Die Demokratie steckt weltweit in einer tiefen Krise. Die Zahl der Protestwähler steigt, Populisten erstarken, traditionelle Parteiensysteme kollabieren. Der renommierte Politologe Yascha Mounk untersucht diesen alarmierenden Zustand, der zwei Muster erkennen lässt: Entweder werden wie in den USA, Ungarn, Polen und der Türkei Demagogen ins Amt gewählt, die die Rechte von Minderheiten mit Füßen treten, oder eine Regierung verschanzt sich, freiheitliche Rechte garantierend, hinter technokratischen Entscheidungen – und verliert wie in Deutschland, Großbritannien und Frankreich zunehmend an Volksnähe. Klar und deutlich erklärt Mounk die komplexen Gründe und Mechanismen, die die Demokratie zu Fall bringen können. Er benennt Maßnahmen, um bedrohte soziale und politische Werte für die Zukunft zu retten. Dazu gehört, eine breite Koalition gegen Populisten aufzubauen, die Unabhängigkeit der Justiz und Presse zu verteidigen, die Teilhabe der Bevölkerung an politischen Prozessen zu stärken, die soziale Ungleichheit zu bekämpfen – und vor allem die persönliche Komfortzone zu verlassen, um sich im Sinne der Demokratie politisch zu engagieren. Eine brillante und aufrüttelnde Analyse unserer politisch aufgeheizten Gegenwart.
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Doppelte Bedrohung durch illiberale Demokratie und undemokratischen Liberalismus Nach dem Buch von Levitsky: „Wie Demokratien sterben“ ist dies das zweite zu diesem Thema. Es lohnt sich, denn während Levitsky doch sehr in Amerika verhaftet bleibt, stellt Mounk die These auf, dass die Demokratie gleich von zwei Seiten bedroht wird. Zum einen sind es illiberale Demokratien wie in Polen und Ungarn, die die Mehrheit der Wähler an der Urne bekommen haben, aber die Rechte der Minderheiten und die freie Meinungsäußerung sehr einschränken. Auch der Volksentscheid in der Schweiz, der Minarette verbietet, wird genannt. Diese Initiative entstand erst nachdem die Schweizer Gerichte in einer kleinen Stadt im Aargau ein Minarett gegen den Willen des Gemeinderats erlaubt hatten. Andererseits wird die Demokratie dadurch bedroht, dass immer mehr internationale Verträge die Entscheidungsfreiheit der Abgeordneten einschränken. Außer in den Niederlanden gibt es mittlerweile in jedem Land die „Normenkontrollklage“, das Recht neue Gesetze überprüfen zu lassen, ob sie nicht Minderheiten benachteiligen. Wäre das Buch neuer, wäre auch die Entscheidung des Europäischen Rats Ursula von der Leyen zur Präsidentin zu machen, obwohl sie keine Spitzenkandidatin war, ein Beispiel für eine bürokratische und undemokratische Wahl. Ganze Bereiche wie die Zentralbanken entziehen sich der demokratischen Kontrolle. Auch die Lobbyarbeit nimmt immer mehr zu, so dass der Abgeordnete seine Entscheidung nicht mehr aufgrund der Mehrheitsmeinung trifft. Dies führt dazu, dass das Interesse an der Politik in der Bevölkerung immer weiter sinkt und das Demokratieverständnis schwindet. Am Beispiel Polen zeigt der Autor, welche Frühwarnsignale die Politologen übersehen haben. In Polen gab es immer schon eine große Anzahl derer, die sich einen autoritären Führer wünschen. Im zweiten Kapitel benennt er die Ursachen der Demokratiekrise. Soziale Medien erlauben jedem seine Meinung mit anderen zu teilen und konnten während des arabischen Frühlings zu demokratischen Zwecken genutzt werden, aber eben auch zu undemokratischen. Nach dem Krieg wuchs die Wirtschaft, heute geht es nur jedem zweiten Kind wirtschaftlich besser als seinen Eltern im gleichen Alter, Abstiegsängste entstehen. Drittens waren die Staaten Europas nach dem Krieg homogen, während die Zahl der Migranten vor allem in den letzten Jahren zunahm. Auch in Amerika lässt sich beobachten, dass auch demographisch bedingt der Einfluss der weißen Wähler schwindet. Allerdings haben sowohl die Republikaner als auch die AfD ihre Hochburgen in ländlichen Gebieten, wo es kaum Ausländer gibt. Ein möglicher Grund ist, dass die zweite Migrationswelle durch den Kontakt mit anderen ethnischen Gruppen weniger Ängste verursacht als die erste. Das letzte Kapitel untersucht die Gegenmittel. Es nennt 4 Punkte: 1. Einigkeit der Opposition (z.B. scheiterten viele kleine linke Parteien in Polen am Einzug ins Parlament) 2. die Sorgen der einfachen Leute ernst nehmen. 3. positive Botschaften entwickeln 4. nicht zufrieden sein, mit der illiberalen Regierung Gegen den Nationalismus wünscht sich der Autor einen inklusiven Patriotismus, so wie Macron die Einwohner Marseilles als Franzosen lobt. Zur Sanierung der Wirtschaft wünscht er sich zur Vermeidung von Ungleichheit die Beseitigung von Steuerschlupflöchern, den Bau von Sozialwohnungen und zur Steigerung der Produktivität mehr Ausgaben in Forschung und Bildung. Bildung ist es auch, was bei der Nutzung der sozialen Netzwerke hilft. Im Schlusswort schreibt er noch, dass er die Gelassenheit der Stoiker gerne hätte, wenn es um die Auswirkungen und die damit verbundenen Ängste seines Handels geht. Nur wenige Wiederholungen, deswegen noch 5 Sterne
Sensationell, Antwort auf viele Fragen !
Bewertung aus Dötlingen am 06.03.2018
Bewertungsnummer: 1087829
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Ein wirklicher Kosmopolit schreibt über das wohl wichtigste politische Problem der Gegenwart. Mit viel soziologischer und politischer Kenntnis schreibt Yascha Mounk über das weltweite Aufkommen der "neuen" Rechten. Mit dem profunden Hintergrund eines in Harvard Lehrenden hat er mir außerordentlich geholfen, diesem Problem näherzukommen. Eines der ganz großen Vorteile dieses Buches ist seine Sprache. Ein Könner schreibt in einem ,auch für den nicht wissenschaftlich in der Politik vorgebildetetn Leser, Stil, der begeistert.
Ein tolles empfehlenswertes Buch und eine gutes Geschenk für viele Zwecke. Unbeding lesen.
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