Freitagabend mit der besten Freundin auf dem Balkon. Neben der Liebsten wach liegen. Ausschlafen. Jazz im Radio. Frische Steinpilze vom Markt, Weißwein und Missverständnisse. Ein Spaziergang zu später Stunde. Und natürlich: Apéro, Apéro, Apéro!
»Das schönste am Sonntag ist der Samstagabend.« Kurt Tucholsky
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Buchstabenfestival (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 20.06.2026
Bewertungsnummer: 3173232
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Es ist schmales Buch mit einer wunderschönen Covergestaltung und einer tollen Haptik, die mir sofort gefallen haben.
Die Geschichten in dem Buch sind kleine Appetithäppchen oder kleine Momente zum Runterkommen, Innehalten und Durchatmen. Es ist ein ideales Buch für die kleinen Lesemomente, wenn ein dicker Roman oder eine spannende Geschichte gerade nicht passen.
Die Auswahl zieht sich von Franz Kafka, Klaus Mann und Sylvia Plath bis zu Kurt Tucholsky und Elke Heidenreich. Die Gedichte von Kurt Tucholsky waren meine Highlights aus diesem Buch. Aus meiner Sicht gibt es keinen roten Faden durch die Geschichten. Vielleicht der leichte Bezug zum Wochenende, aber dies liest man nicht immer heraus. Viele, der kleinen Auszüge, Geschichten oder Gedichte zeigen wie zwischenmenschliche Beziehungen funktionieren oder auch nicht. Es sind Beobachtungen und Beschreibungen von Gefühlen, Situationen und Menschen. Es sind leise Geschichten, die sich gut am Morgen (eines jeden Wochentages) oder eben an einem Sonntag eignen, die gut unterhalten mit feinem Humor, nachdenklich stimmen oder (wie das Interview von Nick Cave) auch einfach nur interessant sind.
Für mich war es eine entspannende Lektüre ohne Aufregung und somit perfekt für den Start oder den Ausklang eines Tages.
Ein bunter Mix mit kleinen Schwächen
xxholidayxx am 14.06.2026
Bewertungsnummer: 3168029
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Lange schlafen. Geschichten zum Wochenende", herausgegeben von Alba Speroni (erschienen am 21.05.2026 im Kanon Verlag), tarnt sich im edlen festen Einband als das ultimative Buch gegen den Sonntagsblues. Speroni versammelt in dieser Anthologie 20 namhafte Autor:innen aus völlig unterschiedlichen Epochen (wie von Ovid und Michel de Montaigne über Klassikerinnen der Moderne wie Virginia Woolf und Christa Wolf bis hin zu zeitgenössischen Stimmen wie Teresa Bücker und Nina Kunz). Ein bunter Mix aus Kurzgeschichten, Gedichten und Interviews soll das Lebensgefühl des perfekten Wochenendes einfangen: Ausschlafen, Jazz im Radio, Marktgänge und endlose Apéros.
Meine Meinung
Schuldig im Sinne der Anklage: Das Cover ist für mich ein absoluter Blickfang und der Grund, warum ich mir den vielversprechenden Klappentext überhaupt durchgelesen habe. Die wahrscheinlich größte Stärke des Bandes liegt zweifellos in seiner Vielfalt und der Entdeckung einzelner literarischer Schätze. Wenn man sich durch die Seiten treiben lässt, stößt man auf Texte von grandioser Beobachtungsgabe.
So liefert Nina Kunz in ihrem Text „Und ich liebe sie doch“ eine herrlich scharfzüngige, soziokulturelle Sezierung des urbanen Raums, die sofort hängenbleibt: „Zürich ist wohl die einzige Stadt, in der man den Leuten auch nackt ansieht, wie reich sie sind, da die Überlegenheit genetisch bedingt ist.“ (S. 62) Auch die zeitlose Schwere und Introspektion in Christa Wolfs „Sonnabend“ oder die spielerische Sinnlichkeit von Bolu Babalolas „Orin“ zeigen, wie intensiv literarische Erkundungen von Freizeit und Rückzug sein können.
Aus feministischer und gesellschaftskritischer Sicht fand ich insbesondere die Essays von Teresa Bücker spannend. Bücker bricht das vermeintlich unpolitische Banalthema „Ausschlafen“ auf und führt es zu seiner soziopolitischen Wurzel zurück: der ungleichen Verteilung von Zeit und Care-Arbeit. Sie macht deutlich, dass Freizeit im Spätkapitalismus kein individuelles Luxusproblem, sondern eine systemische Machtfrage ist: „Den Gender-Leisure-Gap zu schließen, wird für Männer nicht bequem.“ (S. 12) Sie plädiert radikal für Zeitgerechtigkeit als Umverteilungspolitik.
Doch genau mit diesem ersten Text von Bücker hatte ich im Rahmen der Anthologie meine Probleme, weil er spürbar unglücklich aus seinem ursprünglichen Kontext herausgerissen worden ist. Wenn im Text explizit auf ein „in Kapitel 1 erwähnte[s] Konzept“ (S. 10) verwiesen wird, dieses Kapitel in der vorliegenden Anthologie aber naturgemäß gar nicht existiert, leidet darunter der Lesefluss. Und weiter wird im Text auch ein Zitat genannt (zumindest steht ein Teil in Anführungszeichen), aber im Quellenverzeichnis sucht man dann vergeblich nach der Herkunft. Das ist aus redaktioneller Sicht leider doch etwas nachlässig.
Wie schon beschrieben, ist die Vielfalt der Texte einerseits die größte Stärke des Buches, andererseits war zumindest für mich nicht bei jedem Text klar, wie er sich in das Gesamtbild und Motto einpasst. Mir hat es daher stellenweise an einem klar erkennbaren roten Faden gefehlt. Auch die Längen der Texte sind sehr unterschiedlich und für mich zum Teil zu kurz, um tief in sie eintauchen und sie wirklich verstehen zu können. Und das war wohlgemerkt nicht meine erste Anthologie. In diesem Fall wären für mich weniger Texte, die dafür länger sind und einen klareren Bezug zum Thema haben, besser gewesen.
Fazit
"Lange schlafen" hält für jeden Lesetypus und jede literarische Vorliebe etwas bereit – von antiker Dichtkunst bis zu modernen Zeitdiagnosen. Insgesamt hat die Anthologie für mich jedoch mangels redaktioneller Feinabstimmung, der Fülle an unterschiedlich langen Texten und dem stellenweise fehlenden roten Faden nicht ihr ganzes Potenzial ausgeschöpft. Das Buch ist aus meiner Sicht perfekt für alle, die ein bildschön gestaltetes Buch für den Nachttisch suchen, aus dem man morgens beim Kaffee häppchenweise ein bis zwei Geschichten querlesen kann, ohne einen stringenten roten Faden zu erwarten. Ein herzlicher Dank geht an den Kanon Verlag für das Rezensionsexemplar.
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