Im dritten Band der Trilogie erreicht Ragin endlich Roger in der benachbarten Enklave. Sein Hilferuf hat sie dazu gebracht, eine weite Reise zurückzulegen und es ist höchste Zeit, dass sie ankommt. Wie sie ist auch er in der Nähe wiederaufgebauter menschlicher Gemeinschaften aus dem Kälteschlaf erwacht. Sein gutes Herz und vielleicht auch seine Einsamkeit haben ihn dazu gebracht, sein Wissen und seine Technik zu teilen. Mit leider fatalen Folgen. Ragin wird Zeugin einer ungerechten Gesellschaft, in der Frauen den Männern ohne Chance unterworfen sind. Doch ihre Ankunft bleibt nicht wirkungslos und unbeabsichtigt bringt sie einen Stein ins Rollen, der zu einer Lawine zu werden droht.
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„Freiheit ist kein Märchen“ – Ein hoffnungsvoller, kluger Abschluss
Bewertung am 18.06.2026
Bewertungsnummer: 3171339
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Es gibt Bücher, die man nach den ersten Sätzen schon spürt. Nicht, weil sie mit einem Knall beginnen, sondern weil sie eine Klangfarbe haben, die einen sofort umfängt. Bei Anette Schaumlöffels „Die Kämpferin“ ist das so. Ich kannte die beiden vorherigen Bände nicht, und das war kein Hindernis – im Gegenteil: Es war ein Einstieg in eine Welt, die mich von Seite eins an gefangen genommen hat. Eine Welt, die fünfhundert Jahre nach dem Klimakollaps spielt, in der die Natur zurückgekehrt ist, aber der Mensch sich erneut die Frage stellt, wie er miteinander leben will.
Ragin, die Protagonistin, ist eine Kälteschläferin aus einer anderen Zeit. Sie erreicht in diesem dritten Band endlich ihr Ziel, doch was sie vorfindet, ist keine heile Welt, sondern eine Gesellschaft, in der Frauen den Männern unterworfen sind. Was folgt, ist kein simpler Rachefeldzug, sondern ein langsames, kluges Entwirren von Machtstrukturen – mit viel Herz, aber ohne Kitsch. Schaumlöffel erzählt nicht laut, sondern leise, aber mit einer Eindringlichkeit, die unter die Haut geht.
Besonders beeindruckt hat mich die Figur der Selma, einer blinden alten Frau, die das Wissen ihrer Gemeinschaft nicht in Büchern, sondern in gehäkelten Tüchern bewahrt – eine wunderbare Metapher für Erinnerungskultur jenseits der Schrift. Die Szene, in der sie Ragin erklärt, dass jedes Knötchen im Stoff eine Botschaft trägt, gehört zu meinen Lieblingsmomenten: leise, klug und voller Weisheit.
Die Handlung zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, ohne zu straucheln. Die Spannung entsteht nicht durch laute Action, sondern durch die ständige Bedrohung, die von den Machthabern ausgeht, und durch die leisen, aber entschlossenen Schritte der Frauen, die sich ihre Freiheit zurückerobern. Schaumlöffel gelingt es, eine Dystopie zu zeichnen, die nicht hoffnungslos ist, sondern im Gegenteil: Sie zeigt, dass Veränderung möglich ist, wenn Menschen zusammenstehen.
Der Schreibstil ist klar, prägnant, mit einem feinen Gespür für Atmosphäre und einem trockenen Humor, der die Ernsthaftigkeit nie untergräbt, aber auflockert. Ich konnte das Buch sehr flüssig lesen – es ist kein Buch zum Überfliegen, aber eines, das einen trägt.
Eine Verfilmung als Mini-Serie wäre nicht nur möglich, sondern wünschenswert – die Bilder, die Schaumlöffel entwirft, sind so lebendig, dass sie geradezu nach einer visuellen Umsetzung verlangen. Die Kargheit der Ödnis, die Wärme der Frauengemeinschaft, die bedrohliche Pracht der Herrenhäuser – das alles hat filmische Qualität.
Ich vergebe 5 Sterne (aufgerundet von 4,5), weil dieses Buch mich auf eine Weise berührt hat, die ich nicht erwartet hatte. Es ist kein perfektes Buch – es gibt Momente, in denen die Handlung ein wenig zu geradlinig wirkt, und der eine oder andere Nebencharakter hätte noch tiefer gezeichnet sein können. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.
Was zählt, ist das, was bleibt: die Hoffnung, die Klugheit, die leise Wut und die große Liebe zu einer Welt, die besser sein könnte. Schaumlöffel schreibt nicht für den schnellen Konsum, sondern für die Seele. Und das ist selten geworden.
Fazit: Ein hoffnungsvoller, kluger Abschluss einer Trilogie, der auch ohne Vorkenntnisse funktioniert – und der mich dazu gebracht hat, die ersten beiden Bände nachzuholen. Uneingeschränkte Leseempfehlung.
Spannender und gelungener Abschluss der Trilogie um die Welt nach dem Klimakollaps
carola1475 am 05.04.2026
Bewertungsnummer: 3099964
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zu Beginn des dritten Bandes der Trilogie wird Ragin mehr tot als lebendig aus einem Brennnesselfeld gerettet und wacht in einer Hütte im Wald auf. Wie es dazu gekommen ist, erfahre ich auf einer zweiten Zeitebene, als Ragin sich an die Ereignisse seit ihrem Treffen mit Roger erinnert, nachdem sie seinem Hilferuf gefolgt war.
Nach dem Erwachen aus ihrem 500jährigen Kälteschlaf hat Ragin in der vorher besuchten Enklave 7 Gemeinschaften kennengelernt, in denen geteilt und einander unterstützt wird, aber hier in Enklave 5 ist etwas schief gelaufen. Es gilt das Recht des Stärkeren und Frauen werden von Männern unterdrückt und versklavt. Diese gesellschaftliche Fehlentwicklung wird nachvollziehbar geschildert, Rückblicke geben Hinweise auf die Vergangenheit Ragins und der Welt. Die Figurenzeichnung ist gelungen, die verschiedenen Charaktere sind glaubhaft und haben durch ihre Geschichte Tiefe. Ich teile Ragins Gefühle und Gedanken und habe oft über die Katze Alice geschmunzelt, Ragins Gefährtin, die ihr auch Vorbild und Trost ist.
Anette Schaumlöffel schreibt klar, lebendig und humorvoll. Sehr spannend ist die Geschichte durch die zunächst wechselnden Zeitebenen und die Frage, ob die Fehlentwicklung in Enklave 5 korrigiert werden kann.
Das Märchen im Anhang hat einen Bezug zur Handlung und zeigt, wie Informationen nur mündlich an nachfolgende Generationen weitergegeben werden und das Nachwort ermuntert dazu, unsere Sicht zu erweitern, uns nicht selber zu begrenzen in den Möglichkeiten unseres Zusammenlebens in der Zukunft. Veränderungen sind möglich, neue Gemeinschaften können auf verschiedenen Wegen entstehen, es braucht nur Mut.
Mir hat dieser dritte Teil der Trilogie 'In einem Land nach unserer Zeit' noch besser gefallen als die Vorgängerbände, er ist sehr spannend, ein gelungener Abschluss und stimmt in unserer aktuell eher düsteren Zeit optimistisch.
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