Warum gilt es als Problem, gerne Mutter zu sein? InStolz und Zweifel widerspricht Marlen Hobrack dem vorherrschenden Narrativ der Mutterschaft als Überforderung, Verlust oder Rückschritt. Sie setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen, feministischen Deutungen auseinander, in denen Fürsorge, Abhängigkeit und Bindung vor allem als Defizite erscheinen, und fragt provokant: Was geht verloren, wenn Mutterschaft fast nur noch unter dem Vorzeichen von Verzicht und Scheitern erzählt wird?
Ohne zu idealisieren, aber mit Lust an der Zumutung, zeigt Hobrack Mutterschaft als Erfahrung von Verantwortung, Ambivalenz und Gestaltungskraft. Sie denkt Mutterschaft nicht als private Nische, sondern als gesellschaftlich relevante Praxis - und verteidigt das Recht, sie weder zu verklären noch bereuen zu müssen. Ein kluges, zeitdiagnostisches Plädoyer für Stolz und Zweifel, für Bindung und Selbstbehauptung, und dafür, dass Muttersein kein Makel sein darf. »Mutterschaft könnte als Gewinn begriffen werden - gerade, weil sie einen Preis hat. Sie könnte als gesellschaftsverändernde Macht begriffen werden. Als ultimativer Gestaltungswille. Wir könnten selbstbewusst sein, geraten jedoch in die Defensive.« Marlen Hobrack
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4/5
25.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutterschaft in der heutigen Zeit neu denken
In ihrer neuesten Veröffentlichung „Stolz und Zweifel. Eine Verteidigung der Mutterschaft“ widerspricht Autorin und Dreifachmutter Marlen Hobrack dem vorherrschenden Narrativ, dass Mutterschaft hauptsächlich Überforderung, Verzicht und Karriere bedeuten soll.
„Ich kann es niemandem verdenken, der nicht Mutter werden will in Anbetracht der Abhängigkeit der kindlichen Existenz. Muttersein, Mutter zu werden, ruft einem die schiere Ungeheuerlichkeit des Seins in Abhängigkeit vor Augen.
Vielleicht gab es eine Zeit, vielleicht gab es einen Ort, an dem das Muttersein zuerst und vor allem Glück verhieß. Oder ist das schon Utopie? Sagen wir es anders: Womöglich gab es Orte und Zeiten, in denen die Mutterschaft nicht zuallererst Zweifel, Einsamkeit, Erschöpfung und Selbstaufgabe bedeutete. Und wenn es sie nicht mehr gibt, diese Orte und Zeiten, was wäre dann zu tun, um mit voller Befriedigung, voller Glück vom Muttersein, der Mutterschaft sprechen zu können? Mmm, Mutterschaft – wo läge die Quelle ihres Glücks? Lustvoll, ja, stolz, nicht nur von der Mutterschaft zu sprechen, sondern mit ihr glücklich zu sein: Wäre das möglich?
Ich will von Stolz erzählen, von der Zufriedenheit, die das Leben als Mutter bedeutet. Ist das schon Zumutung? Vielleicht ist es das. Vielleicht mutet die Erzählung von Mutterschaft als Quelle von Stolz und Glück wie ideologische Verführung an. Ich bin eine Verführte, doch nicht von der Ideologie.“
Marlen Hobrack hinerfragt aktuelle, feministisch geprägte Diskurse wie z.B. „Regretting Motherhood“, in denen Fürsorge und Muttersein fast ausschließlich als Last oder persönlicher Verzicht gesehen werden. Ihr Buchtitel sagt es schon: Mütter haben ihrer Meinung nach das Recht auf Stolz UND Zweifel. Sie verteidigt das Recht, die intensiven Erfahrungen von Mutterschaft weder zu verklären noch bereuen zu müssen. Neben ihrer persönlichen Lebensgeschichte (zum ersten Mal sehr jung und alleinerziehend Mutter geworden, später mit Partner zwei weitere Kinder bekommen) bringt die Autorin zahlreiche gesellschaftliche und feministische Aspekte ein.
„Stolz und Zweifel“ ist ein Plädoyer für Bindung und Selbstbehauptung; ein Aufruf, Mutterschaft in der heutigen Gesellschaft nicht länger als Makel zu sehen, sondern neu zu denken.
„Zu den Herausforderungen des Buches für die Leser und Leserinnen wird gehören, dass meine Position politisch, feministisch und philosophisch schwer einzuordnen ist. Ich weiß um die Risiken, die diese mangelnde Einordbarkeit mit sich bringt: Man riskiert Anwürfe von allen politischen Seiten. Ich kritisiere den Feminismus als Feministin. Viele meiner Positionen sind sehr links, manche könnten als liberal verstanden werden. Andere sogar als konservativ. Ich habe dieses Buch geschrieben, um etwas aufzubrechen. Um den gegenwärtigen Diskurs des Mutterunglücks, der, wie ich glaube, sehr schädlich ist, zu zertrümmern. Wir müssen von vorn beginnen, Mutterschaft grundlegend neu denken; die Trümmer des Diskurses auflesen und das, was noch verwertet werden kann, neu zusammensetzen. […]
Mein Ziel ist nicht Zustimmung, sondern Verunsicherung. Eine Destabilisierung dessen, was wir über die Mutter, ihre Emanzipation und ihre Gefühle zu wissen meinen. Dieses Buch ist eine Aufforderung: Die Aufforderung, die Weinerlichkeit, das Selbstmitleid, die Opferrolle abzulegen und hemmungslos dem Genuss, oh ja, dem Genuss des Mutterseins zu frönen. Gerade weil wir zuvor die Mühen, das Tal der Tränen durchschreiten müssen. Und wenn Sie nun lachen, wenn Sie den Genuss in der Mutterschaft für unmöglich halten, dann sind Sie schon Teil des Problems, das es zu diskutieren gilt. Nur Mut. Es kann nur besser werden!“
Man muss meiner Meinung nach nicht allen Aussagen der Autorin zustimmen, um hier etliche interessante und kluge Denkanstöße zum Thema Mutterschaft und Fürsorge (Care Arbeit) zu bekommen.
Vielen Dank an den Harper Collins Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!
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