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Lukas Becker Buchhandlung: Thalia Köln-Braunsfeld
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Meine letzte Rezension Nelka von Svenja Leiber
Svenja Leiber erzählt in ihrem neuen Roman eine Geschichte, die unter die Haut geht und dort bleibt. Nelka, eine sechzehnjährige Ukrainerin aus Lemberg, wird 1941 von deutschen Soldaten verschleppt und auf einem norddeutschen Gutshof zur Zwangsarbeit gezwungen. Doch Leiber erzählt nicht von Zwangsarbeit als historisches Faktum — sie erzählt von ihr als körperliches und seelisches Trauma, das über Jahrzehnte nachwirkt. Das Besondere an diesem Roman ist die Balance zwischen Dunkelheit und Leichtigkeit. Leiber schreibt so poetisch und unsentimental zugleich, dass sie der Leserin eine Distanz ermöglicht, die das Buch trotz aller Kriegsgrauels zu einem wunderbaren Leseerlebnis macht. Nelkas Wissen über den Apfelanbau — von ihrem Vater gelernt — wird zur Waffe und zur Überlebensstrategie. Nach dem Krieg wird dieses erpresste Wissen dem Gutsverwalter zu Reichtum, während Nelka mit dem Trauma lebt. Fünfzig Jahre später kehrt Nelka zurück. Nicht zur Rache, sondern zur Heilung. Sie will sich ihrer Vergangenheit stellen und ihrem Peiniger in die Augen sehen — jetzt als freier Mensch. Leiber zeigt, wie Frauen ihre Würde bewahren: durch das, was sie wissen, durch Freundschaft, durch kleine Akte der Selbstbestimmung. Ein Roman über Weiterleben, über die Kraft, sich selbst endlich befreien zu müssen. Herzzerreißend und federleicht zugleich — eine Leseempfehlung, die nachwirkt.
ab 24,00 €
Produktbild Nelka
5/5
  • Lukas Becker
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Nelka

Svenja Leiber erzählt in ihrem neuen Roman eine Geschichte, die unter die Haut geht und dort bleibt. Nelka, eine sechzehnjährige Ukrainerin aus Lemberg, wird 1941 von deutschen Soldaten verschleppt und auf einem norddeutschen Gutshof zur Zwangsarbeit gezwungen. Doch Leiber erzählt nicht von Zwangsarbeit als historisches Faktum — sie erzählt von ihr als körperliches und seelisches Trauma, das über Jahrzehnte nachwirkt. Das Besondere an diesem Roman ist die Balance zwischen Dunkelheit und Leichtigkeit. Leiber schreibt so poetisch und unsentimental zugleich, dass sie der Leserin eine Distanz ermöglicht, die das Buch trotz aller Kriegsgrauels zu einem wunderbaren Leseerlebnis macht. Nelkas Wissen über den Apfelanbau — von ihrem Vater gelernt — wird zur Waffe und zur Überlebensstrategie. Nach dem Krieg wird dieses erpresste Wissen dem Gutsverwalter zu Reichtum, während Nelka mit dem Trauma lebt. Fünfzig Jahre später kehrt Nelka zurück. Nicht zur Rache, sondern zur Heilung. Sie will sich ihrer Vergangenheit stellen und ihrem Peiniger in die Augen sehen — jetzt als freier Mensch. Leiber zeigt, wie Frauen ihre Würde bewahren: durch das, was sie wissen, durch Freundschaft, durch kleine Akte der Selbstbestimmung. Ein Roman über Weiterleben, über die Kraft, sich selbst endlich befreien zu müssen. Herzzerreißend und federleicht zugleich — eine Leseempfehlung, die nachwirkt.

Meine Lieblingswerke

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    • Lukas Becker
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    Foto auf Anfrage

    Simon Chevrier gelingt mit seinem Debüt ein beeindruckendes Porträt einer Generation, die zwischen Rastlosigkeit und Sehnsucht nach Halt navigiert. Der namenlose Protagonist driftet durch ein prekäres Leben in einer französischen Großstadt während der Pandemie — Jobsuche, flüchtige Begegnungen, ständiger Ortswechsel — bis ihn die Fotografie eines unbekannten Mannes in den Bann zieht und zur Obsession wird. Das Besondere an Chevriers Erzählung ist ihre Ungeschütztheit. Ohne Pathos oder Beschönigung lässt er uns an diesem fragmentierten Alltag teilhaben, während er gleichzeitig eine faszinierende Verbindung zur Chelsea-Hotel-Bohème der 1970er und 80er Jahre knüpft. Die Recherche nach Daniel Schook wird zur Suche nach sich selbst — eine Frage nach Identität, Zugehörigkeit und dem Versuch, durch die Verbrüderung mit dem Gestern Halt im Heute zu finden. Chevrier schreibt mit einer Präzision, die zwischen Gegenwart und Geschichte, zwischen digitaler Oberflächlichkeit und emotionaler Tiefe oszilliert. Die Referenzen von Hujar über Wojnarowicz bis zu Annie Ernaux sind keine bloßen Name-Drops, sondern Ankerpunkte einer queeren Kulturgeschichte, die der Roman subtil durchwebt. Dass die Académie Goncourt diesen Roman mit ihrer höchsten Ehrung für einen Debütroman ausgezeichnet hat, ist verdient. Ein schonungsloses, berührendes Buch über Verletzlichkeit und die Suche nach Bedeutung in einer fragmentierten Welt.

  • Produktbild Wir Töchter
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    Wir Töchter

    Oliwia Hälterleins Debütroman „Wir Töchter" ist eines dieser seltenen Bücher, das sich anfühlt wie eine Entdeckung. Es erzählt die Geschichte von drei Frauen – Marianna, Róza und Waleria – deren Leben sich über zwei Jahrhunderte und zwei Länder erstreckt, doch niemals voneinander losreißen können. Was sofort fasziniert: die poetische Dichte der Sprache. Hälterlein schreibt bildlich und emotional, ohne dabei je in Sentimentalität zu verfallen. Sie erzählt von Bauernhöfen unter polnischen Kiefern, von der Solidarnosc-Revolution, von einer Mutter, die ihre Muttersprache aufgibt, um ihrer Tochter ein besseres Leben zu schenken. Und von einer Tochter, die diese Opfer erst verstehen lernt, als sie selbst kinderlos bleibt und sich fragt: Was bedeutet es, die Letzte zu sein? Das Buch ist ein Meisterwerk der Verflechtung – persönliche Schicksale werden zur Zeitgeschichte, Zeitgeschichte wird zur Familie. Migration, Identität, das Frausein in verschiedenen Epochen, die internalisierten Widersprüche zwischen Dankbarkeit und Entfremdung – alles ist hier präsent, ohne je belehrend zu wirken. Ein Roman, der bleibt. Und der mich persönlich auf vielen Ebenen berührt und an meine eigene Kindheit zwischen Heimat und Deutschland erinnert hat.

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