Zeitgeist und Christentum Der Krisenbegriff in der Zeitschrift 'Die Christliche Welt' (1886/7-1918)
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- Deutsch ausgewählt
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum
30.09.2026
Verlag
Mohr SiebeckSeitenzahl
290
Maße (L/B)
23,2/15,5 cm
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-16-200335-5
Marieluise Sonnemeyer widmet sich der Erforschung des Kulturprotestantismus als religionskulturelles Sozialphänomen. Das Medium der Zeitschrift ist nur vereinzelt Gegenstand von Analysen in der systematischen Theologie. Dabei sind Zeitschriften Seismografen ihrer Zeit. Sie fangen Stimmen ein, äußern Wahrnehmungen und kommentieren das Zeitgeschehen. An dieses Forschungsdesiderat knüpft die Autorin an: Sie untersucht die Zeitschrift ‚Die Christliche Welt' (ChW) vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Der Krisenbegriff dient dabei als analytisches Instrument, um Transformationsprozesse und die Selbstdeutungen des Milieus der ChW zu erfassen. Es zeigt sich, dass in Zeiten allgemeiner Verunsicherung das Bedürfnis nach Orientierung und Deutung der Gegenwart steigt, so auch ab der Jahrhundertwende. Die Krisendiagnosen der ChW greifen diese paradoxen Stimmungen auf und deuten sie systematisch als Krise. Die unterschiedlichen Diskurse führen zu einer stärkeren Positionierung der Zeitschrift. Besonders deutlich wird die theologische Ausrichtung der Zeitschrift in den entwickelten Bewältigungsstrategien. Das darin zum Vorschein tretende Selbstverständnis betont den reformatorischen Freiheitsgedanken, die individuelle Gottesbeziehung und das religiöse Gefühl. Religion wird als zentraler Bestandteil von Persönlichkeits- und Kulturbildung verstanden. Während das Selbstverständnis zunächst von der Theologie Ritschls geprägt war, gewinnt nach dem Jahrhundertwechsel die Religionsgeschichtliche Schule an Einfluss. Die Auseinandersetzung mit mystisch-synkretistischen Weltanschauungen führt zu einer Betonung der subjektiven Innerlichkeit. Die daraus resultierende individualisierte Religionspraxis stellt akademische und kirchliche Autoritäten infrage. Der Erste Weltkrieg markiert eine Zäsur in den Krisendiskursen der ChW.
Die Autorin bietet eine umfassende Reflexion über die Wahrnehmung, Interpretation und Bewältigung von Krisen im Milieu der ChW. Sie beleuchtet nicht nur historische Krisendiskurse, sondern zeigt auch deren Relevanz für gegenwärtige Diskussionen auf, ohne eine künstliche Verbindung zwischen dem frühen 20. Jahrhundert und der Gegenwart zu erzwingen. Vielmehr können anhand der Analyse Strukturelemente herausgearbeitet werden, die aufschlussreich für die gegenwärtige Debattenkultur sind.
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