Sie sind jung und lost, haben den Kopf in den Wolken und Wut im Bauch – ihnen allen wurde bereits etwas Wertvolles genommen. Nach einem tragischen Autounfall in Sarajevo versucht die bosnische Künstlerin Nejla den Tod ihrer großen Liebe Artur zu verarbeiten. Der Rapper Kazim möchte ihr beistehen, ringt aber selbst damit, die Erwartungen seiner jesidischen Familie zu erfüllen. Dilek, die früh aus ihrem Elternhaus geflohen ist, muss als weniger privilegierte Person doppelt so hart für ihre Ziele kämpfen. Mit seiner ständigen Eifersucht ist ihr Freund Bobby dabei kaum eine Unterstützung. Er kämpft gegen seine eigene Abwärtsspirale aus gescheiterten Ambitionen. Als das Schicksal abermals zuschlägt, wird die Freundschaft der vier auf eine harte Probe gestellt.
„Der Himmel ist so laut“ erzählt von Freundschaft und Zusammenhalt in schwierigen Zeiten – geprägt von Verlusterfahrungen, gesellschaftlichen Konflikten, Identitätssuche und dem Wunsch nach einem persönlichen Neuanfang.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Tiefgründige, wunderbar erzählte Coming-of-Age, Coming-to-life Geschichte. Wie treffend kann ein Titel sein? - Hier passt es zu 1000 Prozent. Der Himmel so laut ist eine tiefgehende coming-of-age und coming-to-life Geschichte über die Liebe, tiefe Freundschaften mit all ihren hellsten und dunkelsten Facetten, über Identität und Verlust. Es ist hauptsächlich der Verlust eines jungen Menschen, um den sich dieser Roman dreht. Nejla und Arthur haben einander gefunden, haben ihre Liebe zueinander gerade erst entdeckt, als Arthur in Sarajevo, zehn Jahre nach dem Krieg, von einem Auto erfasst wird. Es ist nun schon das zweite Mal, dass Nejla in dieser Stadt einen geliebten Menschen verliert. Ihre Freunde Dilek und Bobby, selbst ein Paar, brechen ihren Urlaub sofort ab, und fahren mit einem klapprigen Transporter zusammen mit dem Rapper Kazim nach Bosnien. Alle fünf Personen stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Ethnien. Alle haben mit ihrer Umwelt, ihrem Leben zu kämpfen, müssen sich behaupten in einer Welt voller Gewalt und Rassismus. Aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen erzählt uns der Autor davon. Mal einfühlsam, mal mit der vollen realen Brutalität. Es gibt Familienbande, die es gilt zu halten, wie bei Kazim, ein Jeside. Es gibt aber auch das Gegenteil davon. Sie alle haben ihr spezielles Leben, und ihre Art, damit umzugehen. Um mit ihrer Trauer fertig zu werden, versucht Nejla, die Musik-Arbeiten von Arthur fortzusetzen, bzw. zu beenden. Mit tatkräftiger Unterstützung von Arthurs Rap-Partner Kazim. Doch was für sie als Therapie gilt, mag für andere als Einmischung oder Selbstbehauptung gelten. Die Welt prasselt auf alle nieder, manchmal ist es nur Regen, manchmal sind es dicke Steine. Und was zählt am Schluss? Der eigene sprichwörtlich nähere Rock oder ist das Band einer Freundschaft doch dicker? - Lest es und findet es heraus. Die Freunde sind wie Passagiere auf einem Karussell, das sich mal langsam, aber meistens schnell um die eigene Achse drehend, die Sitze nach außen drückt. Sie greifen mit ihren Händen nacheinander, versuchen den Halt zu finden, den sie tagtäglich glauben zu verlieren. Der Autor hat es hier mit viel Insider-Wissen und Recherche geschafft, verschiedene ethnische und kulturelle Grundsätze mit großem Fingerspitzengefühl in das Buch einfließen zu lassen, sei es die Religion der Jesiden oder auch die tiefen Weisheiten des Schamanismus'. Es ist ein Roman, der intensive Eindrücke hinterlässt, und den ich sehr gerne gelesen habe. Es gibt einen Vorgängerroman der Protagonist*innen mit dem Titel „Alles Gold“, den man, so wie ich, für dieses Werk nicht zwingend kennen muss, aber ganz gewiss lesen sollte. Eine Playlist der Songs von Arthur und Kazim rundet dieses Buch für alle Rap-Begeisterte perfekt ab. Ganz große Leseempfehlung!
MarcoL
aus Füssen
5/5
21.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tiefgründige, wunderbar erzählte Coming-of-Age, Coming-to-life Geschichte.
Wie treffend kann ein Titel sein? - Hier passt es zu 1000 Prozent. Der Himmel so laut ist eine tiefgehende coming-of-age und coming-to-life Geschichte über die Liebe, tiefe Freundschaften mit all ihren hellsten und dunkelsten Facetten, über Identität und Verlust. Es ist hauptsächlich der Verlust eines jungen Menschen, um den sich dieser Roman dreht.
Nejla und Arthur haben einander gefunden, haben ihre Liebe zueinander gerade erst entdeckt, als Arthur in Sarajevo, zehn Jahre nach dem Krieg, von einem Auto erfasst wird.
Es ist nun schon das zweite Mal, dass Nejla in dieser Stadt einen geliebten Menschen verliert. Ihre Freunde Dilek und Bobby, selbst ein Paar, brechen ihren Urlaub sofort ab, und fahren mit einem klapprigen Transporter zusammen mit dem Rapper Kazim nach Bosnien.
Alle fünf Personen stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Ethnien. Alle haben mit ihrer Umwelt, ihrem Leben zu kämpfen, müssen sich behaupten in einer Welt voller Gewalt und Rassismus.
Aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen erzählt uns der Autor davon. Mal einfühlsam, mal mit der vollen realen Brutalität. Es gibt Familienbande, die es gilt zu halten, wie bei Kazim, ein Jeside. Es gibt aber auch das Gegenteil davon. Sie alle haben ihr spezielles Leben, und ihre Art, damit umzugehen.
Um mit ihrer Trauer fertig zu werden, versucht Nejla, die Musik-Arbeiten von Arthur fortzusetzen, bzw. zu beenden. Mit tatkräftiger Unterstützung von Arthurs Rap-Partner Kazim. Doch was für sie als Therapie gilt, mag für andere als Einmischung oder Selbstbehauptung gelten. Die Welt prasselt auf alle nieder, manchmal ist es nur Regen, manchmal sind es dicke Steine. Und was zählt am Schluss? Der eigene sprichwörtlich nähere Rock oder ist das Band einer Freundschaft doch dicker? - Lest es und findet es heraus.
Die Freunde sind wie Passagiere auf einem Karussell, das sich mal langsam, aber meistens schnell um die eigene Achse drehend, die Sitze nach außen drückt. Sie greifen mit ihren Händen nacheinander, versuchen den Halt zu finden, den sie tagtäglich glauben zu verlieren.
Der Autor hat es hier mit viel Insider-Wissen und Recherche geschafft, verschiedene ethnische und kulturelle Grundsätze mit großem Fingerspitzengefühl in das Buch einfließen zu lassen, sei es die Religion der Jesiden oder auch die tiefen Weisheiten des Schamanismus'.
Es ist ein Roman, der intensive Eindrücke hinterlässt, und den ich sehr gerne gelesen habe. Es gibt einen Vorgängerroman der Protagonist*innen mit dem Titel „Alles Gold“, den man, so wie ich, für dieses Werk nicht zwingend kennen muss, aber ganz gewiss lesen sollte.
Eine Playlist der Songs von Arthur und Kazim rundet dieses Buch für alle Rap-Begeisterte perfekt ab.
Ganz große Leseempfehlung!
lesenmitausblick
5/5
30.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine besondere Geschichte
„Der Himmel ist so laut“ erzählt mit voller Wucht von einer Freundschaft zwischen fünf Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen aus Bielefeld mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen. Es ist der zweite Band nach „Alles Gold“ von Autor Andrej Murasov, erschienen im Katapult Verlag. Ich kenne den ersten Band nicht. „Der Himmel ist so laut“ kann auch unabhängig davon gelesen werden, aber sicherlich lohnt es sich auch beide Bücher zu lesen. Das besondere am Buch: es gibt einen Soundtrack in Form einer Playlist zum Streamen. Die Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt.
Nejla und Artur haben gerade erst ihre Liebe füreinander entdeckt und befinden sich am Ende ihres Balkanroadtrips in Sarajevo, einer Stadt, in der man auch nach zehn Jahren noch allgegenwärtig dem Krieg begegnet. Die Geschichte spielt also 2005. (Vorsicht: ohne Spoiler geht es nicht!) Nejla ist vor dem Krieg geflüchtet und anders, als ihre Mutter, in Deutschland geblieben. Jäh wird das Glück von Artur und Nejla bei einem Autounfall zerstört. Bobby und Dilek kommen gerade glücklich zurück aus Barcelona, als der Anruf sie erreicht. Doch wie sollen sie so schnell nach Sarajevo kommen, ihr Geld ist im Urlaub draufgegangen. Nicht ganz legal besorgen sie sich ein Auto und nehmen ihren Kumpel Kazim mit…Doch Artur wird es nicht schaffen…
Nejla droht am Tod Arturs zu zerbrechen. Halt geben ihr die alten Aufnahmen der Songs, die Artur und Kazim zusammen aufgenommen haben. Sie macht es sich zur Aufgabe, die Aufnahmen zusammen mit Musikvideos fertigzustellen. Dabei kommt sie Kazim näher, näher als beide sich eingestehen wollen. Tengis, ein sehr guter Freund von Nejla, den sie vom Kunststudium kennt, hilft den beiden die Videos zu erstellen, doch plötzlich verschwindet er und wird tot aufgefunden, er hat Selbstmord begangen. Für Nejla ist das alles zu viel, ihr Körper streikt. Währenddessen scheitern Dilek und Bobby in Berlin an ihren unterschiedlichen Vorstellungen, was eine Beziehung angeht. Dilek ist früh von ihrem gewalttätigen Vater und der Familie abgehauen. Ihr Traum ist ein Studium, auf das sie sich voll und ganz einlassen will. Doch Bobby engt sie ein, zerstört mit seiner Eifersucht die Beziehung…
Nejla, Kazim, Bobby und Dilek eint, dass sie Artur vermissen, ihre Zeit in Bielefeld, ihre Freundschaft. Gleichzeitig sind sie auf der Suche nach ihrem eigenen Weg. Dabei begleiten wir sie. Auf Grund der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe finden sich im Buch immer wieder Dialoge in der jeweiligen Muttersprache der Protagonist*innen. Am Ende des Buches finden sich Übersetzungen. Kazim ist Jeside und eng mit seiner Familie verbunden. Für ihn ist klar, dass er bald heiraten wird. Doch er kommt bei einer Durchsuchung mit der Polizei in Konflikt und muss für vier Wochen in den Arrest. Bobby droht an der Trennung von Dilek zu zerbrechen und völlig abzustürzen. Dann entdeckt er sein Talent für’s Tätowieren. Die Sprache, die Dialoge sind zum Teil sehr derb und vulgär. Es wird sehr viel gekifft, Drogen und Alkohol bestimmen das Leben der jungen Erwachsenen. Es ist schwer für sie, sich aus ihren schwierigen sozialen Verhältnissen heraus zu kämpfen, ihren Weg zu gehen und nicht wieder abzustürzen.
Beim Lesen entwickelt sich ein Sog. Ich fand es sehr spannend die Entwicklung zu verfolgen. Wie soll ich es beschreiben? Ich selbst bin in sicheren Verhältnissen groß geworden. Die andere Seite kenne ich nicht. „Der Himmel ist so laut“ erlaubt einen ehrlichen, genauen Einblick, hilft vielleicht auch zu verstehen, Verständnis aufzubringen für andere, die es deutlich schwerer haben. Anerkennung und Toleranz fallen mir als Begriffe ein.
Ich war auch sehr beeindruckt wie sich der Autor in die unterschiedlichen Milieus eingearbeitet hat, wie viel Hintergrundwissen/Fachwissen in dem ganzen Buch steckt, sei es zu Musik, im speziellen auch Rapmusik (ok, der Autor ist selbst Rapper), aber auch zu den Kulturen. Ob es zum Beispiel das Familienleben der Jesiden ist oder der Glauben des Buddhismus, dem Tengis‘ Schwester als Schamanin angehört.
„Der Himmel ist so laut“ ist keine leichte Kost, aber eine sehr gelungene, wenn ihr wisst, wie ich das meine. Also es ist ein lohnenswertes Buch, das unter die Haut geht, das man nicht so leicht aus der Hand legen kann, das zum Nachdenken anregt.
Ich empfehle es sehr gern weiter.
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