Das Letzte, woran sie sich erinnert, ist ein Doppeldeckerbus, den niemand sonst gesehen hat. Als Saga nach einem epileptischen Anfall mitten auf dem Bürgersteig wieder zu sich kommt, ist ihr dreijähriger Sohn verschwunden, und die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwimmen. In den folgenden Tagen plagen Saga immer größere Zweifel, beinahe scheint sie sich aufzulösen, ihr fehlen Erinnerungen und das Vertrauen in sich und die Welt um sie herum. Ein bewegender Roman über eine Mutter, die sich neu verorten muss in der Welt und über eine Familie, die sich und das Puzzle ihrer Vergangenheit Stück für Stück wieder zusammensetzen muss.
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Großes Beben ist der erste Roman, den ich von Audur Jónsdóttir gelesen habe.
Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Btb Verlag & Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.
Meine Meinung
Seit vielen Jahren bin ich mittlerweile schon großer Fan von isländischer Spannungsliteratur, hingegen bin ich auf dem Gebiet der Romane isländischer Autoren noch recht unbelesen. Als ich dann dieses Buch zufällig in der Vorschau gesehen habe, war ich direkt neugierig. Und da ich den Klappentext sehr ansprechend finde, durfte es bei mir einziehen.
Und wie es sich für einen richtig guten Roman gehört, darf auch in Großes Beben die Spannung nicht fehlen.
Der Ausgangspunkt der Geschichte ist sehr interessant und hab ich so auch noch nicht gelesen. Natürlich ist die Geschichte allein schon wegen der Landschaft sehr atmosphärisch, und auch die Charakterzeichnung finde ich sehr gelungen.
Man muss sich auf die Geschichte einlassen, aber wenn man das tut, bekommt man eine ganz besondere Geschichte geboten.
Fazit
Mir hat Großes Beben wirklich sehr gut gefallen, und ich bin mir sicher, dass wir von der Autorin noch einiges hören werden.
Ansprechendes Buch über Epilepsie, Gedächtnisverlust & Familiengeheimnisse
Lia48 am 18.02.2023
Bewertungsnummer: 1882633
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
INHALT:
Saga kommt nach einem epileptischen Anfall auf dem Bürgersteig wieder zu sich.
Panisch stellt sie fest: Ihr Sohn ist weg!
Auf die Frage eines Passanten, wie alt er denn sei, weiß Saga keine Antwort.
Sie erinnert sich nur daran, wie sie zuletzt seine kleine Hand gehalten und gemeinsam mit ihm den vorbeifahrenden Doppeldeckerbus bestaunt hatte.
Doch besagten Bus hat niemand gesehen. Solche Busse soll es hier anscheinend gar nicht geben.
Und plötzlich kann sich Saga an so viele Dinge in ihrem Leben nicht mehr erinnern.
Sie hat vergessen, dass Bergur nicht mehr bei ihr wohnt. Warum haben sie sich getrennt? Was ist geschehen?
Und was hat es damit auf sich, dass ihre Mutter verschwindet? Was ist früher geschehen?
Saga merkt, dass mit ihrem Gedächtnis etwas nicht stimmen kann. Realität, Träume, Erinnerungen und Vorstellungen scheinen sich immer öfter zu vermischen.
Was ist wirklich geschehen?
Wer ist sie?
„Ich weiß, dass ich mehr weiß, als ich glaube zu wissen; (…) der Knoten in meinem Bauch krampft sich zusammen. (…) Ich kämpfe mit der Taubheit in meinem Kopf, (…) so panisch, dass ich mein Herz hämmern höre, laut und schnell, ich muss bestimmt sterben.“
MEINUNG:
Bisher habe ich mich weniger mit epileptischen Anfällen beschäftigt. Hier im Buch werden zumindest einige der Beschwerden und Auswirkungen, die man dabei haben kann, für Lesende deutlich. Für mein Empfinden hätte das Buch hier gerne noch mehr in die Tiefe gehen können.
Trotzdem fand ich das Thema sehr spannend, um sich mal ein Stück weit in Betroffene hineinzuversetzen zu können.
Zudem hat die Protagonistin anschließend mit ausgeprägtem Gedächtnisverlust zu kämpfen. Saga setzt alles daran, dass die Leute um sie herum, nicht mitbekommen, wie viel sie tatsächlich vergisst, bzw. vergessen hat – sie sollen sich nicht noch mehr Sorgen um sie machen.
Es muss schrecklich sein, wenn man sich plötzlich an die einfachsten Dinge im Leben nicht mehr erinnern kann! Sie tat mir hier richtig leid. Und gleichzeitig habe ich gehofft, dass sie ein Stück Verantwortung für ihren Sohn abgibt und Unterstützung bekommt, um den Jungen nicht in Gefahr zu bringen.
Außerdem steht eine Familiengeschichte mit im Fokus. Plötzlich verschwindet die Mutter von Saga. Doch warum? Was hat es mit ihrer Vergangenheit zu tun?
All das weiß die Protagonistin selbst nicht, da ihr Gedächtnis es ausblendet.
Manchmal hätte ich sie gerne geschüttelt und ihr zugerufen, sie solle endlich den Mund aufmachen und anderen mitteilen, wie es ihr tatsächlich geht!
Auf mich wirkt die Geschichte gut durchdacht und interessant aufgebaut. Dadurch, dass sich die Protagonistin irgendwann selbst nicht mehr über den Weg traut, ist man dauernd am Miträtseln, was passiert sein könnte. Es bleibt spannend und geheimnisvoll, da man sich nicht sicher sein kann, inwieweit man den Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen, Träumen und Erlebnissen der Protagonistin Glauben schenken kann, da sich alles miteinander vermischt.
„Kann ich mich, so wie die Dinge liegen, überhaupt auf mein Gespür für andere Menschen verlassen? Bei der Frage legt sich wieder Raureif auf meine inneren Organe, gefrorenes Efeu schnürt mir das Herz zu. Habe ich mir die Ereignisse der letzten Tage zum Teil nur eingebildet?“
Das hat mich etwas an die Bücher von Banana Yoshimoto erinnert, deren Stil ich auch ganz gerne mag. So wird von der lesenden Person erwartet, selbst alles einzuordnen. Vor allem gegen Ende hätte ich mir jedoch noch etwas mehr Klarheit erhofft.
Außerdem hätte man das I-Wort und hin und wieder die Betonung auf den Brüsten weiblicher Figuren, weglassen können.
Sonst hat mir das Buch aber gut gefallen, auch der Schreibstil hat mir überwiegend sehr zugesagt.
FAZIT: Ein Buch, welches Themen wie Epilepsie, Gedächtnisverlust und Familiengeheimnisse gekonnt miteinander vereint. Eine sehr ansprechende Kombination, die mir gut gefallen hat.
Gegen Ende blieb es mir etwas zu verschwommen. Trotzdem ist es meiner Meinung nach ein Buch, das deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hat! 4-4,5/5 Sterne!
(CN: u. a. Epilepsie, Gedächtnisverlust, häusliche Gewalt & se*ueller Missbrauch – mehr möchte ich nicht nennen, um nicht zu sehr zu spoilern.)
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