Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
07.12.2026
Verlag
Ça-ira-VerlagSeitenzahl
242
Maße (L/B)
20,8/14 cm
Gewicht
400 g
Auflage
1
Originaltitel
juifs et arabesÜbersetzt von
Christoph Hesse
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-86259-112-1
Der einer jüdischen Familie in Tunis entstammende Schriftsteller und Essayist gilt außerhalb Deutschlands – neben Frantz Fanon als dem Ahnherrn des heutigen Postkolonialismus – schon lange als einer der prominentesten theoretischen Begleiter der Dekolonisierung. Memmi hat durch seine Reflexion auf die Dialektik von Kolonisator und Kolonisiertem auch die widersprüchlichen Entwicklungen des Prozesses der Dekolonisierung nie ausgespart und reflektierte in seinen Auseinandersetzungen stets darauf, welche Bedeutung dieser für die Juden der arabischen Welt hatte. Es sollte bald schon deutlich werden, dass der explizit muslimisch-arabische Nationalismus, der sich parallel zur Dekolonisierung in den arabischen Ländern entwickelte, auf die zunehmende Diskriminierung der Juden hinauslief und nach dem Sechstagekrieg im Juni 1967 in offen antisemitischen Übergriffen gipfelte.
Memmi hielt in seinem spannungsreichen Selbstverständnis als »arabischer Jude und linker Zionist« stets am universalen Grundsatz antikolonialer Kritik fest. Er bestreitet keinesfalls die Kolonisierung der Araber durch europäische Mächte, aber insistiert darauf, dass die Juden nie als gleichberechtigter Teil der antikolonialen Emanzipationsbestrebungen anerkannt wurden. In den arabischen Ländern wurden die Juden von den einstigen Kolonialisierten – und das lange vor dem Entstehen der zionistischen Bewegung – beherrscht, gedemütigt und verfolgt. Nicht nur wird dies von der antikolonialen Linken bis heute verdrängt, auch wurde der Zionismus von dieser als Kolonialbewegung gebrandmarkt und bekämpft.
Beim vorliegenden Band handelt es sich um ein Stück schmerzlich »formgewordener Erfahrung« (Jean-Paul Sartre); er versammelt Essays und Streitschriften aus dem Jahrzehnt nach dem Sechstagekrieg erstmals auf Deutsch. Gerade in seiner Unzeitmäßigkeit reflektiert Memmis Juden und Araber auf die verdrängten, inneren Widersprüche der Dekolonisierung, die Selbstzerstörung der Linken und die Notwendigkeit der Parteinahme für Israel.
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