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Glücksritter Recherche über meinen Vater

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

20.08.2020

Abbildungen

mit Fotos

Verlag

Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl

240

Maße (L/B/H)

20,8/13,2/2,5 cm

Gewicht

351 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710001608256

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Beschreibung

Rezension

Getrieben von dem unbedingten Wunsch, verstehen zu wollen, ohne Rücksicht auf eigene Befindlichkeiten, ist Michael Kleeberg mit „Glücksritter“ beides gelungen: eine eindringlich erzählte Geschichte von den 1930er Jahren bis in die 2000er und das Porträt eines Mannes, der trotz aller Widrigkeiten seinen Weg gegangen ist. ("NDR Hörfunk")
Ein bewundernswertes Werk des schmerzlichen Verstehens. (...) Die Zerrissenheit der Nachkriegsgeneration wirkt bis in die heutige hinein. Das am eigenen Fall herauszuarbeiten ist die große Leistung dieses Werks. ("Frankfurter Neue Presse")
Michael Kleeberg [zeichnet] das Leben [seines Vaters] mit Empathie nach, ohne sich hinter einer Fiktionsbehauptung zu verstecken – und ohne sein eigenes Scheitern zu verbergen (...) Eine Entdeckungsreise in die Seelenlandschaft einer Familie. ("Der Freitag")
Kleeberg arbeitet heraus, wie gerade das Alltägliche, Normale, scheinbar Unideologische die Persönlichkeit prägt, eben weil es so schwer greifbar ist (...) Es geht in Vaterbüchern wie diesem nicht darum, zu Gericht zu sitzen, sondern sich selbst als historisches Wesen in der Generationenabfolge zu erfassen. Das ist Kleeberg eindrucksvoll gelungen. ("rbbKultur")
Kleeberg befragt die verbliebenen Familienmitglieder, die Aufzeichnungen der Mutter, Archive zu den Zeitumständen, vor allem aber sich selbst und seine Erinnerungen. Darin ist er schonungs-, doch nie gnadenlos. (...) Diese unbedingte, zugleich unaufdringliche Aufrichtigkeit wäre nun allein kein zwingender Grund, sein Buch zu lesen, wenn man nicht speziell an ihm als Autor interessiert ist. Doch die Befragung des Vater-Sohn-Verhältnisses ist immer wieder eingebettet in Exkurse zur weiteren Familie, den unterschiedlichen Schicksalen der Einzelnen darin, somit auch, in einem exemplarischen Panorama, den Zeitläufen vor und nach 1945. ("ZEIT Online")
Kleebergs Vaterbuch ist ihm nicht Vorwand für eine wortreiche Selbsterkundung. Verdeckt werden persönliche Prägungen keineswegs, wie überhaupt das Buch durch eine große, radikale Offenheit besticht. Aber der Vater bleibt im Mittelpunkt der schonungslosen wie zärtlichen, der peniblen und manchmal peinigenden Recherche. ("SR 2 Kulturradio")
Bei allen Zwistigkeiten, die Vater und Sohn hatten, ist Kleebergs Text keine Anklage, er tastet sich behutsam vor, um die Leerstellen einer zum Teil rätselhaften Vita zu füllen (...). So lässt man sich Familienaufstellung gefallen. ("Falter")
Wie auch schon in Kleebergs erfolgreichem Roman „Karlmann“ (2007) ist eine nebenbei erzählte, bundesrepublikanische Nachkriegsoziologie zu erwarten – allerdings erzählt anhand einer Lebensgeschichte, die sich den handelsüblichen Milieuzuschreibungen verweigert. ("Berliner Morgenpost")
Wer Kleebergs Generation angehört, wird so manches wiedererkennen. Und einiges neu sehen. En passant gelingen unterschwellig interessante Generationenskizzen [...]. "Glücksritter" ist ein wunderbares, ein zutiefst wahrhaftiges, grandioses Buch. ("Glanz & Elend")

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Zustand

Gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

20.08.2020

Abbildungen

mit Fotos

Verlag

Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch

Seitenzahl

240

Maße (L/B/H)

20,8/13,2/2,5 cm

Gewicht

351 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710001608256

Herstelleradresse

Galiani, Verlag
Friedrichstraße 119
10117 Berlin
DE

Email: produktsicherheit@kiwi-verlag.de

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„Glücksritter. Recherche über…

sleepwalker am 21.12.2020

Bewertungsnummer: 2994881

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

„Glücksritter. Recherche über meinen Vater“ ist der Titel von Thomas Kleebergers Roman und gleichzeitig ist dieser Titel Programm. Denn sein Vater, dem er sich nach dessen Tod anzunähern versucht, scheint sein Leben lang auf der Suche nach dem Glück zu sein („Glück ist etwas gewesen, dem mein Vater sein Leben lang hinterher gejagt hat“). Aber er war zwar ein Glücksritter, aber weniger ein Ritter ohne Furcht und Tadel, sondern eher einer von der traurigen Gestalt. Wie so viele Familien ihrer Zeit, standen die Eltern von Thomas Kleeberger bei seiner Geburt 1959 mit einem Fuß noch im 2. Weltkrieg und mussten mit dem Erlebten klarkommen (die Tante entging knapp einer Vergewaltigung durch einen Soldaten, der Vater musste sich nach dem Ende der Kinderlangverschickung alleine nach Hause durchschlagen und die Mutter erinnert sich noch lebhaft an Nächte in Luftschutzkellern) und mit dem anderen Fuß standen sie im Wirtschaftswunder, versuchten, „zu etwas zu kommen“. Geld und Besitztümer, vor allem wohl Autos, waren in der Familie ein großes Thema. Der Vater scheint aber ein „ewig zu kurz Gekommener“ gewesen zu sein, und dennoch schien er zu glauben, das Universum schulde ihm wenigstens ein Quäntchen („Und wenn ich es recht bedachte, hatte mein Vater immer Pech gehabt, wenn es um Geld gegangen war oder immer die falschen Entscheidungen getroffen. Was vielleicht erstaunlich war bei einem Menschen, der so sehr vom Geld besessen war wie er, und vielleicht dann auch wieder nicht.“) Enkeltrick, beziehungsweise in diesem Fall „Nigeria-Trick“, sind Dinge, die die meisten nur aus den Medien kennen. Thomas Kleebergers Eltern fielen im fortgeschrittenen Alter auf diesen Trick herein, als er es bemerkte, hatten sie schon Tausende Euro verloren, Geld, das sie sich unter anderem in der Verwandtschaft geliehen hatten. Kleebergers Buch ist eine Mischung aus Familiengeschichte, Lebensgeschichte des Vaters und auch ein zeitgeschichtliches Dokument ab der Zeit des 2. Weltkriegs. Aber insgesamt ist es natürlich auch eine Abrechnung mit den Eltern, vor allem dem Vater, einem, der sich nie etwas sagen ließ – und am Schluss beinahe alles verloren hätte. Recherche über meinen Vater lässt eigentlich ein nüchternes, eher wissenschaftliches Werk erwarten. Das empfand ich aber nicht so. Zwar nähert er sich akribisch an seinen Vater an, aber er verliert nie die persönliche, die „Sohn-Komponente“. Vor allem muss er selbst recherchieren, denn nach dem Tod des Vaters schreitet die Demenz der Mutter rasant fort und sie kann ihm nicht mehr beim Graben in der Vergangenheit helfen. Es ist eine liebevolle aber fast kriminologisch aufklärerische Annäherung an den Vater, die zwiegespaltene Persönlichkeit. Einerseits der charmante Mann („Mein Vater sagte ›proper‹ oder ›rundlich‹, selbst seine Schwägerin, meine adipöse Tante, die bei 1,63 Körpergröße zuletzt weit über 100 Kilo wog, nannte er liebevoll ›moppelig‹.“), der auch die Demenz der Mutter lange mit „nicht mehr so fit im Kopf …“ umschrieb. Auf der anderen Seite war er wohl jähzornig und auch die Mutter legte den Sohn des Öfteren übers Knie und versohlte ihn mit dem Kochlöffel. Zudem war der Vater nicht in der Lage, auf seinen Sohn stolz zu sein. Der sollte ein „Herr Doktor“ werden, wurde er aber nicht. Und auch den Unterhaltungsroman, den der Vater gerne von ihm gelesen hätte, blieb er schuldig, obwohl der Vater überzeugt war „So was wollen die Leute lesen. Nicht nur immer Probleme. Damit hättest du Erfolg.“ Das Buch ist wohlformuliert und flüssig zu lesen, die Sprache ist alltagsnah und gefällig. Der Inhalt ist zum Teil schwere Kost, an der man eine Weile zu kauen hat. Für mich aber definitiv einer DER Familienromane des Jahres und eine ganz klare Lese-Empfehlung. „Mein Vater war also vor seinem Tod mit mir im Reinen, aber – das fragte ich mich, während wir in seiner letzten Wohnung beisammensaßen – war ich auch endlich mit ihm im Reinen?“ – es ist ihm auf jeden Fall von ganzem Herzen zu wünschen. Von mir 5 Ste

„Glücksritter. Recherche über…

sleepwalker am 21.12.2020
Bewertungsnummer: 2994881
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

„Glücksritter. Recherche über meinen Vater“ ist der Titel von Thomas Kleebergers Roman und gleichzeitig ist dieser Titel Programm. Denn sein Vater, dem er sich nach dessen Tod anzunähern versucht, scheint sein Leben lang auf der Suche nach dem Glück zu sein („Glück ist etwas gewesen, dem mein Vater sein Leben lang hinterher gejagt hat“). Aber er war zwar ein Glücksritter, aber weniger ein Ritter ohne Furcht und Tadel, sondern eher einer von der traurigen Gestalt. Wie so viele Familien ihrer Zeit, standen die Eltern von Thomas Kleeberger bei seiner Geburt 1959 mit einem Fuß noch im 2. Weltkrieg und mussten mit dem Erlebten klarkommen (die Tante entging knapp einer Vergewaltigung durch einen Soldaten, der Vater musste sich nach dem Ende der Kinderlangverschickung alleine nach Hause durchschlagen und die Mutter erinnert sich noch lebhaft an Nächte in Luftschutzkellern) und mit dem anderen Fuß standen sie im Wirtschaftswunder, versuchten, „zu etwas zu kommen“. Geld und Besitztümer, vor allem wohl Autos, waren in der Familie ein großes Thema. Der Vater scheint aber ein „ewig zu kurz Gekommener“ gewesen zu sein, und dennoch schien er zu glauben, das Universum schulde ihm wenigstens ein Quäntchen („Und wenn ich es recht bedachte, hatte mein Vater immer Pech gehabt, wenn es um Geld gegangen war oder immer die falschen Entscheidungen getroffen. Was vielleicht erstaunlich war bei einem Menschen, der so sehr vom Geld besessen war wie er, und vielleicht dann auch wieder nicht.“) Enkeltrick, beziehungsweise in diesem Fall „Nigeria-Trick“, sind Dinge, die die meisten nur aus den Medien kennen. Thomas Kleebergers Eltern fielen im fortgeschrittenen Alter auf diesen Trick herein, als er es bemerkte, hatten sie schon Tausende Euro verloren, Geld, das sie sich unter anderem in der Verwandtschaft geliehen hatten. Kleebergers Buch ist eine Mischung aus Familiengeschichte, Lebensgeschichte des Vaters und auch ein zeitgeschichtliches Dokument ab der Zeit des 2. Weltkriegs. Aber insgesamt ist es natürlich auch eine Abrechnung mit den Eltern, vor allem dem Vater, einem, der sich nie etwas sagen ließ – und am Schluss beinahe alles verloren hätte. Recherche über meinen Vater lässt eigentlich ein nüchternes, eher wissenschaftliches Werk erwarten. Das empfand ich aber nicht so. Zwar nähert er sich akribisch an seinen Vater an, aber er verliert nie die persönliche, die „Sohn-Komponente“. Vor allem muss er selbst recherchieren, denn nach dem Tod des Vaters schreitet die Demenz der Mutter rasant fort und sie kann ihm nicht mehr beim Graben in der Vergangenheit helfen. Es ist eine liebevolle aber fast kriminologisch aufklärerische Annäherung an den Vater, die zwiegespaltene Persönlichkeit. Einerseits der charmante Mann („Mein Vater sagte ›proper‹ oder ›rundlich‹, selbst seine Schwägerin, meine adipöse Tante, die bei 1,63 Körpergröße zuletzt weit über 100 Kilo wog, nannte er liebevoll ›moppelig‹.“), der auch die Demenz der Mutter lange mit „nicht mehr so fit im Kopf …“ umschrieb. Auf der anderen Seite war er wohl jähzornig und auch die Mutter legte den Sohn des Öfteren übers Knie und versohlte ihn mit dem Kochlöffel. Zudem war der Vater nicht in der Lage, auf seinen Sohn stolz zu sein. Der sollte ein „Herr Doktor“ werden, wurde er aber nicht. Und auch den Unterhaltungsroman, den der Vater gerne von ihm gelesen hätte, blieb er schuldig, obwohl der Vater überzeugt war „So was wollen die Leute lesen. Nicht nur immer Probleme. Damit hättest du Erfolg.“ Das Buch ist wohlformuliert und flüssig zu lesen, die Sprache ist alltagsnah und gefällig. Der Inhalt ist zum Teil schwere Kost, an der man eine Weile zu kauen hat. Für mich aber definitiv einer DER Familienromane des Jahres und eine ganz klare Lese-Empfehlung. „Mein Vater war also vor seinem Tod mit mir im Reinen, aber – das fragte ich mich, während wir in seiner letzten Wohnung beisammensaßen – war ich auch endlich mit ihm im Reinen?“ – es ist ihm auf jeden Fall von ganzem Herzen zu wünschen. Von mir 5 Ste

Viel mehr als eine Lebensgeschichte!

https://lieslos.blog/ am 29.09.2020

Bewertungsnummer: 1383298

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

„Glücksritter“ ist so vieles gleichzeitig: Eine ambivalente Vater-Sohn-Beziehung, geprägt von Konflikten und zärtlicher Verbundenheit. Die Lebensgeschichte eines Vaters. Eine Familiengeschichte. Eine Geschichtsreise durch das 20. Jahrhundert und ein Zeitdokument einschneidender historischer Geschehnisse. Eine Reise zu sich selbst. Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, ist es unumgänglich, seine Geschichte zu kennen und deren Lücken, so gut es geht, zu füllen. Das hat Michael Kleeberg hier getan. Schonungslos ehrlich und radikal offen erzählt er von der Rekonstruktion seiner Biographie und Familiengeschichte. Aber nun kurz zum Inhalt: Sein Vater ist verstorben und plötzlich wird ein unschönes Ereignis zum Ausgangspunkt für Reflexionen und Recherche des Sohnes. Es ist ein Ereignis, das so selten nicht ist: Trickbetrüger überlisteten einen 80-Jährigen, der auf diese Weise seinen letzten Groschen loswurde. Der Erzähler erfährt, dass sein Vater in ärmlichen und primitiven, fast asozialen Verhältnissen in den heruntergekommenen Vierteln Frankfurts aufgewachsen ist. Er musste sich als Jugendlicher mutterseelenallein durchkämpfen, behaupten und emporarbeiten und wurde zu einem arglosen, selbstgefälligen, risikobereiten und hitzigen Einzelgänger mit Idealen, die deutlich von seinem Aufwachsen in der NS-Diktatur geprägt waren. Ehrgeiz und Streben nach Geld und Ansehen sowie die Tendenz, Erreichtes zu zerstören und das Los, so manches wieder zu verlieren oder auch mal durchs Raster zu fallen charakterisieren seinen Vater und ein äußerst schwieriges und zwiespältiges Verhältnis charakterisiert seine Beziehung zu ihm, dem Sohn. Dass sich der Sohn immer wieder dabei ertappt, Ähnlichkeiten mit dem Vater zu haben, wirft in ihm die Frage auf, wie sehr er von ihm durchdrungen und geprägt wurde... wie sehr er er selbst und unabhängig ist. Es ist äußerst interessant, dieser Geschichte zu folgen und in sich hineinzuhorchen, wie sie wirkt und was sie mit einem macht. Es ist so einfach, zu urteilen und zu bewerten, aber das Leben formt den Menschen und so Einiges wird durch interessiertes Zuhören oder lesen nachvollziehbar, wodurch man nicht selten milder gestimmt wird. Michael Kleeberg hat sich neugierig, ausgiebig, detailliert, kritisch und fair mit seinem verstorbenen Vater auseinandergesetzt ... ich würde fast sagen, er konnte durch diese intensive Beschäftigung seinen inneren Frieden mit ihm und sich selbst machen. Ich empfehle diesen Roman, der unterhaltsam, interessant, berührend, witzig und fesselnd ist und meinen Horizont erweitert hat sehr gerne weiter!

Viel mehr als eine Lebensgeschichte!

https://lieslos.blog/ am 29.09.2020
Bewertungsnummer: 1383298
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

„Glücksritter“ ist so vieles gleichzeitig: Eine ambivalente Vater-Sohn-Beziehung, geprägt von Konflikten und zärtlicher Verbundenheit. Die Lebensgeschichte eines Vaters. Eine Familiengeschichte. Eine Geschichtsreise durch das 20. Jahrhundert und ein Zeitdokument einschneidender historischer Geschehnisse. Eine Reise zu sich selbst. Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, ist es unumgänglich, seine Geschichte zu kennen und deren Lücken, so gut es geht, zu füllen. Das hat Michael Kleeberg hier getan. Schonungslos ehrlich und radikal offen erzählt er von der Rekonstruktion seiner Biographie und Familiengeschichte. Aber nun kurz zum Inhalt: Sein Vater ist verstorben und plötzlich wird ein unschönes Ereignis zum Ausgangspunkt für Reflexionen und Recherche des Sohnes. Es ist ein Ereignis, das so selten nicht ist: Trickbetrüger überlisteten einen 80-Jährigen, der auf diese Weise seinen letzten Groschen loswurde. Der Erzähler erfährt, dass sein Vater in ärmlichen und primitiven, fast asozialen Verhältnissen in den heruntergekommenen Vierteln Frankfurts aufgewachsen ist. Er musste sich als Jugendlicher mutterseelenallein durchkämpfen, behaupten und emporarbeiten und wurde zu einem arglosen, selbstgefälligen, risikobereiten und hitzigen Einzelgänger mit Idealen, die deutlich von seinem Aufwachsen in der NS-Diktatur geprägt waren. Ehrgeiz und Streben nach Geld und Ansehen sowie die Tendenz, Erreichtes zu zerstören und das Los, so manches wieder zu verlieren oder auch mal durchs Raster zu fallen charakterisieren seinen Vater und ein äußerst schwieriges und zwiespältiges Verhältnis charakterisiert seine Beziehung zu ihm, dem Sohn. Dass sich der Sohn immer wieder dabei ertappt, Ähnlichkeiten mit dem Vater zu haben, wirft in ihm die Frage auf, wie sehr er von ihm durchdrungen und geprägt wurde... wie sehr er er selbst und unabhängig ist. Es ist äußerst interessant, dieser Geschichte zu folgen und in sich hineinzuhorchen, wie sie wirkt und was sie mit einem macht. Es ist so einfach, zu urteilen und zu bewerten, aber das Leben formt den Menschen und so Einiges wird durch interessiertes Zuhören oder lesen nachvollziehbar, wodurch man nicht selten milder gestimmt wird. Michael Kleeberg hat sich neugierig, ausgiebig, detailliert, kritisch und fair mit seinem verstorbenen Vater auseinandergesetzt ... ich würde fast sagen, er konnte durch diese intensive Beschäftigung seinen inneren Frieden mit ihm und sich selbst machen. Ich empfehle diesen Roman, der unterhaltsam, interessant, berührend, witzig und fesselnd ist und meinen Horizont erweitert hat sehr gerne weiter!

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Glücksritter

von Michael Kleeberg

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