Words in Progress ist ein unfertiges Gedichtgedeck, das sich beim Lesen ständig neu zusammensetzt: Verse wandern, Kapitel verrutschen, Bedeutungen wachsen wie Pilze im Dunkeln. Künstliche Leser tauchen plötzlich auf, deuten, widersprechen oder verschwinden wieder. Düstere Ölmalereien beobachten das Ganze wie stumme Orakel. Ein Band, der sich selbst träumt. Zum Blättern, Schnuppern, Kauen oder Ausspucken
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Einführung in die Welt der Lyrik
Bewertung am 10.12.2025
Bewertungsnummer: 2674642
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich gehöre zu den Menschen, die normalerweise einen großen Bogen um Gedichtbände machen. Lyrik war für mich immer etwas, das entweder hochkompliziert daherkam oder so abstrakt war, dass ich mich ausgeschlossen fühlte. Words in Progress hat dieses Bild komplett auf den Kopf gestellt. Dieser Band ist – im besten Sinne – ein Türöffner für Leute wie mich, die eigentlich glauben, mit Gedichten nichts anfangen zu können.
Was mich sofort abgeholt hat, ist die Leserfreundlichkeit, ohne dass das Buch auch nur einen Moment an Anspruch verliert. Die Gedichte sind vielfältig, überraschend, zugänglich – manchmal verspielt, manchmal tief berührend, oft mit einer unerwarteten Wendung, die einen schmunzeln oder nachdenken lässt. Es fühlt sich an, als würden die Texte sagen: „Setz dich, lies mit, wir kriegen das zusammen hin.“
Und genau dabei helfen die Kommentare und Erläuterungen, die im Laufe des Buches wie kleine Wegmarken auftauchen. Sie sind unaufdringlich, freundlich, leicht verständlich, und vor allem: Sie erklären nichts tot. Statt fertige Antworten zu geben, öffnen sie Räume, zeigen Fährten, geben Denkanstöße. Für jemanden wie mich, der bei Lyrik oft unsicher ist, waren diese Hinweise Gold wert. Sie haben mich nicht belehrt, sondern begleitet – und plötzlich machte das ganze Lesen Spaß, weil ich mich orientieren konnte.
Auch die Illustrationen tragen enorm dazu bei, dass man in diese Welt hineingezogen wird. Sie sind mal düster, mal humorvoll, mal völlig surreal, aber immer atmosphärisch. Mir haben sie oft geholfen, schon vor dem Lesen des Textes eine Stimmung zu spüren, und nach dem Lesen noch einmal in die Tiefe zu gehen. Es ist fast so, als hätte jedes Gedicht sein eigenes Echo auf der Seite daneben.
Was mich besonders überrascht hat: die emotionale Bandbreite. Der Autor schreibt über Körper und Herkunft, über Verlust, Alltag, Machtstrukturen, Absurditäten und kleine Lebenswahrheiten – aber ohne Schwermut oder Selbstverliebtheit. Stattdessen findet man eine Mischung aus Humor, Ernst und Menschlichkeit, die mich wirklich berührt hat. Plötzlich war ich mitten drin in Gedanken, mit denen ich mich sonst nie beschäftigt hätte, weil sie in Gedichtform oft unzugänglich wirkten.
Für jemanden wie mich ist dieses Buch ein echter Glücksfall. Es zeigt, dass Lyrik nicht elitär oder unverständlich sein muss, sondern ein lebendiger Dialog zwischen Leser und Text sein kann – vorausgesetzt, man wird eingeladen mitzulesen. Words in Progress tut genau das.
Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal sagen würde: Dieses Gedichtbuch hat mir die Angst vor Gedichten genommen.
Und mehr noch: Es hat mir Lust gemacht, weiterzulesen, Neues auszuprobieren und dem Genre eine echte Chance zu geben.
Ein wunderbares Buch für alle, die glauben, Gedichte seien „nichts für sie“.
Ich lag falsch – und freue mich darüber.
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