Achtzig Stichworte greift Roland Barthes auf, deren sich das liebende Subjekt bedient – von »Abhängigkeit« bis »Zugrundegehen«, von »Zärtlichkeit« bis »anbetungswürdig«. Es entsteht eine Art Topik der Liebesbeziehung aus lauter kleinen, in sich geschlossenen Elementen, sogenannten Figuren, die einen belanglosen Zwischenfall wie zum Beispiel das Ausbleiben eines Telefonanrufs ebenso umfassen wie die verzückte Hingerissenheit der Liebe auf den ersten Blick.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Schenken Sie Ihren alten Schätzen ein zweites Leben: Einfach Barcode scannen, Versandetikett ausdrucken, Bücher verschicken und Thalia Geschenkkarte erhalten.
Es handelt sich, wie der Titel sagt, um Fragmente, die sich im Kopf zusammensetzen wie ein Mosaik. Und so wie im Mosaik die Füllmasse die Mosaiksteine verbindet, so hat die Phantasie der Leserin, des Lesers Raum, die Einzelteile zu verbinden, heisst: Leserin und Leser kommen im Text vor, sind unverzichtbar. Sie erzählen vom "ich", vom "du", vom "wir". Auch vom Ungesagten. Von Verbindung, Kreation, Austausch. Und so erzählen die Fragmente sehr viel über das Wesen der Liebe.
Bewertung
5/5
23.12.2011
Buch (Taschenbuch)
lesbare philologie
wenn man ein wirklich hilfreiches buch zu diesem thema sucht ist man hier bestens versorgt, es bietet sich eine klare analyse der methoden und möglichkeiten von liebeshandlungen und deren verarbeitungen nicht nur in literarischen sondern auch philosophischen texten
für den lesegenuss der anderen art kann man selbst sorgen, wenn man sich die essays zur hand nimmt, wenn man selbst verliebt ist
doch dann kann ich aufgrund der doch sehr dringlichen sprache nicht garantieren, dass man über sich selbst lacht oder weint
Es ist ein Problem aufgetreten. Bitte laden Sie die Seite neu und versuchen es noch einmal.
5/5
07.09.2024
Buch (Taschenbuch)
"Die Liebe ist eine Illusion, vor der man fortan auf der Hut sein muss"
Die Liebe vermag die Liebenden bekanntlich sprachlos zu machen, sodass der von Roland Barthes beabsichtigte Versuch, gerade jene Sprache zu entziffern, die von den Liebessubjekten ausgeht, scheinbar paradox daherkommt. Barthes geht es hier weniger um das dialogische Verhältnis zweier Liebende, als vielmehr um den inneren Monolog, welchen Liebende mit sich selber führen. Um jenes imaginäre Meer von Sprachanwandlungen, die den Liebenden regelrecht überschwemmen können und vor welchem zu fliehen, wie aus einem gedanklichen Käfig, fast unmöglich ist. Aufgrund der fehlenden Kohärenz, die diesen Sprachsystemen zugrunde liegt, sei sie eine fragmentarische Ausdrucksform, die aus lauter Satzbruchstücken besteht. Sie kann kein harmonisches Ganzes ausbilden, da der Liebende durch die vielen unterschiedlichen Zustände, in die ihn seine Liebe bringt, auch entsprechend viele Figuren bilde, so Barthes.
So facettenreich das Liebesgefühl sich zu äußern vermag, so unterschiedlich stellt sich auch die jeweilige Sprachfigur dar. Roland Barthes will den Begriff der Figur nicht als etwas statisches, sondern vielmehr als einen dynamischen Prozess, einen Dis-cursus, bei dem sich das Subjekt gedanklich ständig bewege, verstanden wissen. Eine Figur unterscheidet sich von einer anderen durch die jeweils verschiedenen, charakteristischen Zeichensysteme, die sie auszeichnen. Für die Beschreibung bedient sich Barthes verschiedener Wissensbereiche, wie der Literatur, aus der er bevorzugt Goethe herausgreift, der Psychoanalyse mit Freud und Lacan, der Philosophie, aber auch der Mystik, um die verschiedensten Zugänge zu vereinen. Alphabetisch präsentiert uns Barthes nun all die Figuren aus denen sich das liebende Subjekt konstituieren lässt.
In Fragmente einer Sprache der Liebe zeigt uns Barthes jedoch nicht nur jene typischen allbekannten Liebesäüßerungen, sondern entwirft auch eine Art Liebesmetaphysik, die aufzeigt wie Liebende in einer Hülle aus Wahrheit eingeschlossen werden können. So erfahren wir im Abschnitt "Wahrheit", der starke Einflüsse von Jean Paul Sarte erkennen lässt, wie ein gegenseitiges Anerkennen dazu führt, dass einzig das liebende Subjekt dazu fähig ist, den anderen in seiner Wahrheit zu erkennen. Die Legitimation der eigenen Person wirkt dadurch scheinbar entäußert. Das eigene Sein muss der Andere immer wieder erschaffen, um die Wahrheit der Liebe kontinuierlich existieren zu lassen. Auf diese Weise leben die Liebenden in einer eingeschlossenen Blase, die von den Liebenden als objektiv angesehen wird und von der Welt als eine bloße Illusion.
"Nicht die Wahrheit ist wahr", schreibt Barthes, sondern "es ist die Beziehung zur Illusion, die wahr wird". Liebe macht daher eigentlich nicht blind, sondern verleiht eine absolute Weitsichtigkeit.
Ein wunderbares Buch, dass sich nur schwer klassifizieren lässt. Es vereint Poetisches mit Prosaischem, bedient sich semiotischer und sprachphilosophischer Werkzeuge und schweift gerne mal in mythische Theorien ab. Hier liegt ein Liebesdiskurs vor, der sicher nicht zu einer Entzauberung der Liebe beiträgt, sondern sie nur umso bedeutender erscheinen lässt
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.