Alle haben sie dieselbe Frau geliebt, die nun nicht mehr ist: ein Politiker, ein Chefredakteur, ein Komponist. Als desto gegensätzlicher erweisen sich ihre Ambitionen: Ein Freundschaftspakt wird zum Teufelspakt, als es in Amsterdam zum Showdown kommt. Ian McEwan erhielt 1998 den Booker-Preis für diese ebenso witzige wie gnadenlose Geschichte über die Mechanismen der Medien und der Macht.
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Ein Spiegel auf bestimmtes gesellschaftliches Handeln
Hervorragend aufgebaute Geschichte, die einen Spiegel auf bestimmtes gesellschaftliches Handeln richtet.
Am Anfang ist die Beerdigung von Molly Lane, Ehefrau des Verlegers George Lane. Hauptprotagonisten sind drei ihrer ehemaligen Liebhaber, Clive, Vernon und Julian - Komponist, Chefredakteur, Politiker (Ausseminister).
Clive und Vernon sind alte Freunde. Julian mögen sie nicht. George hat nichts für die drei Ex-Liebhaber übrig. Die Freundschaft von Clive und Vernon wird durch einige Vorkommnisse und auch durch Befindlichkeiten belastet. Sie schliessen einen Freundschaftspakt, streiten sich, suchen Versöhnung. Immer wieder im Zentrum des Geschehens die Erinnerung an Molly. Ihr Mann George spielt ebenfalls eine bedeutende Rolle. Amsterdam ist der Titel - dort gelangt alles zur Auflösung.
Während der Erzählung begleitet man Clive bei der Arbeit - der schöpferischen, bei der er auf der Suche nach den Melodien für seine neue Musik ist, dem Niederschreiben der Noten. Den Zeiten, in denen er nicht arbeiten kann. Mit Vernon kann man die Arbeit in der Redaktion des Judge begleiten, den Druck die Auflag zu steigern, die Sitzungen. Begegnungen und Diskussionen zwischen den beiden Freunden über ihre Erlebnisse, über Julian und George.
In der Geschichte zeigen sich verschiedene sehr spezifische gesellschaftliche “Gesichter”. Es geht um Gerechtigkeit, Ansehen und was “man” tut, um Erfolg zu haben und sich behaupten zu können. Die Medien und wie sie sich orientieren sind ebenfalls im Brennpunkt - ausgesprochen spannend, mit dem McEwan eigenem Humor und Zynismus aufbereitet.
Ich bin einmal mehr begeistert von der Sprache, der Vielseitigkeit und dem Einfallsreichtum des Autors. Das Buch ist spannend zu lesen, zum Nachdenken anregend. Wie in den anderen Werken, die ich gelesen habe, konnte ich auch hier nichts vorwegnehmen. Immer wieder ungemein überrascht. Man wird sich unweigerlich Fragen stellen, Gedanken machen, ohne dass eine Moral vorgezeichnet ist.
Eine grosse Leseempfehlung.
Mrs. Garmony (Ehefrau von George, Chirurgin) in einem Fernsehinterview: “Nein, sagte Mrs. Garmony, und sie sei froh, ein für allemal klarstellen zu können, dass das Gerücht jeglicher Grundlage entbehre. Molly Lane sei nichts weiter als eine Freundin der Familie …” Vernon hatte gerade sein Büro durchquert, um das Gerät auszuschalten, als die Chirurgin gefragt wurde, ob sie für den Chefredakteur des Judge eine besondere Mitteilung habe. Ja, sagte sie und dann blickte sie ihn an, und er blieb wie angewurzelt vor dem Bildschirm stehen. “Mr. Hallyday (Vernon), Sie haben die Denkungsart eines Erpressers und das moralische Format eines Flohs”. Vernon stöhnte auf vor schmerzhafter Bewunderung, denn von griffigen Wendungen verstand er nun wirklich etwas.
Anja Matthies
aus Bielefeld
5/5
10.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Ein toller Roman über Liebe und...
Ein toller Roman über Liebe und Intrigen
Bewertung
5/5
02.08.2017
Buch (Taschenbuch)
Hass, Liebe, Freundschaft und der Tod
Ein Chefredakteur, ein Politiker, ein Komponist. Drei Männer lieben dieselbe Frau. Auf deren Beerdigung treffen sie aufeinander, schließen zunächst Freundschaft, schlittern dann aber auf ein grausiges Ende zu.
Voller Ironie und Sarkasmus erzählt McEwan die Geschichte von drei Männern, deren Leben langsam, aber beständig, aus den Fugen gerät. Grandios, gnadenlos und urkomisch. Ein Roman, der fesselt und Spaß macht. Vor allem gegen Ende holt McEwan, wie man es von ihm gewohnt ist, noch einmal alles heraus und zeigt, wie schnell aus Freundschaft Hass wird und wie sich das Leben durch einen schicksalhaften Moment komplett verändern kann. Ein Roman, der in einem Feuerwerk endet, der umhaut und sprachlos macht!
Polar
aus Aachen
5/5
27.03.2008
Buch (Taschenbuch)
Männer unter sich
Als Leser von Ian McEwan entdeckt man in diesem Roman eine neue Seite des Autors. Er ist komisch. Faszinierte er in seinen Romanen zuvor vor allem durch einen scharfen Blick, seine rücksichtslosen Schlussfolgerungen, die seine Helden in die Niederlage trieben, sieht man ihn in Amsterdam einem oft zuzwinkern. So geht es da draußen in der Welt zu, scheint er zu sagen: Männer teilen sich Frauen, die Politik ist ein dreckiges Geschäft und die Presse ist gierig auf Fotos von Männern in Frauenkleidern, um die Auflage zu steigern. Doch selbst hinter der lächerlichen Bloßstellung von Komponisten, angehenden Premierministern, verwitweten Verlegern blitzt McEwans Kunst auf Menschen dabei zu zeigen, wie sie sich zerstören. Unbeschwert vermischt er gleichzeitig Themen wie Sterbehilfe, Vergewaltigung, Serienmord, die Gesetze politischer Intrigen, ohne Gefahr zu laufen, dabei abzustürzen. In einem fulminanten Crescendo steigert er das alles zu einem rituellen Selbstmord zweier Männer in einem Hotel. Lügen, Verrat, Verlust und am Ende ist man erleichtert, dass man diese Welt verlassen darf. Nachdem der Bogen gespannt ist, kommt McEwan wieder bei sich selbst an.
MEva
aus Düsseldorf
4/5
08.09.2024
Buch (Taschenbuch)
Faszinierendes Katz- und Mausspiel
Mein erstes Buch von Ian McEwan hat mich absolut gefesselt. Es ist großartig geschrieben, schlüssig durchdacht und zeigt die Tiefe der menschlichen Rechtfertigung in Hinblick auf Moral und Erfolg. Anfangs ist es etwas schwierig die Charaktere auseinanderzuhalten, trotzdem hat es mich schnell gepackt und in seinen Bann gezogen. Sehr empfehlenswerte Charakterstudie von vier Männern auf sehr wenigen Seiten. Ich bin beeindruckt!
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4/5
16.03.2016
Buch (Taschenbuch)
Schön böse Geschichte über Sterbehilfe....
Schön böse Geschichte über Sterbehilfe. Etwas überkonstruiert.
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