Tausend Monde

Sebastian Barry

(2)
Die Leseprobe wird geladen.
eBook
eBook
15,99
15,99
inkl. gesetzl. MwSt.
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar
Sofort per Download lieferbar
Sie können dieses eBook verschenken  i

Weitere Formate

gebundene Ausgabe

24,00 €

Accordion öffnen

eBook (ePUB)

15,99 €

Accordion öffnen

Beschreibung

»Könnte sein, dass ich von Dingen rede, die sich 1873 oder 1874 im Henry County, Tennessee, zugetragen haben, doch was Daten betrifft, war ich noch nie verlässlich. Und falls sie sich zugetragen haben, gab es zu der Zeit keine wahrheitsgetreue Darstellung. Es gab nackte Tatsachen und eine Leiche, und dann gab es die wahren Ereignisse, die niemand kannte. Dass Jas Jonski getötet wurde, war die nackte Tatsache.«- Während der sogenannten Indianerkriege haben die beiden Unionssoldaten Thomas McNulty und John Cole ein Lakota-Mädchen adoptiert, und es Winona genannt. Und es ist Winona, die hier erzählt: von Jas Jonski, ihrer ersten Liebe und vielleicht ihrem Vergewaltiger, von ihrer Kindheit bei ihrem Stamm; davon wie es war, bei den Männern aufzuwachsen, die ihre Familie getötet haben könnten und die sie doch so sehr liebt; davon wie es ist, für die einen etwas Goldenes, für die anderen aber ein Nichts zu sein; von der Farm, wo sie mit Thomas und John, mit Lige Magan und den befreiten Sklaven Rosalee und Tennyson eine neue Familie gefunden hat. Eine bedrohte Idylle, denn nach dem verlorenen Bürgerkrieg hungert der Süden, auf den Banken ist kein Geld, die Rebellen wittern ihre Chance - und durchs Land ziehen Männer mit Kapuzen, vor denen nicht einmal die Weißen sicher sind.

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Ja i
Family Sharing Ja i
Text-to-Speech Nein i
Seitenzahl 256 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 09.09.2020
Sprache Deutsch
EAN 9783958298170
Verlag Steidl GmbH & Co. OHG
Dateigröße 407 KB
Übersetzer Hans-Christian Oeser
Verkaufsrang 7661

Kundenbewertungen

Durchschnitt
2 Bewertungen
Übersicht
2
0
0
0
0

Glück im Unglück...
von Rezensent aus BW am 16.11.2020
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Mit Beginn der Lektüre begeben wir uns in die 1870-er Jahre nach Tennessee, einem Bundesstaat im Süden der USA. Der amerikanische Bürgerkrieg ist schon seit einigen Jahren vorbei, aber die Nachwehen sind noch zu spüren. Die Konföderierten haben den Krieg zwar verloren, doch Plünderer, Vagabunden, düstere Gestalten, raue U... Mit Beginn der Lektüre begeben wir uns in die 1870-er Jahre nach Tennessee, einem Bundesstaat im Süden der USA. Der amerikanische Bürgerkrieg ist schon seit einigen Jahren vorbei, aber die Nachwehen sind noch zu spüren. Die Konföderierten haben den Krieg zwar verloren, doch Plünderer, Vagabunden, düstere Gestalten, raue Unionssoldaten und besiegte Grauröcke lungern herum und rebellieren gegen die neuen Verhältnisse in den Südstaaten, mit denen sie sich nicht anfreunden wollen. „Die geschlagenen Rebellen standen auf, standen überall wieder auf.“ (S. 36) Soviel zum Setting. Und jetzt zum Inhalt: Die Indianerin Winona erzählt uns rückblickend ihre Geschichte. Ihre Familie, Angehörige des Stammes der Lakota, wurde getötet, als sie ca. sechs Jahre alt war. Sie selbst wuchs anschließend als Waisenkind bei den homosexuellen Unionssoldaten Thomas McNulty, einem Iren und John Cole, einem Farmer mit indianischen Vorfahren, auf einer Farm in Tennessee auf. Thomas und John arbeiteten, genauso wie Rosalee, die stämmige schwarze Haushälterin und deren Bruder Tennyson, beide ehemalige Sklaven, auf Lige Magans Farm, die genau so viel abwarf, dass die ungewöhnliche kleine Wohngemeinschaft gerade so über die Runden kam. Ungewöhnlich? Ja, denn diese sechs Menschen, Thomas, John, Rosalee, Tennyson, Winona und der Farmbetreiber Lige, waren eine zusammengewürfelte Randgruppe, die der erzkonservativen Bevölkerung von Tennessee ein Dorn im Auge war: Zwei Homosexuelle, einer davon mit indianischen Wurzeln, eine Indianerin, zwei Ex-Sklaven und ein Farmer, der diese Leute bei sich arbeiten und wohnen ließ. Ungewöhnlich aber auch, weil diese Menschen ein bewunderns- und nachahmenswertes Vorbild für Solidarität, Loyalität, Freundschaft, Liebe und Toleranz darstellten. Winona lernte Englisch, um im nahegelegenen Städtchen Paris, Tennessee nicht verprügelt zu werden, denn „eine Indianerin zu schlagen war kein Verbrechen, ganz und gar nicht.“ (S. 11). Natürlich war das nicht der einzige Grund, weshalb das Mädchen diese Sprache erlernte ;-) Aber es war tatsächlich so, dass die englische Sprache in gewisser Weise ein Schutzschild war. Die Diskriminierung der Indianer und die latente Gefahr, der sie ausgesetzt waren, war eine unumstößliche Tatsache und auch Ex-Sklaven hatten keine Rechte und fielen Ungerechtigkeiten, Willkür und Abwertungen zum Opfer. Winona trägt eine Zerrissenheit in sich, die sie intuitiv gelöst hat. Es geht dabei um die Vereinbarkeit der Liebe zu ihrer getöteten Ursprungsfamilie und zu ihren fürsorglichen Ziehvätern, die als Soldaten möglicherweise an deren Ermordung beteiligt waren. Das Mädchen erinnerte sich oft an ihre liebevolle und mutige Mutter, die an den Winterabenden im Tipi Geschichten erzählte und an ihre Schwester, mit der sie draußen in der Prärie unter dem Sternenzelt spielte bevor das Unglück, geschah. Gleichzeitig fühlte sie sich zärtlich verbunden mit ihren zuverlässigen und auf ihre Art liebevollen „Adoptivvätern“ Thomas und John, die ihr Halt gaben und Orientierung boten. „John, der Kiel meines Bootes, Thomas die Ruder und die Segel.“ (S. 201) Dieses daraus resultierende innere Dilemma, das sie, wie gesagt, gut gelöst hat, beschreibt Winona eindrücklich: „Sie haben mir die Wunde zugefügt und sie geheilt, was eine unumstößliche Tatsache ist.“ (S. 13) Winona lernte nicht nur Englisch, wie oben erwähnt, sondern auch schreiben und rechnen und als sie alt genug war, bekam sie eine Anstellung beim ca. 60-jährigen freundlichen und gerechten Anwalt Briscoe, der sein Büro im ca. sieben Kilometer entfernten Paris, Tennessee, hatte und der ihre Begeisterung für Bücher weckte. Eines Tages lernte die inzwischen ca. 17-jährige Winona den um zwei Jahre älteren Jas Jonski, einen Weißen polnischer Abstammung, kennen. Er war Verkäufer in einem Geschäft für Trockenwaren, in dem sie regelmäßig einkaufte. Sie verliebten sich ineinander, er wollte sie heiraten, aber John Cole „wurde wütend wie ein Wels. „Kommt nicht in Frage, Madam!“sagte er.“ (S. 18) Auch Mr. Hicks, der Chef von Jas und seine Mutter, sind alles andere als begeistert davon, dass Jas jemanden heiraten möchte „der einem Affen näher steht als einem Menschen“. (S. 20) Eines Tages passierte es dann doch. Trotz der Englischkenntnisse. „Die Rothaut“ Winona wurde in der Stadt verprügelt und übel zugerichtet. Thomas und John forderten ausgleichende Gerechtigkeit, „weil das einzige von Wert, was sie besaßen, versehrt worden war.“ (S. 22) Aber es war ja „ohnehin kein Verbrechen, eine Indianerin zu schlagen“. (S. 22) Ihre Vermutung bzgl. Täter behielt Winona für sich, damit John Cole nicht auf die Idee kam, sie zu rächen, wofür er gehängt worden wäre. Winona, von den meisten Stadtbewohnern als Wilde betrachtet, die einer Wölfin ähnlicher ist, als eine Frau, beschloß, „die Sache selber in die Hand zu nehmen.“ (S. 25) ...und dann wurde auch noch Tennyson, der ehemalige Sklave, brutal zusammengeschlagen... Es ist schmerzhaft und fast unerträglich, zu lesen, dass Winona, die von ihren „Adoptivvätern“ aufrichtig geliebt und fast wie eine Prinzessin betrachtet und behandelt wurde, so viel Abwertung und Missgunst von vielen Anderen ausgesetzt war. „Ich war geringer als die Geringsten unter ihnen. Ich war geringer als die Huren im Hurenhaus...Ich war geringer als die schwarzen Fliegen, die einen im Sommer verfolgten. Geringer als die alte Scheiße, die hinter die Häuser geschüttet wurde.“(S. 26) Die traumatisierte jugendliche Ich-Erzählerin Winona beschreibt die raue Welt, in der sie aufgewachsen ist und lebt, mal poetisch zart, mal hart und direkt. Bisweilen spricht Sie ihre Leserschaft direkt an und bezieht sie mit ein. Sie erzählt nüchtern, leichtfüßig, ungeschönt und ohne jegliche Sentimentalität. Nur so ist es ihr, wie nach traumatischen Erlebnissen üblich, überhaupt möglich, über ihre erschütternde und traurige Geschichte zu sprechen. Die gefühlskarge Darstellung verstärkt dabei die emotionale Reaktion im Leser. Der Autor schreibt seinen Roman in einer wunderschönen bildgewaltigen Sprache mit wortgewandten Formulierungen und anschaulichen Metaphern, die immer wieder zum Innehalten und nochmaligen Lesen Anlass geben. Der 1955 geborene, irischer Autor Sebastian Barry, hat mit „Tausend Monde“ einen abenteuerlichen Roman geschrieben, der an Menschlichkeit, Nächstenliebe und Toleranz appelliert und in dem es auch um grundlegende Fragen, z. B. Vereinbarkeit von Hass und Liebe, Solidarität, Rache, Aushalten von Nichtwissen und Verwirrung sowie Identität geht. Der Roman ist ein Highlight. Er sorgte für unterhaltsame, packende, gleichzeitig spannende und entspannende, sowie informative Lesestunden. Die Lektüre war mich Lesefreude und Lesegenuss pur!

Winonas Weg
von Kaffeeelse am 06.11.2020
Bewertet: Einband: gebundene Ausgabe

Sebastian Barry und seine wundervolle Schreibe!!! Schon in "Tage ohne Ende" habe ich diese Schreibe bewundern und lieben dürfen. Als ich hörte, dass ein neuer Barry kommt und dass darin Winona erzählt, das Indianermädchen, das Thomas McNulty und John Cole im wunderschönen "Tage ohne Ende" adoptiert hatten, freute mich riesig. Un... Sebastian Barry und seine wundervolle Schreibe!!! Schon in "Tage ohne Ende" habe ich diese Schreibe bewundern und lieben dürfen. Als ich hörte, dass ein neuer Barry kommt und dass darin Winona erzählt, das Indianermädchen, das Thomas McNulty und John Cole im wunderschönen "Tage ohne Ende" adoptiert hatten, freute mich riesig. Und das Freuen war nicht umsonst. Was für eine wunderbare Fortsetzung! Dadurch, dass Winona hier erzählt, hat diese Fortsetzung/diese Geschichte einen anderen Klang als "Tage ohne Ende", einen jüngeren Klang, aber auch einen Klang aus einer anderen Welt. Denn genau aus einer solchen stammt ja Winona, aus der sie leider brutal fortgerissen wurde, was man ihr natürlich anmerkt. Diesen fremden Klang zu erzeugen, ist Sebastian Barry wunderbar in meinen Augen gelungen. Dennoch hat Winona glücklicherweise eine neue Bleibe gefunden, in der sie geliebt und beschützt wird. Dennoch fragt man sich bei der abenteuerlichen Geschichte, ob sie diesen Schutz überhaupt braucht. Ein wunderschönes, unterhaltendes und spannendes Buch! Und noch etwas möchte ich erwähnen, diese wunderschöne Sprache Sebastian Barry. Wie schon im vorigen Buch ist ihm diese perfekt gelungen. Und das Letzte, was ich zu diesem Buch schreiben möchte, "Tausend Monde" ist ein wunderbares Plädoyer gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit, aber auch gegen die Feindlichkeit gegen andere Gesinnungen. Dennoch würde ich mich freuen, mit jemandem reden/schreiben zu können, der dieses Buch gelesen hat. Das Ende war etwas eigenwillig und ich würde gern wissen, wie andere dieses Ende aufnehmen. ... Dennoch bekommt dieses Buch 5 volle Punkte von mir und ein herzliches Danke an den Autor für diese schöne Unterhaltung!!! Natürlich ist damit wohl klar, dass mein Bücherregal Zuwachs aus der Feder von Sebastian Barry bekommt. Wen wunderts ?!?!

  • Artikelbild-0