Meine letzte RezensionWann ist ein Mann ein Mann?!von Riccardo Simonetti
Was bedeutet es eigentlich, ein Mann zu sein? Genau dieser Frage geht Riccardo Simonetti in seinem Buch „Wann ist ein Mann ein Mann?“ nach. Dabei beschäftigt er sich mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit und hinterfragt, welche Erwartungen an Männer gestellt werden.
Simonetti zeigt, dass Geschlechterrollen nicht einfach angeboren sind, sondern von klein auf erlernt werden. Kinder erfahren bereits durch ihre Eltern, im Kindergarten und in ihrem sozialen Umfeld, welches Verhalten als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ gilt. Besonders kritisch betrachtet Simonetti die Vorstellung, dass Männer stark sein und ihre Gefühle möglichst nicht zeigen sollten. Er stellt die Frage, ob solche Normen Männern tatsächlich helfen oder ob es nicht sinnvoller wäre, traditionelle Vorstellungen von Männlichkeit aufzubrechen.
Dabei wird das Buch auch sehr persönlich. Simonetti berichtet von seinen eigenen Erfahrungen und davon, dass ihm aufgrund seines eher androgynen Auftretens häufig seine Männlichkeit abgesprochen wurde. Dadurch wird deutlich, wie stark gesellschaftliche Vorstellungen darüber bestimmen können, wer überhaupt als „männlich“ wahrgenommen wird. Auch die Frage, was es bedeutet, ein schwuler Mann zu sein, nimmt in seinen Überlegungen einen wichtigen Platz ein.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist Simonettis Betrachtung der Anerkennung unter Männern. Er beschreibt, dass der Status als „richtiger Mann“ häufig erst erarbeitet werden müsse. Status, Muskeln, beruflicher Erfolg oder andere Eigenschaften können dabei eine Rolle spielen. Dadurch entsteht ein Leistungsdruck, der Männer dazu bringen kann, ständig beweisen zu wollen, dass sie den gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit entsprechen.
Besonders abwechslungsreich sind die Interviews am Ende der einzelnen Kapitel. Simonetti stellt bekannten Personen aus der deutschen Öffentlichkeit jeweils 15 Fragen zum Thema Mannsein. Dadurch kommen unterschiedliche persönliche Erfahrungen und Sichtweisen zu Wort und die Gedanken aus den Kapiteln werden um weitere Perspektiven ergänzt.
Insgesamt spricht Riccardo Simonetti mit seinem Buch viele spannende und wichtige Themen an und regt dazu an, die eigenen Vorstellungen von Männlichkeit zu hinterfragen. Besonders interessant sind dabei seine persönlichen Erfahrungen und die Frage, wie sehr unser Bild vom „typischen Mann“ tatsächlich gesellschaftlich geprägt ist. Allerdings bleiben einige der angesprochenen Themen etwas oberflächlich. An manchen Stellen hätte ich mir eine ausführlichere Auseinandersetzung mit den komplexen Fragen rund um Geschlechterrollen und Männlichkeit gewünscht oder weniger Themen über die gesprochen wird.
Trotzdem bietet „Wann ist ein Mann ein Mann?“ einen guten Einstieg in die Auseinandersetzung mit modernen Vorstellungen von Männlichkeit und regt dazu an, über die Erwartungen nachzudenken, die Männer – bewusst oder unbewusst – an sich selbst und andere stellen.