Meine letzte RezensionHalf His Agevon Jennette McCurdy
Waldo ist keine Figur, die man einfach nur liest – sie fühlt sich viel zu echt dafür an. Sie ist impulsiv, verletzlich, wütend, einsam, manchmal naiv und im nächsten Moment erstaunlich weise. Man merkt sofort, dass sie viel zu früh erwachsen werden musste und den anderen in ihrem Alter oft einen Schritt voraus ist, auch wenn sie dabei immer wieder an sich selbst scheitert.
Was die Geschichte so besonders macht, ist, wie ehrlich diese inneren Konflikte dargestellt sind. Waldo wirkt extrem menschlich – zum Beispiel in diesen kleinen, fast schon banalen Momenten, in denen sie aus Frust Dinge tut, die sie später bereut, wie unnötiges Online-Shopping, obwohl sie genau weiß, dass es keine gute Idee ist.
Im Zentrum steht ihre komplizierte Beziehung zu einem deutlich älteren Lehrer, in dem sie etwas sieht, das andere nicht wahrnehmen. Es entwickelt sich eine intensive, aber unausgewogene Verbindung, die von Sehnsucht, Machtgefälle und emotionaler Abhängigkeit geprägt ist. Gerade dieses Hin und Her, dieses Festhalten und Loslassen, macht die Geschichte so schwer greifbar und gleichzeitig so real.
Am Ende geht es weniger um die Beziehung selbst als um Waldos Entwicklung. Sie beginnt zu verstehen, dass sie mehr verdient und ihr eigenes Leben führen kann – unabhängig davon, woran sie sich zuvor geklammert hat.
Ein Buch, das unangenehm ehrlich ist und genau deshalb so lange im Kopf bleibt.