Arnolds ehemalige Studienfreundin Ingrid, die inzwischen Karriere gemacht hat, erscheint nach Jahren plötzlich wieder auf der Bildfläche und dirigiert ihn endgültig in die bereits seit Universitätstagen gewollte Beziehung. Ob er das vielleicht gar nicht will? Ob er vielleicht eine andere liebt? - Gleichgültig in den Augen der Managerin, die am allerwenigsten mit „sentimentalen Petitessen“ zu beeindrucken ist. Kann so etwas überhaupt gutgehen? Eine Zeit lang funktioniert ihre Konstruktion tatsächlich recht passabel. Doch in wesentlichen Fragen verträgt das Leben auf Dauer keine Kunstgriffe, und so nimmt der Überdruss aneinander von Jahr zu Jahr zu.
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Belanglose Geschichte über unsympathische Menschen
Dana09 aus Altomünster am 23.04.2026
Bewertungsnummer: 3117871
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Arnold, ein nicht sehr sympathischer Dauerstudent. Mit Eigenarten, selbst auferlegten Zwängen und Gleichgültigkeit hat er so seine Probleme mit den zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders zum anderen Geschlecht.
Seine erste Freundin Angelika, eine resolute Genossin aus der ehemaligen DDR, hält von der freien Marktwirtschaft, und angeblich auch von materiellen Dingen, nicht viel. Was sie aber nicht davon abhält, ihre Tochter 25 Jahre lang von Arnold finanziell unterstützen zu lassen.
Mit der kultivierten Universitätsbibliothekarin Edelgard läuft es auf Dauer auch nicht so gut wie gewünscht. So trifft es sich gut, dass nach zehn Jahren seine Freundin aus Studienzeiten wieder in sein Leben tritt. Ingrid hat, im Gegensatz zu Arnold, ihr Studium zu ihrem Vorteil genutzt und ist eine erfolgreiche und wohlhabende Karrierefrau.
Ihr gegenüber benimmt sich Arnold offener und bei Edelgard fühlt er sich wohler und anerkannter als bei den beiden anderen Lebensabschnittsgefährtinnen.
Wie der Protagonist wirken alle drei Frauen unsympathisch, teils abstoßend. Bei keiner einzigen der Personen erkenne ich Wärme oder Herzlichkeit erkennen. Jede(r) handelt egoistisch und ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht.
Harald Siehl ist mit „Schöne Zeit“ ein realistischer, lebensnaher Roman gelungen. Trotzdem ist die Geschichte belanglos und spricht mich nicht wirklich an.
Der anspruchsvolle, nicht einfache Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Das sprachlich hohe Niveau und die oft zu langen Sätze machen flüssiges Lesen nicht so einfach. Die vorwiegend angriffslustigen Dialoge zwischen Arnold und den Frauen gefallen mir nicht so. Der ungünstige Ausdruck „sie landeten in der Horizontale“ wurde zu oft verwendet.
Die Geschichte fand ich im ersten Viertel besser. Leider habe ich immer mehr das Interesse daran verloren. Auch richtiges Lesevergnügen kam bei mir nicht auf
Leise, tiefgründig, aber stellenweise sehr zäh
Holger S. am 08.04.2026
Bewertungsnummer: 3102942
Schöne Zeit hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Einerseits steckt in diesem Roman viel Beobachtungsgabe, psychologisches Gespür und der erkennbare Wunsch, keine glatte oder gefällige Beziehungsgeschichte zu erzählen. Andererseits war das Lesen für mich über weite Strecken auch mühsam, weil das Buch sehr stark von seiner ruhigen, oft melancholischen Grundstimmung lebt und dabei erzählerisch nur selten echte Dynamik entwickelt.
Besonders interessant fand ich die Konstellation zwischen Arnold und Ingrid. Diese Beziehung wirkt nicht romantisch verklärt, sondern eher wie ein Konstrukt, das aus alten Vorstellungen, unausgesprochenen Erwartungen und persönlicher Unentschlossenheit entstanden ist. Gerade das macht den Roman inhaltlich reizvoll, weil er sich mit Fragen beschäftigt, die unangenehm nah an der Realität liegen: Warum bleibt man in Beziehungen, die einen nicht wirklich glücklich machen? Wie viel Angst, Bequemlichkeit und Selbsttäuschung steckt in solchen Lebensentscheidungen? Und wie sehr kann ein Mensch sich selbst im Weg stehen?
Arnold empfand ich dabei als bewusst unerquicklich angelegte Hauptfigur. Er ist keiner, der mit Tatkraft oder Klarheit durchs Leben geht. Vielmehr wirkt er passiv, unsicher und emotional gehemmt. Das ist literarisch durchaus spannend, weil es eben kein klassischer Held ist. Gleichzeitig war genau das für mich auch eine gewisse Hürde. Ich konnte Arnold als Figur verstehen, aber nur begrenzt mit ihm fühlen. Seine innere Haltung und seine Art, vieles eher geschehen zu lassen als selbst zu gestalten, haben bei mir mit der Zeit eher Distanz als echte Anteilnahme erzeugt.
Sprachlich hat das Buch zweifellos Anspruch. Man merkt, dass hier mit Formulierungen sorgfältig gearbeitet wurde. An einigen Stellen passt dieser eher dichte, reflektierende Stil sehr gut zur Geschichte. An anderen Stellen hat er für mich jedoch den Lesefluss gebremst. Vor allem dann, wenn die Sätze sehr verschachtelt wirken und die Handlung ohnehin eher leise voranschreitet, entsteht leicht das Gefühl, dass sich der Text mehr mit seiner eigenen Stimmung beschäftigt als mit erzählerischer Bewegung. Dadurch wirkte die Geschichte auf mich stellenweise zäh.
Was ich dem Buch aber zugutehalte: Es bleibt seiner Linie treu. Wer hier große Wendungen, starke emotionale Ausbrüche oder ein klassisches Beziehungsdrama erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Wer sich dagegen auf einen stillen, psychologisch geprägten Roman einlassen möchte, der stärker beobachtet als zuspitzt, kann hier durchaus etwas finden. Für mich war es letztlich ein Buch, das ich eher interessant als wirklich fesselnd fand.
Weiterempfehlen würde ich Schöne Zeit deshalb nur eingeschränkt: nämlich Leserinnen und Lesern, die ruhige, nachdenkliche Romane mit melancholischer Grundierung und sperrigen Figuren schätzen. Wer hingegen eine mitreißende Handlung, emotionale Nähe oder einen deutlichen Spannungsbogen sucht, dürfte mit diesem Buch eher nicht glücklich werden.
Fazit: Ein stiller, psychologisch geprägter Roman mit interessanten Gedanken über Beziehungen, verpasste Chancen und innere Blockaden, sprachlich anspruchsvoll, aber stellenweise sehr zäh. Für mich deshalb solide, aber nicht durchgehend überzeugend.
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