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Acker auf den Schuhen

Roman

Querverlag

Als das ganze Dorf zusammenkommt, um der Beerdigung der ältesten Tochter der Familie Schütter beizuwohnen, spricht keiner über die Vermutungen, die Gerüchte, die Mutmaßungen, wie Susann ums Leben gekommen ist. Weder die mittlere Schwester Betty noch die jüngste Anne, erst recht nicht die Eltern, die stets darum bemüht sind, den Erwartungen dieser streng katholischen Gegend nachzukommen und um jeden Preis alles unter den Teppich zu kehren, was sie in irgendeiner Weise von der Normalität dieser ländlichen Gemeinde abweichen lassen könnte. So war es immer, so ist es auch heute, so wird es immer sein. In Acker auf den Schuhen erzählt die Hamburger Autorin Peggy Wolf eine kraftvolle und beengende Geschichte von der Macht gesellschaftlicher Zwänge und kirchlicher Moralvorstellungen.
Portrait
1971 in Wernigerode (Harz) geboren, studierte in Leipzig und London Bibliothekswesen. Seit 2000 Journalistin und freie Autorin. Bisherige Veröffentlichungen: Sternenlieder und Grabgesänge (2006) über die britische Schriftstellerin Vita Sackville-West und Fahnenflucht (2007), ein Band mit Kurzgeschichten, die vom Alltag der DDR erzählen. Acker auf den Schuhen ist ihr erster Roman.
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Beschreibung

Produktdetails

Format ePUB i
Kopierschutz Nein i
Seitenzahl 184 (Printausgabe)
Erscheinungsdatum 25.08.2014
Sprache Deutsch
EAN 9783896565655
Verlag Querverlag
Dateigröße 376 KB
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Großer Familien- und Dorfroman
von einer Kundin/einem Kunden am 28.10.2014
Bewertet: Kunststoff-Einband

Ein Familien- und Dorfroman mit hoher sprachlicher Qualität, den Charakteren verpflichtet, vielleicht norddeutsch, vielleicht einer, der überall auf dem Land spielen kann. Peggy Wolf erzählt konzentriert die Geschichte einer Familie zwischen Dumpfheit und Trauer, zwischen Erduldung und Verachtung. Die Autorin bewahrt die Ruh... Ein Familien- und Dorfroman mit hoher sprachlicher Qualität, den Charakteren verpflichtet, vielleicht norddeutsch, vielleicht einer, der überall auf dem Land spielen kann. Peggy Wolf erzählt konzentriert die Geschichte einer Familie zwischen Dumpfheit und Trauer, zwischen Erduldung und Verachtung. Die Autorin bewahrt die Ruhe, die für das Leben im Dorf gelten muss. Alles scheint so zu sein, als sei es auf Samt gelegt worden. Es bleibt bis zum Ende so. Peggy Wolf sucht nicht nach Antworten, sondern beschreibt als Beobachterin, was wir kennen oder ahnen. „Acker auf den Schuhen“ ist ein Roman, um sich wiederzuerkennen, ob immer noch auf dem Land oder mittlerweile in der Stadt. Die Ärztin und Tochter Susann kehrt als Selbstmörderin aus Norwegen heim. Mutter Waltraud steht am offenen Sarg ihrer Tochter, und die Beklommenheit springt auf den Leser über. Doch fragt sie bloß: Tragen wir etwa schuld am Tod von Susann? Das darf nicht sein. Es ist aber so. Verteidigung dominiert die Demut. Das Schweigen ist der Mutter Mittel, um sich treu zu bleiben. Von der Mutter geht alles aus, und alle anderen verstehen sich genauso darauf, nicht deutlich werden zu lassen, dass sie verantwortlich sind für die einstige Einsamkeit Susanns oder zumindest Mitverantwortung für den Tod des Mädchens tragen, das Jahre zuvor wohl aus Bequemlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Es fehlt, dass am Sarg über der Toten der Kopf geschüttelt wird, weil sich das Mädchen nicht anpassen konnte. Im Mittelpunkt stehen die Frauen. Die Ehemänner sind krank oder bewegen sich beruflich gut aufgestellt im Leben. Der Pfarrer kettet sich an Prinzipien und liegt im Ruhekissen kirchlicher Moral. Alles ist geregelt. Die Familie ist sich unausgesprochen einig, gemeinsam verdrängen zu müssen und zu können, dass sie Schuld an der Einsamkeit Susanns oder zumindest große Mitverantwortung für den Tod des Mädchens trägt, das Jahre zuvor aus Bequemlichkeit in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Wer nicht dazu passt, wird weggeschlossen. Susann hatte sich Freiheit in der Ferne erhofft, in Norwegen, und konnte ohne ihre Wurzeln nicht weiterleben. Sie kam immerhin zum Entschluss, dass das Leben in Isolation nicht weiter trägt. Der Schwiegersohn, ein Ingenieur, steht derweil nicht in der Gefahr, seiner Frau, Susanns Schwester, fortzulaufen. Eine andere müsste ihm das Bett vorwärmen, bevor sich der Mann an einen Neubeginn wagen würde. Feigheit gehört zum Schauspiel. Interessant ist, dass die Autorin nicht der Gefahr erlegen ist, allerlei Klischees übers Dorf- und Familienleben zu bemühen. Auch darin liegt die Größe des Romans. Es sind die Details und Haltungen der fabelhaften Autorin Peggy Wolf, die dieses beklemmende Buch trotz aller Schwere mit Komik an einigen Stellen sogar liebenswert machen. Also! Die Mutter ist ein Kind ihrer zupackenden Generation. Die konnte und kann sich nicht befreien. Tag für Tag wird sie in ihrem Alltag gefordert. Gespiegelt wird das alte Mutterbild, das derer, die definieren, wie sie als starke Anker für ihre Familie zu sein haben. Eine schwache Mutter würde der Familie den Boden unter den Füßen entziehen. Das geht nicht. So sahen und sehen es diese Mütter. Einzig Susann war zur Analyse in der Lage. Sie grub sich mit Plänen und beruflichen Ansprüchen aus dem Elend der scheinbaren Idylle heraus. Der Tod zeigt die Lieblosigkeit im Elternhaus am Rande der Dorfstraße, in der die Natur aus Vogelgezwitscher, klaren Meinungen über die Anderen und der Versorgungsroutine im Rückzug besteht. Reue darf nicht sichtbar werden. Es muss ja weitergehen …