Meine letzte RezensionElektra, die hell Leuchtendevon Jennifer Saint
Jennifer Saint erzählt in ihrem Roman Elektra. Die Helleuchtende die Geschichte rund um den Trojanischen Krieg aus drei unterschiedlichen Perspektiven: Klytämnestra, der Ehefrau Agamemnons und Schwester Helenas, Elektra, der Tochter von Klytämnestra und Agamemnon, und Kassandra, der Prinzessin von Troja. Durch diesen Perspektivwechsel bekommt man nicht nur verschiedene Einblicke in die Handlung, sondern auch in die Gedanken und Gefühle der drei Frauen.
Besonders spannend ist, dass alle drei ganz unterschiedliche Ansichten über den Trojanischen Krieg haben. Trotzdem kann man die Beweggründe jeder einzelnen Figur nachvollziehen. Klytämnestra hat ihre erstgeborene Tochter durch Agamemnon verloren. Während er in den Krieg zieht, übernimmt sie die Herrschaft in Mykene und wird zunehmend von ihrer Trauer und ihren Rachegedanken bestimmt. Ihr Wunsch, Agamemnon nach seiner Rückkehr zu töten, erscheint dadurch nicht einfach nur grausam, sondern wird verständlich, wenn man ihre Geschichte und ihren Schmerz kennt.
Elektra hingegen steht vollkommen auf der Seite ihres Vaters. Sie hat zunächst eine eher kindliche Sicht auf die Welt und versteht die Entscheidungen und Konflikte der Erwachsenen nicht vollständig. Während Agamemnon in Troja ist, fühlt sie sich von ihrer Mutter vernachlässigt und wünscht sich eigentlich nur, dass ihr Vater zurückkommt. Dadurch entwickelt sie eine starke Bindung zu ihm und sieht ihn ganz anders als ihre Mutter.
Die dritte Perspektive gehört Kassandra, der Prinzessin von Troja. Sie besitzt die Gabe der Visionen und die Zukunft vorherzusehen. Immer wieder versucht sie, die Menschen um sich herum vor dem drohenden Unheil zu warnen. Doch niemand glaubt ihr.
Durch die drei Perspektiven entsteht eine besondere Spannung. Obwohl sich die Ansichten der Frauen teilweise völlig widersprechen, wirken ihre Motive jeweils nachvollziehbar. Man fiebert deshalb mit jeder erzählenden Figur mit, obwohl man im nächsten Kapitel die Perspektive wechselt und eine ganz andere Sichtweise kennenlernt. Während man gerade noch Verständnis für Klytämnestras Rache empfindet, kann man im nächsten Kapitel Elektras Sehnsucht nach ihrem Vater nachvollziehen.
Genau dieser Wechsel hat Elektra. Die Helleuchtende für mich besonders spannend gemacht. Die drei Frauen stehen mit ihren Überzeugungen und Gefühlen teilweise direkt gegeneinander, und trotzdem hat jede von ihnen ihre eigene Wahrheit. Dadurch gibt es nicht einfach eine klare Seite, auf der man als Leser dauerhaft steht.
Insgesamt hat mir besonders gefallen, wie Jennifer Saint die bekannten Figuren der griechischen Mythologie menschlich und vielschichtig darstellt. Der Roman zeigt, dass es bei Konflikten nicht immer nur eine richtige oder falsche Sichtweise gibt. Trauer, Liebe, Loyalität und Rache können Menschen zu völlig unterschiedlichen Entscheidungen führen. Durch die drei Perspektiven wird der Trojanische Krieg nicht nur als großes historisches Ereignis erzählt, sondern vor allem als persönliche Tragödie der Menschen, die von ihm betroffen sind.