Die Analyse der Inszenierung der Corona-Krise in Österreich im Vergleich mit anderen europäischen Staaten (insbesondere Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien) zeigt, wie Akteur:innen aus Ministerien, Ämtern und der Wissenschaft versuchten, die Krise aus eigener Sicht kommunikativ zu steuern, wobei mitunter ein Eindruck von Widerspruch, Unsinnigkeit und auch erstaunlicher Inkompetenz entstand. Rechtsaußenparteien wie die FPÖ in Österreich konnten das kommunikative Versagen der Politik geschickt ausnutzen. Im Zuge der Anti-Impf-Kampagne etwa wurden faschistische Slogans und Verschwörungsnarrative Teil des öffentlichen Diskurses, vom angeblich »gesunden Volkskörper« bis zum offenen Antisemitismus. Die Analyse der konfliktreichen Debatten zur Impfpflicht erklärt auch, warum die FPÖ nach Abschaffung des entsprechenden Gesetzes im Sommer 2022 als politischer Gewinner aus der Krise hervorging. Seither liegt die FPÖ bei Wahlen ebenso wie bei Meinungsumfragen an erster Stelle. Die Aufarbeitung der Krise sollte sich mit dem kommunikativen Versagen auseinandersetzen, damit Politiker:innen, aber auch wir alle aus Fehlern lernen können. Dieses Buch leistet hierzu einen wertvollen Beitrag.
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Die Autoren möchten in ihrem Werk die Kommunikation, vor allem jene in verschiedenen österreichischen und zum Teil internationalen Medien, sowie durch die Politik, während der Corona-Zeit analysieren. Erhofft hätte ich mir dabei eine ausgewogene Perspektive, die Empathie für verschiedene Teile der Bevölkerung und ihre Betroffenheit durch die damals sehr zugespitzte, polarisierende Rhetorik zeigt. Stattdessen wird aber wieder mal, wie auch damals schon so häufig, deutlich, auf welcher Seite die Autoren stehen und dass auch sie nicht sehen möchten, wie sehr damals impfkritische Menschen diffamiert, massiv unter Druck gesetzt und durch 2G und die tatsächlich in Kraft getretene Impfpflicht in Österreich gesetzlich und gesellschaftlich ausgeschlossen und an den Rand gedrängt wurden.
Ich kann ein Buch nicht ernst nehmen, das einerseits nur so mit elitär-akademischer Sprache und einem Zitat nach dem anderen um sich wirft, sich dabei oberflächlich betrachtet wissenschaftlich geben will, aber damit nur für wenige Bevölkerungsgruppen zugänglich ist und alle anderen von der Lektüre ausschließt (Beispiele dafür sind etwa nativistisch, manichäisch etc., - Fachbegriffe, die ohne Erklärung auch viele sehr gut gebildete Akademikerinnen und Akademiker ohne weiteres Nachrecherchieren nicht unbedingt sofort verstehen) und andererseits so schlampig recherchiert, dass behauptet wird, die Impfpflicht in Österreich sei nie in Kraft getreten (wie jeder leicht nachrecherchieren kann, ist sie das sehr wohl; nur wurde sie ausgesetzt, bevor das rechtliche Konsequenzen haben hätte können; individuelle Konsequenzen auf Beruf und gesellschaftliche Position vieler Menschen hatte sie dennoch) und wiederum das oft medial wiederholte, aber empirisch wenig haltbare Narrativ bedient wird, das Problem sei die mangelnde Umsetzung der Impfpflicht und nicht die vorhergehende Polarisierung und überhaupt die Einführung dieser gegen den Widerstand großer Bevölkerungsteile gewesen.
Dazu kommt auch hier wieder der Versuch der Diskreditierung der erlebten Ausgrenzungserfahrung vieler Menschen in Österreich, indem behauptet wird, Menschen ohne Impfung seien während 2G nicht tatsächlich von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen gewesen, sondern das hätten nur die bösen Boulevardmedien behauptet (auch hier kann man nur von mangelhafter Recherche, gepaart mit wenig Verständnis und Empathie, sprechen).
Es ist also insgesamt ein Buch, das sich von außen her als wissenschaftlich und faktenbasiert darstellen möchte, dem aber eine klare politische Positionierung zugrunde liegt, die aber nicht offen gelegt wird, weil es sich scheinbar neutral geben will. Damit ist es ein weiterer Baustein, um gesellschaftliche Polarisierung zu verstärken und das bekannte Narrativ der bösen Rechten zu bedienen, statt zu versuchen, Menschen mit anderen Positionen zu verstehen und zur Versöhnung und Aufarbeitung beizutragen, was unsere Gesellschaft dringend nötig hätte. So gesehen ist es ein Glück, dass das Buch in weiten Teilen sprachlich so unzugänglich geschrieben ist, dass es vermutlich nicht viele Menschen erreichen wird. Empfehlen kann ich es keinem.
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