Meine letzte RezensionUnterwerfungvon Michel Houellebecq
Die satirische Dystopie zeigt mit soziologischer Genauigkeit die Schwachstellen der westlichen Gesellschaft auf. Bewusst werden dabei vom Autor Ambivalenzen geschaffen - auch in seinen Auftritten. Houllebecq ist die ultimative Waffe des 21. Jahrhunderts und seiner kleingeistigen Mittelmäßigkeit. Die Verbissenheit und Heftigkeit mit der gegen alle Werte angeschrieben wird, zwingt den Leser dazu beim lesen mitzudenken statt bloß stumpf umzublättern. Stilistisch ist Houllebecq dabei eher mittelmäßig, aber - das zeigen auch seine anderen allesamt hervorragenden Romane - ein 1A-Plotter. Mit den Protagonisten - unter deren dünnen zivilisatorischen Firnis sexuelle Frustration lauert, die unverhohlen versuchen aus dem politischen Systemwechsel Kapital zu schlagen - hält der provokante, anregende französische Autor der westlichen Gesellschaft den Spiegel vor. Feinsinnig und durchaus empathisch wird von der individuellen Reise des Verkümmerns erzählt. Dabei wird sowohl mit Humor als auch melancholisch der kollektive Untergang geschildert. Die Sozialkritik ist niemals didaktisch. Der Kapitalismus hat vormalige Familienkonstellationen in Vereinzelung gesprengt. Mitnichten wird hier billig provoziert, sondern auf intelligente und unterhaltsame Weise zum Nachdenken angeregt. Präzise Schilderungen und eine ungeschönte Darstellung machen den Roman zu einer unterhaltsamen Lektüre.