Judith Raupp lebt und arbeitet als freie Reporterin und Medientrainerin seit 15 Jahren in Goma im Ostkongo. In ihrem packenden Buch nimmt sie uns mit zu den Menschen dort, die ihre Lebenslust und ihren Erfindungsreichtum der Gewalt, der Willkür und dem Elend entgegensetzen. Wir gehen mit ihr auf Hochzeiten und Beerdigungen, besuchen den Friseur, die Universität, Amtsstuben und Freunde im Gefängnis, erleben Verhöre beim Geheimdienst, Razzien, Krieg, Ebola und Covid. Sie gibt uns einzigartige Einblicke in die Politik und in den Alltag im Kongo, dessen koloniales Erbe schwer auf dem Land lastet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Yvonne
aus Frankfurt am Main
5/5
11.07.2026
eBook (PDF)
Aus dem Leben im Kongo, in spannender Weise erzählt
Die Autorin schreibt über ihr Leben im Kongo. Das erzählt sie so spannend, in einer unaufgeregten Weise, dass man als Leser förmlich an dem Buch hängt. Dabei berichtet sie von den vielen Missständen, von Krieg, Vergewaltigung von Frauen, Krankheiten, Armut, Korruption, aber auch von heiteren Begebenheiten, einfach von dem Leben und den Menschen im Kongo. Durch das Buch habe ich das Gefühl, sie wirklich begleitet und jetzt einen Einblick in dieses Land, seine Bevölkerung und seine Gedanken erhalten zu haben. Sie erzählt dabei zu keinem Zeitpunkt mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern berichtet einfach, so dass man sich als Leser seine Gedanken machen und eigene Emotionen haben kann und das tut man. Mich hat das Buch sehr stark bewegt, ich habe es unbedingt lesen wollen, als ich es entdeckt habe, damit ich mehr über den Kongo weiß und ich empfehle es jedem Leser, der sich für das Land und das Leben dort interessiert und dazu aus erster Hand lesen möchte.
Almut Scheller-Mahmoud
aus Hamburg
5/5
25.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Je me débrouille:_ ich schlage mich so durch
Das ist eine gängige Antwort im Ost-Kongo auf die Frage : wie geht es Dir? Da folgen norma-lerweise keine großen Lamenti über das eigene Befinden wie bei uns in Deutschland. Es ist aber auch keine resignative Antwort, sondern einfach eine Akzeptanz des Jetzt-Zustandes, durchsetzt von der Gewissheit, dass niemand allein ist, dass irgendwo irgendwie irgendwann immer jemand da ist, der hilft.
Das ist für mich die Quintessenz dieses Buches. Dass in einem der reichsten und zugleich ärmsten Länder der Welt ein hilfsbereiter Gemeinsinn herrscht, dass zu helfen eine Selbstver-ständlichkeit ist, selbst bei Gefahr für das eigene Leben.
Diese Menschlichkeit ist beeindruckend, ja, überwältigend, trotzt sie doch allen Kriegen, Massakern, Gemetzeln, die im Kongo fast zur Tagesordnung zählen und das seit Jahrzehnten. Sie trotzt auch der landesüblichen Korruption, die bis ins kleinste gesellschaftliche Glied reicht.
Beeindruckend dann auch, dass eine weiße Frau ihren gut dotieren Job als Journalistin aufgibt, um dort künftige Kollegen auszubilden. Und dass diese weiße Frau, die Autorin, der Faszination des Landes erliegt: der Mitmenschlichkeit, der einzigartigen Landschaft. Und so trotzt auch sie den widrigen Umständen, denn auch sie wird von Korruption und Willkür heimgesucht, auch sie wird natürlich nicht dem Erleben von Morden, Vergewaltigungen, Plünderungen entgehen und sei es als Randfigur. Bewundernswert, dass Judith Raupp geblieben ist, nicht zurück ins sichere, saturierte, aus dortigen Sicht fast beschauliche Europa zurück ging. Der (Ost)-Kongo mit seinen Menschen ist Heimat geworden.
Judith Raupp lässt uns unprätentiös an ihrem Leben im Ost-Kongo teilnehmen, dem beruflichen wie dem privaten, gewährt Einblicke in die Arbeit von NGOs und dem Leben der Kongolesen. Denn allen Widrigkeiten des Alltags und bellizistischer Ausschreitungen dieser oder jener ˘Miliz zum Trotz werden auch hier Feste gefeiert: Hochzeiten, Geburten und Taufen, Geburtstage. Ausgelassen und fröhlich. Den martialischen anstrengenden Alltag vergessend. Je suis là -ich bin da. Schicksalsergebenheit, Dankbarkeit, Zuversicht. Denn die Familie im Hintergrund ist fast heiliger Nukleus.
Eingeflochten in ihre tägliche Arbeit, ihre täglichen fahrradlichen Wege durch die Stadt ist die Geschichte des Kongo, speziell des Ost-Kongo. Leider wird die einst große Hoffnung des Landes, Patrice Lumumba, Vorkämpfer der Unabhängigkeitsbewegung und erster Premierminister, nicht erwähnt und demnach auch nicht, dass er durch die Unterstützung der USA und Belgiens ermordet wurde. Vielleicht wäre der Kongo dann nicht in die Korruption und Gewalt abgedriftet. Vielleicht wären die Traumata zu heilen gewesen. Die Traumata der Menschen eines Landes,
das durch Leopold II von Belgien als sein Privatbesitz betrachtet wurde und der alle Türen für Ausbeutung und Grausamkeit öffnete, nicht zuletzt dank der von Bismarck einberufenen Berliner Kongo-Konferenz 1884/1885.
Noch immer verbindet sich mit Afrika „Das Herz der Finsternis“. Judith Raupp zeigt uns aber, dass es neben dieser Finsternis soviel menschliche Helligkeit gibt, dass man diese fast zu einem Exportartikel stilisieren könnte.
Je suis là - ich bin da.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
02.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Die Menschen im Land
Schon als Jugendliche hatte ich den Wunsch, irgendwann einmal für Ärzte ohne Grenzen im Ausland zu arbeiten. Andere Länder, andere Mentalitäten, andere Menschen und ihre Lebensrealitäten haben mich immer schon sehr interessiert und fasziniert. Vielleicht hat mich das Buch genau deshalb so sehr angesprochen. Es hat meine Erwartungen sogar übertroffen.
Judith Raupp war früher als Berichterstatterin für die SZ tätig und hat sich die Fähigkeit bewahrt, die richtigen Fragen zu stellen und nicht alles als gegeben hinzunehmen. Sie beschreibt in ihrem Buch sehr eindrücklich ihre Erfahrungen, aber vor allem auch ihre Denk- und Lernprozesse. Sehr beeindruckend ist, wie sie den Menschen begegnet und versucht wirklich zu verstehen, was die Menschen bewegt, was ihnen Sorgen bereitet und wie man sie zur Selbsthilfe befähigen kann. Dabei verschweigt sie weder Krieg, Gewalt und Armut, noch die Hoffnung und die Herzlichkeit der Menschen, denen sie begegnet.
Immer wieder erzählt sie von Erlebnissen, die schwer auszuhalten sind. Gerade diese eindrücklichen Geschichten haben mir vor Augen geführt, wie unfassbar anders der Alltag vieler Menschen im Kongo ist. Sie berichtet nicht um zu Schockieren oder aus Sensationsgier, sondern um den Menschen eine Stimme zu geben und erzählt ihre Geschichten durchweg mit großem Respekt.
Besonderes beeindruckt hat mich ihre Aussage, dass sie bei einem Kriegsausbruch einmal geflohen ist, sich aber geschworen hat, dies kein zweites Mal zu tun, weil die Menschen sie gerade in solchen Momenten am meisten brauchen. Hinzu kommt, dass sie dort inzwischen tiefe Freundschaften geschlossen hat.
Dieses Buch ist für mich unglaublich wertvoll. Es hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig Menschen sind, die genau hinschauen und auf ganz unterschiedliche Weise humanitäre Hilfe leisten. Ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen.
Vielen Dank an C.H.Beck und NetGalley für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt selbstverständlich unabhängig und unbeeinflusst
S. L.
aus Berlin
4/5
11.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Im Kongo
Was veranlasst eine Journalistin, eine gut bezahlte Stelle in der sicheren Heimat aufzugeben und in ein Krisengebiet im Kongo zu reisen? Judith Raupp tut genau das und verfasst einen emotionalen Bericht über ihre Erlebnisse, Erfahrungen, über Kriminalität, Korruption und Gier. Sie hält sich nicht an die Empfehlung ihrer Vorgesetzten, neutral zu bleiben. Tagebuchartig beschreibt sie Partei ergreifend das alltägliche Leben. Allerdings lernt sie auch gute und zuverlässige Freunde kennen, die engagiert für ihre Heimat und die dortige Bevölkerung eintreten. Man erfährt so Einiges über Sitten und Gebräuche ( Brautpreis, Unterricht für angehende Eheleute, Verhalten bei Vulkanausbrüchen, Bestattungen), Hilfsbereitschaft, gegenseitigen Beistand. Und über die Arbeit von Hilfsorganisationen. Deren Geldverschwendung sie nicht mitmachen möchte, auch unkorrekte Anrechnungen moniert sie nach Kräften.
Die Konflikte im Land spitzen sich zu, Mord, Gewalt, Willkür, Erpressung häufen sich.
Überleben ist eine Kunst. Allerdings können einige ganz gut leben.
Der Buchtitel ist Galgenhumor, lustig ist hier gar nichts.
Wer die Ereignisse im Kongo aus ungeschönter und sachlicher Sicht beschrieben haben möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Es ist eine bewegende und beeindruckende Schilderung einer mutigen Frau, die aus eigenem Erleben berichtet.
Als Ergänzung ist eine informative Chronik zur Geschichte des Kongo angehängt.
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