet, zieht „Hick“ ebenfalls ins Weiße Haus ein – und wird zur Geliebten der First Lady.“
Zum Inhalt: Eleanor Roosevelt definierte die Rolle der First Lady in den Jahren 1932 bis 1945 neu, obwohl sie kein offizielles Amt inne hatte, außer dass der Präsidentengattin war sie eine der einflussreichsten Politikerinnen. Sie wurde zu einer präsenten Botschafterin für soziale Gerechtigkeit und für Freiheit, sie hatte zahlreiche öffentliche Auftritte, hielt regelmäßig eigene Pressekonferenzen ab und veröffentlichte einige Werke. Dass sie mit der Journalistin Lorena Hickok über Jahrzehnte hinweg wohl mehr als eine Freundschaft verband, wurde lange Zeit ignoriert. Erstaunlicherweise konnten nämlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Frauen an der Ostküste durchaus in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, insofern der keine sexuellen Züge erkennbar waren, war diese Form des Zusammenlebens von Frauen aus der gehobenen Mittelschicht durchaus im Rahmen des Möglichen. Ob so eine Beziehung zwischen Eleanor Roosevelt und Lorena Hickok bestand, ist umstritten. In diesem Roman wird eine solche Beziehung in einer fiktiven Biographie ersonnen – und nicht zum ersten Mal thematisiert.
Zum Stil: Erzählt wird diese Geschichte von Lorena Hickok in der Ich-Form und für eine Journalistin passend ist der Stil ist sehr flüssig und bildhaft. Außerdem wurde die Sprache und die Gesten der Zeit der 30/40er Jahre angepasst und die historischen Tatsachen wurden gut und überzeugend recherchiert. Ich gebe gerne zu, dass man sich erst ein wenig einlesen muss, um wirklich in den Sprachgebrauch einzutauchen, doch dann überzeugt die Darstellungen dieser bewegten Zeit.
Mein Fazit: Ein atmosphärischer Roman aus einer sehr brisanten und interessanten Zeit über eine (fiktive) lesbische Beziehung einer politischen Persönlichkeit.
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