Hintersinniger Humor vom »Harald Schmidt Österreichs«:
Kabarettist und Bestseller-Autor Michael Niavarani präsentiert in dreizehn Kapiteln voller absurdem und herrlich schrägem Humor die Abenteuer des »Homo idioticus« – biografische Anspielungen nicht ausgeschlossen.
Ob nun Goethe und Schiller sich daran versuchen, Shakespeare zu inszenieren, oder ein Hosentaschenanruf zum Freundschaftskiller wird; ob ein König eine Reise zu Gott unternehmen oder ein südpazifischer Stammesführer die Klimakatastrophe abwenden will; ob eine Witwe partout nicht von der Leiche ihres Mannes lassen möchte oder ein Klassentreffen in einer Katastrophe endet; oder ob gar der Autor selbst versucht, mithilfe eines fetten Ritters Ophelias Selbstmord zu verhindern und wieder aus »Hamlet« herauszufinden – über allem schwebt die Frage: Ist das Leben nun eigentlich eine Komödie oder eine Tragödie?
Auf alle Fälle ist es höchst unterhaltsam!
Der österreichische Kabarettist und Bestseller-Autor Michael Niavarani ist bekannt für seinen schrägen Humor, den er auch in diesen dreizehn Kapiteln in allen Varianten funkeln lässt.
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Bei der Lektüre dieses Buches stand für mich schon recht bald fest, dass ich eine Rezension schreiben würde. Allerdings schwankte die Bewertung, die ich im Sinn hatte, zwischen einem und fünf Sternen. Sicher bin ich mir nach wie vor nicht.
Zuerst einmal zum Inhalt: Niavarani variiert hier ein Erzählschema, wie man es u.a. von Boccaccios Dekameron her kennt, oder auch von 1001 Nacht: In einer Rahmenhandlung treffen sich einige Personen, von denen eine oder mehrere die Geschichten (pro forma) erzählen, die den eigentlichen belletristischen Inhalt des Werkes bilden. In diesem Fall sind es der Autor und sein Nachbar, die sich in einer Sommernacht vor ihren Hütten am Neusiedler See treffen. Dort kommt man ins Plaudern über Gott und die Welt, und Niavarani erzählt im wesentlichen sechs längere, sagen wir, Texte; diese Bilden im Buch die Kapitel II, IV, VI, VIII, X und XII: Die erste Geschichte Agrippina, die Witwe von Ephesus variiert eine schwarzhumorige Erzählung aus Petronius Satyricon; die zweite Narrheiten handelt von der Beziehung zwischen einem Herzog von Ferrara und seinem Hofnarren, die dritte Um Gottes willen erzählt von einem Wiener der Gegenwart, der auf wundersame Weise zum Gott eines Südsee-Völkchens in Nöten wird; die vierte Der Doppelgänger transferiert eine mittelalterliche Legende in die Gegenwart; die fünfte Aus Liebe zu Shakespeare ist eher ein autobiographischer (?) Bericht, wie der Autor zum Shakespeare-Fan wurde, und die sechste Die letzten 24 Stunden nun, der Titel deutet es wohl schon an.
In den verbindenden Dialogen zwischen Autor und Nachbar (einem Friseur) werden diese Geschichten teils reflektiert, teils vertieft, teils erklärt, teils kritisiert, teils gedeutet.
Zum Positiven aus meiner Sicht: Form wie Inhalt der Texte an sich wie auch des gesamten Buches sind erfreulich unkonventionell und ungewöhnlich. Natürlich wäre solch ein Buch nie veröffentlicht worden, wenn sein Autor nicht eh schon prominent wäre; ich bin mir sicher, Verleger und Lektor haben bei der Lektüre entsetzt aufgestöhnt, und der Autor hat klammheimlich gegrinst. Es ist ein Buch, das in keine Schublade passt und wohl auch nicht passen soll. Es ist nicht zuletzt auch ein Buch über Bücher selbst, übers Lesen und Weitererzählen und Variieren von literarischen Motiven. Niavaranis Interessensspektrum ist dabei erstaunlich weit aufgefächert; es reicht von der Antike übers Mittelalter bis in die Gegenwart. Ein wichtiger Fixpunkt ist dabei Shakespeare, auf den man immer wieder zurückkommt.
Zum Negativen: Es drängte sich mir freilich auch oft der Eindruck auf, als wolle sich der Autor mit aller Macht von dem Spaßmacher-Image befreien, das ihm hier in Österreich zweifellos anhängt, v.a. dank seiner zahlreichen Bühnen- und TV-Auftritte. Seht her!, scheint Niavarani sagen zu wollen, Ich bin kein depperter Comedian; ich lese Shakespeare! Ich kenne mich mit klassischer Literatur aus!
Außerdem liegt angesichts des sehr heterogenen Charakters der sechs längeren Einzel-Geschichten der Verdacht nahe, dass diese unabhängig voneinander entstanden und für dieses Buch mittels des Erzählrahmens zu einer Art Potpourri vermengt wurden; eine Art literarische Restverwertung also von Texten, die irgendwann mal entstanden, für eine selbstständige Veröffentlichung aber nicht ausreichten. Das mag zutreffend sein oder nicht; der Eindruck drängt sich auf!
Letztendlich also eine über weite Strecken anregende, wenn auch manchmal anstrengende Lektüre. Mal was Anderes, nahrhaft und gaumenkitzelnd, wenn auch manchmal etwas überwürzt und ein Beigeschmack zurück bleibt.
Ein Trottel kommt selten allein
Bewertung aus St. Andrä-Wördern am 20.07.2017
Bewertungsnummer: 1035062
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Bin erst am Anfang aber es beginnt ganz gut. Eben Niavarani!
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