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H. Jürgens Buchhandlung: Thalia Düsseldorf – Königsallee
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Meine letzte Rezension Unterwerfung von Michel Houellebecq
Die satirische Dystopie zeigt mit soziologischer Genauigkeit die Schwachstellen der westlichen Gesellschaft auf. Bewusst werden dabei vom Autor Ambivalenzen geschaffen - auch in seinen Auftritten. Houllebecq ist die ultimative Waffe des 21. Jahrhunderts und seiner kleingeistigen Mittelmäßigkeit. Die Verbissenheit und Heftigkeit mit der gegen alle Werte angeschrieben wird, zwingt den Leser dazu beim lesen mitzudenken statt bloß stumpf umzublättern. Stilistisch ist Houllebecq dabei eher mittelmäßig, aber - das zeigen auch seine anderen allesamt hervorragenden Romane - ein 1A-Plotter. Mit den Protagonisten - unter deren dünnen zivilisatorischen Firnis sexuelle Frustration lauert, die unverhohlen versuchen aus dem politischen Systemwechsel Kapital zu schlagen - hält der provokante, anregende französische Autor der westlichen Gesellschaft den Spiegel vor. Feinsinnig und durchaus empathisch wird von der individuellen Reise des Verkümmerns erzählt. Dabei wird sowohl mit Humor als auch melancholisch der kollektive Untergang geschildert. Die Sozialkritik ist niemals didaktisch. Der Kapitalismus hat vormalige Familienkonstellationen in Vereinzelung gesprengt. Mitnichten wird hier billig provoziert, sondern auf intelligente und unterhaltsame Weise zum Nachdenken angeregt. Präzise Schilderungen und eine ungeschönte Darstellung machen den Roman zu einer unterhaltsamen Lektüre.
ab 22,99 €
Produktbild Unterwerfung
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Unterwerfung

Die satirische Dystopie zeigt mit soziologischer Genauigkeit die Schwachstellen der westlichen Gesellschaft auf. Bewusst werden dabei vom Autor Ambivalenzen geschaffen - auch in seinen Auftritten. Houllebecq ist die ultimative Waffe des 21. Jahrhunderts und seiner kleingeistigen Mittelmäßigkeit. Die Verbissenheit und Heftigkeit mit der gegen alle Werte angeschrieben wird, zwingt den Leser dazu beim lesen mitzudenken statt bloß stumpf umzublättern. Stilistisch ist Houllebecq dabei eher mittelmäßig, aber - das zeigen auch seine anderen allesamt hervorragenden Romane - ein 1A-Plotter. Mit den Protagonisten - unter deren dünnen zivilisatorischen Firnis sexuelle Frustration lauert, die unverhohlen versuchen aus dem politischen Systemwechsel Kapital zu schlagen - hält der provokante, anregende französische Autor der westlichen Gesellschaft den Spiegel vor. Feinsinnig und durchaus empathisch wird von der individuellen Reise des Verkümmerns erzählt. Dabei wird sowohl mit Humor als auch melancholisch der kollektive Untergang geschildert. Die Sozialkritik ist niemals didaktisch. Der Kapitalismus hat vormalige Familienkonstellationen in Vereinzelung gesprengt. Mitnichten wird hier billig provoziert, sondern auf intelligente und unterhaltsame Weise zum Nachdenken angeregt. Präzise Schilderungen und eine ungeschönte Darstellung machen den Roman zu einer unterhaltsamen Lektüre.

Meine Lieblingswerke

  • Produktbild Fleisch ist mein Gemüse
    • H. Jürgens
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    5/5

    Fleisch ist mein Gemüse

    Dieses Buch sollte jedem Satelliten, der unser Sonnensystem verlässt, beigelegt werden. Aliens hätten dann eine klare Vorstellung von der bestmöglichen Literatur, die sie auf unserem Planeten finden können. In dem Erstlingswerk von Heinz Strunk – der von Freunden, Kollegen & Fans Heinzer genannt wird - verarbeitet dieser seine eigene Lebensgeschichte. Der Erzähler des hier vorliegenden Buches ist unverkennbar Heinz Strunk. Dabei schont er weder sich noch seine Leser und mutet ihnen einiges zu. Manchmal changiert sein Debüt an der Grenze zum Voyeurismus. Der formalistische Ansatz den Strunk wählt, weiß zu überzeugen. Das Werk ist in Jahreszahlen eingeteilt. Der Roman beginnt im Jahre 1985, da ist der Autor gerade mal 23 Jahre alt. Zwölf Jahre später endet es, da ist Strunk schon 35 Jahre alt. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass in diesen zwölf Jahren so gut wie gar nichts passiert. Von Anfang an begibt er sich mutwillig in eine Außenseiterrolle, die er bis zum Ende des Buches durchhält. Die einzige bemerkenswerte Entwicklung, die der Protagonist durchmacht, ist, dass er einer veritablen Spielsucht verfällt. Das Verharren der Figur in ihren Verhaltensmustern ist sicherlich etwas, was man Strunk vorwerfen kann. Dennoch wirkt gerade diese Schwäche sympathisch und macht ihn nahbar. Gerade die phlegmatische Art macht den Text einzigartig, da keine Heilsgeschichte geschildert wird, sondern authentische Verzweiflung und Lebensunwille. Dabei gibt es auch einige humoristische Elemente. Wenn der Autor von einer amourösen Begegnung mit einer Dame erzählt und sie den Annäherungsversuch mit den Worten “Das lassen wir mal lieber” brüsk ablehnt, ist das für alle Beteiligten schwer erträglich. Die Beobachtungsgabe von Strunk trägt nicht unmaßgeblich zum Lesevergnügen bei. Die Beschreibungen der “Landjugend mit Musik” und seiner Bevölkerung ist von beinahe beängstigender Präzision. Durch den Bildungsgrad und die popkulturellen Anspielungen entsteht eine Art “Mentalitätsstudie” der 80er und 90er Jahre. Im August 1997 endet die Karriere von Heinz Strunk bei der Tanzmusikband Tiffanys, da wohnt seine Mutter schon zwei Jahre bei ihm. Als der Heinzer 39 Jahre alt ist (im Jahre 2001) stirbt seine Mutter. Dennoch ist das Ende des Buches ein versöhnliches und die Karriere von Strunk ging damit erst richtig durch die Decke.

  • Produktbild Ein gerader Rauch
    • H. Jürgens
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    5/5

    Ein gerader Rauch

    Der Schriftsteller Denis Johnson ist hierzulande nahezu unbekannt, gilt aber gemeinhin als "author's author". Johnson war unbestritten einer der wichtigsten US-amerikanischen Schriftsteller. Johnson zeigt Menschen, die in extremen Situationen am Rande der Gesellschaft leben & am Rande der Legalität handeln, oft haben sie nicht mehr viel zu verlieren. Mit "Ein gerader Rauch" ist Johnson ein großer Roman gelungen, der lange nachhallen wird. Die Dialoge machen einen Großteil des Buches aus. Das ist ein großes Glück für den Leser denn Johnsons Dialoge sind superb, rasant & komisch. Sein Stil changiert dabei zwischen kaltschnäuzig, galgenhumorig aber zugleich hypersensibel. Es ist nicht leicht, sich in diesem Roman zu orientieren. Die Erzählperspektive wechselt häufig, ebenso ist er nicht linear erzählt. Alle agieren zum einen als Marionetten der Institutionen, zum anderen sind sie darauf aus ihre eigenen Vorteile zu sichern. Einblicke in die Gedanken erhalten die Lesen selten, spielen die Protagonisten miteinander Katz und Maus. Allerdings liegt hierin eine der vielen Stärken. Das Tempo, die Hektik und auch die Richtungslosigkeit charakterisieren exemplarisch den Krieg. Das steigert die suggestive Überzeugungskraft des Werkes enorm. Die sprachliche Gestaltung des Werkes sticht dabei ganz besonders hervor. Johnson schlägt mühelos und mit tiefer poetischer Einsicht die Brücke in die Gegenwart. Das alles macht den Roman auch heute noch sehr gut lesbar & relevant. Die Botschaft ist universell und aktueller denn je. Johnson schildert eindringlich und schonungslos, wie der Krieg die Seele der Soldaten zerstört, und nie wieder loslässt. "Ein gerader Rauch" erkundet dunkle Wahrheiten, begibt sich in die schwärzesten Winkel der Gesellschaft und erforscht die Seele mit einem transzendentalen Aufflackern. Johnson liefert in allen Gattungen äußerst intensive und erhellende Schlaglichter auf unbekannte Aspekte der amerikanischen Gesellschaft. Im Pantheon der Autoren gebührt Denis Johnson ein eigener Raum.

  • Produktbild Der Traum meines Großvaters
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    5/5

    Der Traum meines Großvaters

    Im vorliegenden Buch “Der Traum meines Großvaters", erschienen 2006, beschreibt Lianke, wie ein Dorf an den Spätfolgen einer Blutspendekampagne zu Grunde geht. Schauplatz des Romans ist das Dorf Dingzhuang gelegen in der südlichen Provinz Henan. Henan ist eher landwirtschaftlich geprägt. Obwohl viele kommunistische Kampagnen hier ihren Anfang nahmen, gilt Henan bis heute als verschlossene Provinz mit bäuerlich-konservativen Vorstellungen. Vor diesem bäuerlichen Hintergrund entfaltet sich die Geschichte eines Dorfes. Um mit dem einsetzenden Wirtschaftsboom Schritt zu halten, beginnen die Dorfbewohner in großem Maße Blut zu spenden. Der Aufruf dazu geht von der allmächtigen Partei aus. Die Bewohner des Dorfes sind zunächst den Verlockungen des Kapitalismus erlegen und dem Druck der Partei - für den geneigten Leser ist unverkennbar, dass es sich um die KPCh handelt - nicht gewachsen. Darüber hinaus basiert der Roman auf einer wahren Begebenheit und hierin liegt seine Stärke. Der Roman ist ein literarisches Denkmal für die Opfer. Lianke schafft es dabei, diesen ihre Würde zurückzugeben. Das Schicksal wird dabei nicht voyeuristisch betrachtet, sondern in direkter, manchmal poetischer Sprache geschildert. Einige Jahre später erkranken alle Spender an einer unbekannten Krankheit, die sich später als AIDS herausstellt. Die AIDS-Pandemie dient dabei nur als Rampe, das Buch ist vielmehr ein Familienroman bzw. ein Gesellschaftsporträt. Erzählt wird das Buch aus der Perspektive des Großvaters, der in der Hierarchie des Dorfes eine eher unbedeutende Stellung einnimmt. Sein Sohn Ding Hui hingegen steigt im Zuge einer politischen Kampagne zum reichsten Mann des Dorfes auf. Profitiert er zunächst von der Spendenbereitschaft seiner Mitbürger, verdient er - durch unsaubere Praktiken, die später viele Todesopfer fordern - gar nicht wenig Geld. Als die Todesfälle sich häufen, profitiert er schamlos vom Kapitalismus und macht als Sarghändler einen großen Reibach. Trotz ist Ding Huis Treibstoff, gegen alle Widerstände und Moral gelingt es ihm die soziale Leiter hinauf zu stiegen, bis er schließlich Parteikader wird. Gleichzeitig ist man als Leser aber auch von der Kaltschnäuzigkeit beeindruckt, mit der sich Ding Hui den ändernden Bedingungen anpasst. Die Themen des Romans muten archaisch an, dreht sich in der dörflichen Gemeinschaft doch alles um Ehre und Ansehen. Obwohl es keine Schilderungen von expliziter Gewalt gibt, ist es dennoch ein brutales Buch. Das liegt vornehmlich an den zwischenmenschlichen Konflikten, die sich offenbaren. Wie Lianke es gelingt, aus einer Ressource wie Blut eine solche Geschichte zu stricken, in der der Mensch letzten Endes nur zu Humankapital degradiert wird, ist meisterhaft. Seit der Gründung der Volksrepublik und der damit einhergehenden Herrschaft der Kommunistischen Partei ist es unmöglich, kritische Literatur zu veröffentlichen. Der Schauplatz des Werkes ist für eingeweihte Leser eindeutig als China zu dechiffrieren, dabei wird aber nie Kritik an den herrschenden Verhältnissen geäußert. Daher ist es Lianke nicht hoch genug anzurechnen, einen surrealistisch-gesellschaftskritischen Roman von diesem Format in die Welt zu schicken

  • Produktbild Unterwerfung
    • H. Jürgens
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    5/5

    Unterwerfung

    Die satirische Dystopie zeigt mit soziologischer Genauigkeit die Schwachstellen der westlichen Gesellschaft auf. Bewusst werden dabei vom Autor Ambivalenzen geschaffen - auch in seinen Auftritten. Houllebecq ist die ultimative Waffe des 21. Jahrhunderts und seiner kleingeistigen Mittelmäßigkeit. Die Verbissenheit und Heftigkeit mit der gegen alle Werte angeschrieben wird, zwingt den Leser dazu beim lesen mitzudenken statt bloß stumpf umzublättern. Stilistisch ist Houllebecq dabei eher mittelmäßig, aber - das zeigen auch seine anderen allesamt hervorragenden Romane - ein 1A-Plotter. Mit den Protagonisten - unter deren dünnen zivilisatorischen Firnis sexuelle Frustration lauert, die unverhohlen versuchen aus dem politischen Systemwechsel Kapital zu schlagen - hält der provokante, anregende französische Autor der westlichen Gesellschaft den Spiegel vor. Feinsinnig und durchaus empathisch wird von der individuellen Reise des Verkümmerns erzählt. Dabei wird sowohl mit Humor als auch melancholisch der kollektive Untergang geschildert. Die Sozialkritik ist niemals didaktisch. Der Kapitalismus hat vormalige Familienkonstellationen in Vereinzelung gesprengt. Mitnichten wird hier billig provoziert, sondern auf intelligente und unterhaltsame Weise zum Nachdenken angeregt. Präzise Schilderungen und eine ungeschönte Darstellung machen den Roman zu einer unterhaltsamen Lektüre.

  • Produktbild Erste Liebe – letzte Riten
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    5/5

    Erste Liebe – letzte Riten

    Mit den 1975 veröffentlichten Erzählungen "Erste Liebe - letzte Riten" legte Ian McEwan das Skelett der Literatur frei: Schnell, laut, roh, spärlich und kontrovers. Es handelt sich hier um buchgewordenen Punk Rock. Dabei nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und spricht Themen an, die bei zartbesaiteten Gemütern Unwohlsein auslösen. Die Erzählungen kratzen häufig an der Grenze der sog. "political correctness". Von der vorauseilenden Geisteshaltung der heutigen Zeit ist hier noch nichts zu merken. Das Ian McEwan mit Sicherheit einer der größten Autoren unserer Zeit werden sollte, kann bereits in seinem Erstlingswerk erahnt werden. In seinem literarischen Werdegang ist eine deutliche Entwicklung erkennbar. In seinen späteren Büchern wandte er sich politischeren und nuancierteren Themen zu. Gerade im Lichte dieses Wandels wirken seine beiden sehr, sehr guten Erzählungsbände - "Zwischen den Laken" der andere - wie literarische Schocker. Die Erzählungen sind gothic-artige Kunstwerke, die phasenweise durchaus beunruhigend sind. Liebe ist eine gefährliche Geschichte wie McEwan - und nun auch seine Leser wissen. Ian McEwans anarchische Gefühlslandschaften sind makaber, und dabei von großer, beeindruckender Kunstfertigkeit. Die Schlaglichter werden hier auf die Abgründe der menschlichen Seele gerichtet. Die Erzählungen werden sämtlich von Ich-Erzählern geschildert, dadurch wirken sie unmittelbarer & die beklemmende Wirkung wird nicht unmaßgeblich verstärkt. Jede Form von Subkultur wird früher oder später zwangläufig in den Kommerz gespült. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich McEwan diesem Genre nochmals zu wendet.

  • Produktbild Atomstation (Steidl Pocket)
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    5/5

    Atomstation (Steidl Pocket)

    In "Atomstation" wendet sich der Literaturnobelpreisträger wortgewaltig gegen die Stationierung US-amerikanischer Raketen auf Island, die Nebenhandlung behandelt die Heimholung der sterblichen Überreste des Nationalhelden Jonas Hallgrimsson. Dabei ist ein herausragendes Werk von Weltformat entstanden. Der Roman kann als theologischer, philosophischer aber auch als politischer Kommentar gelesen werden. Ein derart vielseitiges und durchdachtes Buch - wie es kaum ein zweites gibt - ist einzigartig in der Literatur. Die Kapitel in "Atomstation" setzen hart und unvermittelt ein, und brechen ebenso hart und unvermittelt ab. Laxness erzählt schnell, beinahe nervös und ruhelos. Vom gemächlichem epischen Erzählen, wie in "Sein eigener Herr" kann nicht die Rede sein. Der Autor selbst durchlief eine künstlerisch & weltanschaulich eigenwillige Entwicklung. Zunächst stark vom Katholizismus beeinflusst, wandte er sich dann dem Kommunismus zu - der manchmal auch hier durchblitzt - um in seinen letzten Lebensjahren ein reiner Ästhet zu werden. Halldor Laxness schildert das Streben nach sozialer Verbesserung sprachlich ausgereift. Im Mittelpunkt seines Gesamtwerkes steht der getretene & ausgebeutete Mensch. Man merkt Laxness das Interesse & auch Leidenschaft an aktuellen politischen Fragestellungen an, dabei hat er die Materie durchdrungen, jedoch droht diese auch sein künstlerisches Werk zu behindern. Durch den polemischen Witz wird die Gefahr abgemildert, da Laxness ein ehrliches Interesse an seinen Figuren hat und sie dann doch in einem versöhnlichen Licht darstellt. Dabei ist Ironie, als Mittel der Herrschaftskritik allgegenwärtig. Durch die satirische Überzeichnung der politischen Vorgänge ist der Roman ein literarisches Bravourstück.

  • Produktbild Die Stadt und die Hunde
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    5/5

    Die Stadt und die Hunde

    Mario Vargas Llosa war einer der wirkmächtigsten Autoren. In seinem Werk gibt es neben Konstanten auch Neuerungen und inhaltliche & stilistische Richtungswechsel. Ein Schwerpunkt seines Schaffens ist die Darstellung der Gesellschaft seines Heimatlandes Peru. Der Nobelpreisträger war ein dezidiert politischer Autor. Die Protagonisten in seinem Debütroman von 1963 reiben sich an der Oberflächlichkeit & Doppelmoral der Welt. Zahlreiche Perspektivwechsel & Zeitsprünge kennzeichnen das Erstlingswerk des peruanischen Autors. Der Leser benötigt neben detektivischen Spürsinn auch eine aktive Rezeptionshaltung, um ein deutlich konturiertes Bild des Zeitgeistes & der Personen zu gewinnen. Zweifellos zählt der Roman zu den brillantesten & erzähltechnisch komplexesten Romanen. Die jungen Männer sollen in der Militäranstalt zu hypermaskulinen Mitläufern geformt werden. Getreu dem Motto: “Du zählst nichts, das Kollektiv zählt alles!” werden Verrat & Ungehorsam drakonisch bestraft. Auch von den Insassen selber. Von den Offizieren unerkannt, bauen die Insassen erfolgreich eine Parallelgesellschaft auf, in der es klare Regeln gibt und ein Verstoß hart geahndet wird. Gerade die militärischen Befehlsketten und Hierarchiestrukturen machen das Buch zu einer zeitlosen Lektüre. Mario Vargas Llosa autoritätskritische, libertäre Grundhaltung zieht sich durch den Roman. “Die Stadt und die Hunde” ist ein Gesellschaftspanorama, dass die brisante Thematik von sozialer Ungleichheit, Diskriminierung, Männlichkeitswahn & Doppelmoral spannend verdichtet.

  • Produktbild Watchmen
    • H. Jürgens
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    5/5

    Watchmen

    Alan Moore - der sich selbst als Anarchist & praktizierender Magier versteht - hat einen unverwechselbaren Beitrag zur Entwicklung der Comicliteratur geleistet. Er hat sämtliche Klischees und Erzählstrategien auf links gedreht. Seine bedeutendste Arbeit ist, die von Dave Gibbons gezeichnete, kontrafaktische Miniserie "Watchmen". Die beiden dekonstruieren sämtliche gängigen Klischees des Superheldengenres. Moore arbeitet mit zahlreichen Anspielungen & Verweisen, die auch der Hochkultur entstammen. Bereits der Titel verweist auf den römischen Satirendichter Juvenal, der dem durchschnittlichen Comicleser kaum bekannt sein dürfte. Ebenso wählt die Hauptfigur einen Decknamen der auf das gleichnamige Gedicht von Percy Bysshe Shelley rekurriert. Einer der kommerziell erfolgreichsten Comics, wird "Watchmen" sowohl durch die differenzierte Charakterisierung, als auch seine komplexen Struktur vorbildhaft. Der mit Rückblicken & Nebenhandlungen angereicherte Plot, dreht sich um die Verhinderung eines eschatologischen Atomkriegs. Dabei werden die Protagonisten nicht schwarz-weiß gezeichnet, sondern bekommen durch ihre persönlichen Eitelkeiten, psychischen Defekte und zweifelhafte Moral einen menschlichen, realistischen Zug. Alan Moore erweist sich hier als postmoderner Autor im besten Sinne, zu dessen vornehmlichen Merkmalen unter anderem die Aneignung literarischer Stoffe/Figuren der Vergangenheit gehören. Sein Werk ist tief in der Popkultur und Trivialität verhaftet. Das beständige Pendeln zwischen Subkultur & Mainstream ist zu Moores Markenzeichen geworden.

  • Produktbild Diese gottverdammten Träume
    • H. Jürgens
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    5/5

    Diese gottverdammten Träume

    Der sehr umfangreiche Roman gliedert sich in vier Teile und beginnt mit einem Prolog. Das Erzähltempo ist zunächst eher gemächlich. Russo führt seine Figuren ein und schildert ausführlich deren bisheriges Leben. Ab der Hälfte des Buches wird die Handlung komplexer und unübersichtlicher. Im Schlussteil des Buches überschlagen sich dann die Ereignisse. Das Ende ist spektakulär und verglichen mit dem Rest des Buches sehr schnell erzählt. Schließlich endet Empire Falls sehr amerikanisch mit einem happy end. Das über-konstruierte Ende ist aber auch das einzige Manko, eines ansonsten tadellosen Buches. Eines der zentralen Motive dieses Gesellschaftsromans ist Erfolglosigkeit. Die tragenden Figuren entstammen sämtlich der Unter- oder Mittelschicht. Der Niedergang von Empire Falls lässt sich an den handelnden Personen und deren Leben ablesen. Die Arbeiterschaft – eine Gesellschaftsschichte die eigentlich gar nicht mehr existiert – befindet sich im Niedergang. Empire Falls steht hierbei – ähnlich wie Detroit – exemplarisch für den Niedergang ehemaliger Industriestädte. Das zweite Leitmotiv des Romans stellt (unerfüllte) Liebe dar. Ein Gebiet auf dem jeder Erfahrungen gesammelt hat. Viele der handelnden Figuren stehen in unterschiedlichen Beziehungsebenen zueinander. In dem Roman entwirft Russo ein Kleinstadt-Soziotop mit verqueren, kauzigen Figuren. Jeder der Protagonisten ist glaubwürdig gezeichnet. Für seine Charakterentwicklung muss Russo Tribut gezollt werden. Russo besitzt ein tiefes Interesse an seinen Figuren, dieses kann er dem Leser auch vermitteln. Die humorvollen und präzisen Beobachtungen sind so genau, dass sie soziologische Studien ersetzen. Die Schilderung des Innenlebens der Figuren & ihrer Probleme zeugt von großem Einfühlungsvermögen. Dieses dann auch noch schriftstellerisch umzusetzen ist wahrlich beeindruckend. Die allgemeine Ereignislosigkeit bewegt die Dorfbewohner dazu sich in erster Linie über andere Gedanken zu machen und diese (Nicht-)Gedanken ungefragt mitzuteilen. Naturgemäß ist der Austausch von Klatsch enervierend, aber durch die kunstfertige Verknüpfung mit essenziellen Problemen und Sorgen, wirkt es hier authentisch und nicht aufgesetzt. Russo beweist eindrucksvoll, dass umfangreiche, anspruchsvolle Gesellschaftsromane literarisch immer noch relevant sind.

  • Produktbild Zeitzuflucht
    • H. Jürgens
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    5/5

    Zeitzuflucht

    Für seinen Roman Zeitflucht ist der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinov 2023 mit dem International Booker Prize ausgezeichnet worden. Zeitzuflucht ist eine Mischung aus Roman & autobiographischer Erzählung. Der Aufbau kommt konventionell daher, inhaltlich jedoch ist es ein Roman, der seinesgleichen sucht. Die Idee ist originell, ohne dabei unglaubwürdig zu sein. Der namenlose Ich-Erzähler trifft auf den anscheinend alterslosen Gaustin. Besagter Gaustin hat die erstaunliche Geschäftsidee, die Vergangenheit wortwörtlich wieder aufleben zu lassen. Dazu benötigt er jedoch einen Partner. Die beiden eröffnen eine Klink in Zürich, später dann expandieren sie in andere europäische Länder. Dabei wird schnell deutlich, dass es sich hierbei nur um die Rampe für den politischen Überbau handelt. Schnell wird die Idee politisch instrumentalisiert. Der Roman spielt auf verschiedenen Zeitebenen und geschickt mit diesen. Dadurch bekommt der Roman eine Meta-Ebene, die Gospodinov gezielt einsetzt. Das politische Element ist zunächst subtil eingewoben, bevor es im weiteren Verlauf immer deutlicher zu Tage tritt. Das sorgt auch maßgeblich dafür, dass Gospodinov keine skurrile, abgedrehte SciFi-Geschichte schreibt, sondern ein seriöses politisches Buch. Es kommt in den Ländern Europas zu einem “Vergangenheitsreferendum”. Der Kampf um die Lufthoheit über den Stammtischen wird unerbittlich von linken & rechten Gruppierungen geführt. Es wird deutlich, dass der zweitälteste Konflikt der Menschheitsgeschichte lange nicht beendet oder ausgestanden ist. An keiner Stelle wirkt das Narrativ jedoch abgedroschen oder floskelhaft. Der Konflikt von Linken & Rechten, kann ebenfalls als Konflikt von West & Ost gelesen werden. Dem Hort des Pluralismus, steht der Hort des Populismus gegenüber. Der Westen hat seine Werte verraten, sagt der Osten. Der Osten hat die sog. westlichen Werte nicht verinnerlicht, sagt der Westen. Gospodinov baut zahlreiche popkulturelle Anspielungen ein, die teilweise nur für Eingeweihte zu verstehen sind. Die hellsichtigen klaren Gedanken, die wie Selbstverständlichkeiten klingen, es aber nicht sind, stechen besonders hervor. Die kurzweilige, gelungene Länderkunde gehört zu den großen Vergnügungen des Romans. Wie es dem Autor gelingt die Mentalitäten der jeweiligen Länder herauszudestillieren – frei von Plattitüden - ist bereichernd und präzise beobachtet. Natürlich hat ein starkes Buch auch Schwächen. Nach einiger Zeit wirkt die nostalgische Rückwärtsgewandheit redundant und ermüdend. Das ist dann allerdings der einzige Pferdefuß eines ansonsten überaus gelungen Buches. Aus der nostalgischen Melancholie speist sich allerdings auch ein Teil der Suggestivität des Buches. Gospodinov ist politische Literatur im vordergründigen Sinne gelungen, die aber nicht verblasst, weil kein konkretes politisches Thema behandelt wird. Die Allgemeingültigkeit sorgt dafür, dass das Werk eine Relevanz und Tiefe besitzt, die vielen zeitgenössischen Romanen abgeht.

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