Hals über Kopf reist Robin, ein junger Vater, seiner Frau hinterher. Was muss er ihr so dringend sagen? Während der Zug durch das überschwemmte Ahrtal gleitet, blickt er zurück auf seine Entscheidungen. Wie vertretbar ist es, ein Kind in diese Welt zu bringen, in der eine Naturkatastrophe die nächste jagt? Ein zarter und kluger Roman über eine der großen Fragen unserer Zeit.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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**** Worum geht es? ****
Eine zarte und melancholische Erzählung über Entscheidungen, dem Status Quo und dem was hätte sein können und trotzdem sein kann. Der rote Faden in der Geschichte ist die Zugfahrt von Robin, währenddessen reist er an unterschiedliche Orte seines Lebens und verzweigt unterschiedliche Situationen miteinander. Dabei taucht immer wieder das Bild der voranschreitenden Zeit und den Abzweigungen des Lebens auf. Auch die Zugfahrt unterstreicht dieses Bild und ließ ein Gefühl von Ungewissheit und Hektik in mir entstehen. Was passiert wenn Robin bei Tess ankommt?
**** Mein Eindruck ****
Zantingh schafft es in diesem Buch auf wundersame Weise mich zutiefst zu berühren. Es sind die Bilder, die er mit seiner Sprachgewandtheit malt, die in meinem Herzen kleben blieben und viel Raum zum Nachdenken ließen. Zwischen Liebe, Angst und Hoffnung reiste ich mit Robin und wurde ganz und gar von der Tonität und der literarischen Ausstaffierung des Lebens gefangen genommen.
Zantingh regt dazu an über Entscheidungen nachzudenken, Melancholie erreichte mich, aber auch die Gewissheit, dass da immer auch mehr ist. Die Kindsrolle Mats übernahm hierbei eine Schlüsselrolle, die es lohnt zunächst ganz für sich zu analysieren und dann unbedingt mit anderen zu besprechen. Schlichtweg anregend!
Ich kann an dieser Stelle dem Zitat des Klappentextes zustimmen: „Ein Roman über unseren begrenzten Einfluss auf das Leben.“ und doch gibt mir Zantinghs Stimme das Gefühl, diese Grenzen selbst auch mitbestimmen zu können ohne die Kraft der Natur in den Hintergrund rücken zu lassen.
In manchen Momenten fühlte ich mich in der Erzählung verwirrt oder auch verloren und trotzdem konnte mich dieses gewisse Gefühl von „da kommt was bedeutendes auf dich zu“ nicht loslassen. Diese Kombination war für mich etwas besonderes. Die Komplexität erzeugte einen wachen Geist ohne dabei zu anstrengend oder anspruchsvoll zu werden.
Ein besonderes Buch, das mich ganz und gar erreichte und erneut daran erinnert wie wertvoll und zeitgemäß die Tapir Reihe des Diogenes Verlags ist.
**** Empfehlung? ****
Ein Buch das durch schriftstellerisches Können begleitet von Zwischenmenschlichkeit sich leise, aber verweilend ins Herz stiehlt. Eine absolute Empfehlung für Literaturfans.
Es kommt selten vor, dass ich…
ins_lebenlesen aus Schleswig-Holstein am 08.10.2024
Bewertungsnummer: 2892961
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Es kommt selten vor, dass ich mich durch das Werk einer Übersetzerin lese, oftmals erinnere ich mich nicht mal an ihre Namen. Anders bei Lisa Mensing. Was für Texte! Inzwischen ist sie meine Gallionsfigur für das Aufspüren und feinfühlige Übertragen großer niederländischer Literatur. Nach Connie Palmen, Gaea Schoeters „Trophäe“ und Caro Van Thuynes „Birkenschwester“ reiht sich nun Peter Zantinghs „Zwischen uns und morgen“ in meine kleine feine Sammlung ein. Peter Zantingh verhandelt auf wenigen Seiten in einem sehr reduzierten Setting die Frage, wie sich Kinderwunsch und Elternschaft zu einer der Zerstörung geweihten Welt verhalten und wie düstere Zukunftsaussichten unsere intimsten Lebensentscheidungen beeinflussen (sollten). Wir begleiten Robin auf einer Zugreise, Sohn Mats eng an seinem Bauch tragend. Er fährt Tess und einem nicht beendeten Gespräch hinterher. Ein Gespräch, dessen Fortführung keinen Aufschub duldet. Und so bringt ihn der Zug aus dem Norden der Niederlande entlang der Überschwemmungsgebiete des Ahrtals in den Süden Deutschlands, wo Tess am Abend eine Lesung halten wird. Robin, der sich lange nicht klar darüber war, ob es Mats geben sollte, ist in diesem Moment, in seinem Abteil, ganz Vater, gewogen in der Körperlichkeit dieser Verbindung. „In anderen Momenten hatte ich vor nichts Angst. Es wird einfacher, an die Zukunft zu glauben, wenn man sie jeden Morgen aus dem Bett holt.“ S.140 Er ist aber auch voller unguter Ahnungen eines Lebens, das uns und Generationen nach uns auf diesem Planeten erwarten wird. Robin lässt fiebernd seine Gedanken und Erinnerungen rotieren, während vorm Fenster die sich verändernde, von Umweltzerstörung und Naturkatastrophen gezeichnete Welt vorbeizieht und Mats an seinem Bauch schläft. Die Erzählstimme von Robin ist abwägend, verkopft, Gefühlen und ihrer Tragkraft kaum trauend, doch auch leidenschaftlich und zärtlich, wenn es um das geht, was er liebt. Während im Niemandsland des Zuges die Zeit stehenbleibt und die Welt in Hochgeschwindigkeit vorbei rauscht, entsteht pures Jetzt, ein abgegrenzter Denk- und Erinnerungsraum. Ein intensiver dichter Roman, der mich mit seinen kurzen, präzisen Sätzen, die die hohe Dringlichkeit vermitteln, gnadenlos mitgerissen und viel zu schnell wieder ausgespuckt hat. Große Empfehlung für alle, die es lieben in Zügen großen Fragen des Lebens nachzuspüren.
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein wunderschöner Text über ein Paar, das sich phasenweise in der Elternschaft verliert und dann doch wieder zueinander findet. Sehr berührend und zart erzählt.
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