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Jonathan Simonelli baut für einen Filmdreh in England den Anker der Titanic nach. Nebenher verfolgt der Requisitenbauer einen geheimen Plan: Eine alte japanische Pistole geriet in seine Hände, in deren Griff das freizügige Foto einer Frau eingearbeitet ist, ein «Sweetheart-Grip» – Soldaten schmückten ihre Waffen so mit Bildern ihrer Freundinnen. Simonelli wird viel Geld für das Stück geboten. Das könnte er brauchen, denn die Geschäfte laufen nicht gut; und es geht noch um viel mehr: Simonellis Familie ist zerbrochen, mit dem Erlös könnte er seiner Tochter helfen und ihre Achtung zurückgewinnen. Erst als Simonelli nach England reist, die Pistole im Requisitenkoffer geschmuggelt, bemerkt er, dass noch andere, viel mächtigere und gefährlichere Parteien ebenfalls ihre Hände im Spiel haben. Simonelli wird klar, worauf er sich eingelassen hat. Aber nicht, wie er wieder herauskommt.
Ein Roman über einen Mann, einen Meister der Täuschung, der um seine Würde kämpft. Der nur eine winzige Chance hat, aber es einmal richtig machen möchte, als Vater, als Mensch – erzählt in der aufregenden Sprache Denis Pfabes.
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Jonathan Simonelli ist Requisitenbauer der alten Schule und ziemlich abgebrannt. Bei der ganzen digitalen Technik wird sein Talent immer weniger gebracht und so verliert sein Leben seinen Sinn. Nun hat er aber auf mysteriöse weise diese japanische Pistole in die Hände bekommen und diese kann man bestimmt zu Geld machen. Der Plan ist gefasst und auch ein Käufer gefunden und die Übergabe soll sich in England abspielen. Im Requisitenkoffer schmuggelt er die Waffe ein und soll an einem Filmset den Anker der Titanic nachbauen. Für ihn ein Leichtes und so bemerkt er schnell, dass diese Pistole nicht nur eine gefährliche Partei auf den Plan geschickt hat, sondern Simonelli wird beobachtet und auf Schritt und Tritt verfolgt. Was für eine Geschichte steckt hinter dieser Pistole? Wird Simonelli die Pistole an den Richtigen verkaufen? Und für wenn begibt er sich so in Gefahr?
Diese Mischung aus England und Japan, aus Geschichte und Film fand ich einfach faszinierend und richtig groovig und deshalb musste ich es einfach lesen. Sonst interessieren mich Waffen nicht, aber hier steckt Geschichte hinter und das die Soldaten ihren Waffengriff mit Bildern ihrer Freundinnen schmückten, hatte ich bis dato auch noch nie gehört. Dazu die ganze Requisitenbranche und ihr merkt, hier steckt jede Menge Feuer hinter und ob mir der Mix schlussendlich gefallen hat, erzähle ich euch nun.
Simonelli ist ein Einzelgänger, er ist ein Künstler in seinem Beruf, aber auch leider ein Dinosaurier seiner Zeit. Seit die digitale Technik im Vormarsch ist, wird sein Talent immer weniger gebracht, die Aufträge bleiben aus und sein Erspartes nimmt rapide ab. Nun ist auch noch sein treuer Begleiter gestorben, sein Kater und reißt ein großes emotionales Loch in ihm hinein. Außerdem schleppt er eine Karte mit sich rum, die ihm seine Tochter geschrieben hat, die er noch nie gesehen hat und der er nicht als mittelloser Mann gegenübertreten will. Nun hat er also einen Plan, er will diese Nambu Pistole verkaufen, für die es wohl Abnehmer gibt und endlich seine Tochter treffen. Das aber diese Pistole großes Interesse der Yakuza auf sich sieht und deren Gegner damit rechnet Simonelli nicht. Ein Spiel um Macht, Täuschung, Raffinesse und Würde beginnt und ob das unser Held meistern kann und er das richtige tut, ist die große Frage.
Denis Pfabe beginnt seine Geschichte mit dem Kampf um eine Waffe aus der Sicht eines Jungen und einem riesigen Knall, erst dann beginnt er mit dem Anfang. Das fand ich schon geschickt eingefädelt, weil man schon einen Brocken vor die Füße geworfen bekam und nun darauf hin fieberte, wie das alles zusammenhängt. So lernen wir seinen Protagonisten Simonelli kennen, seine Arbeit, seine Berufung, seine Leidenschaft für den Film. Er baut alles nach und das getreu, das es zum Verwechseln ist. Gleichzeitig wird aber auch ein japanischer Waffenhistoriker in die Geschichte hineingezogen, der unschuldig, unscheinbar und überrumpelt wird. Shige Yakatomo gibt uns Waffenunterricht und erläutert uns das Besondere an diesem Stück Metall. Alles läuft nun in England zusammen, in einem Dorf, wo Fremde auffallen und die Stimmung zum zerreißen gespannt ist. Ganoven, fremde Welten und ein Mann, der nach einem Ausweg sucht.
Es ist ein wilder Mix aus so verschiedenen Ecken zusammengestellt, die eigentlich nicht zusammen passen wollen, und doch passt es zusammen, es macht Spaß zu verfolgen, es wird kein bisschen langweilig oder langatmig und es ist ganz großartiges Kopfkino. Der Autor lässt sich einige Wendungen einfallen und überrascht so immer wieder. Seine Figuren sind greifbar und man leidet mit, man ist von der Geschichte angetan und fühlt sich bestens unterhalten. Ich war mir nicht sicher, was mich erwartet, aber ich bin megaangetan und hatte das Gefühl, einen Film von Luc Besson oder Quentin Tarantino zu schauen. Unverwechselbar und einfach spannend bis in die Haarspitzen. Aber Denis Pfabe hat auch einen ganz tollen Schreibstil, der einen bildlich oft mitnimmt und berührt. Was bin ich froh, das ich noch sein Debüt hier liegen habe, das muss ich nun lesen, unbedingt.
Simonelli ist eine Geschichte wie großes Kino und bietet einen wilden Mix an Ganoven und Filmrequisiten. Unglaublich packend, spannend und mit perfekten Wendungen.
Überraschend anders!
Vanessa | @herbsandhexes aus Köln am 12.10.2022
Bewertungsnummer: 1804145
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Simonelli wird aus der Perspektive von zwei Charakteren erzählt, die unfreiwillig bzw. unbeabsichtigt in einen Strudel von Täuschung, Entführung und zwielichtigen Deals hineingezogen werden. Einer davon ist Jonathan Simonelli, der Filmrequisiten baut und mit dem technischen Wandel innerhalb seiner Branche zu kämpfen hat. Als er in den Besitz einer japanischen Pistole kommt, eröffnet sich ihm eine neue Möglichkeit aus seiner Misere zu entfliehen: Jemand bietet ihm eine stattliche Summe für die Waffe. Für den Austausch lässt er sich bei einem Filmdreh anheuern – er soll den Anker der Titanic nachbauen – und wartet auf seinen Kontaktmann. Gleichzeitig werden jedoch weitere Parteien auf ihn aufmerksam, die die Pistole aus verschiedenen Gründen ebenfalls in ihren Besitz bekommen wollen…
Der Einstieg in die Geschichte wird aus der Sicht eines Unbeteiligten erzählt und ist spannenderweise eine Szene, die sich erst im späteren Verlauf des Buches ereignet. Die Idee fand ich sehr raffiniert, weil wir so erfahren, dass der Austausch stattfindet, aber nicht wer die handelnden Akteur:innen sind. Zusätzlich ereignet sich ein Unfall: Wer wohl zu Schaden gekommen ist?
Dass Filmrequisiten und Waffen im Fokus stehen, war für mich interessanter als ich erwartet hätte, denn für das Thema kann ich wenig Leidenschaft aufbringen. Der Wandel der Anforderungen an Simonellis Arbeit, sein Versuch sich diesem Wandel anzupassen und auch die Historie der Waffe waren jedoch spannend erzählt.
In einer anderen Rezension wurde der Stil der Geschichte mit Tarantino Filmen verglichen. Für mich ist das Buch auf jeden Fall ein wilder Mix, der mir gut gefallen hat & ich kann nicht behaupten etwas Ähnliches in letzter Zeit gelesen zu haben.
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