Produktbild: Das Lachen der Thrakerin

Das Lachen der Thrakerin Eine Urgeschichte der Theorie

1

16,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

25.02.1987

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

162

Maße (L/B/H)

17,7/10,6/2 cm

Gewicht

153 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-28252-6

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Taschenbuch

Erscheinungsdatum

25.02.1987

Verlag

Suhrkamp

Seitenzahl

162

Maße (L/B/H)

17,7/10,6/2 cm

Gewicht

153 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-518-28252-6

Herstelleradresse

Suhrkamp Verlag
Torstraße 44
10119 Berlin
DE

Email: info@suhrkamp.de

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  • Zitronenblau

    3/5

    02.09.2012

    Buch (Taschenbuch)

    „Die Welt war da, als der erste Mensch den Kopf hob.“

    Das vorliegende Buch trägt im Untertitel – und der war auch der Grund für mich, das Buch zu lesen –: „Eine Urgeschichte der Theorie.“ Nun schreibt Blumenberg eingangs: „Die Urgeschichte der Theorie werden wir weiter entbehren müssen, weil wir von ihr nichts wissen können. Es fehlte der theoretische Antrieb, von ihr Kunde zu hinterlassen. EINE Urgeschichte der Theorie kann DIE Urgeschichte nicht ersetzen, nur daran erinnern, was uns entgangen ist.“ Man kann das Buch nun wieder zuschlagen oder aber man liest weiter; ich habe letzteres getan. Im Grunde geht es um die antike Anekdote, wie Thales von Milet (Vorsokratiker) bei astronomischen Beobachtungen in den Himmel blickte und dabei in einen Brunnen fiel, woraufhin eine thrakische Magd spöttelte: Er strenge sich an, Dinge im Himmel zu erkennen, von dem aber, was ihm vor Augen und vor den Füßen liege, habe er keine Ahnung.“ Dies ist eine bekannte Stelle aus Platons Theaitetos. Wir können schon jetzt Zweifel am Beginn der Theorie bzw. des theoretischen Denkens hegen, sofern wir eine gewisse Definition von ihr haben, aber warum verwendet Blumenberg diese Anekdote für seine Urgeschichte? Er schreibt: „Der theoretische Durchbruch ist hier zum erstenmal, wie so oft nachher in der Wissenschaftsgeschichte, ein Richtungswechsel der Aufmerksamkeit: das Unbeachtete in die Beachtung zu ziehen.“ D.h. durch den Blick hinauf in den Himmel, in die Sterne ist ursprünglich überhaupt der Mensch sich einer Stellung (die freilich im Laufe der Geschichte sich verändert) im Kosmos bewusst, er beginnt, Fragen zu stellen, die Welt zu verstehen. Der Brunnen ist dabei zum einen Symbol nicht etwa einer Hybris des Menschen sondern vielmehr des Hindernisses im menschlichen Bestreben sich die Welt im Geiste zu erschließen, zum anderen ist er aber auch eben das schon vom Menschen gemachte, dass daher nicht mehr „entdeckt“ werden muss. Blumenberg untersucht nun die Interpretationsweisen der Anekdote in der Philosophie- und Geistesgeschichte. Dabei spielt das Lachen der Thrakerin eine besondere Rolle: in der ursprünglichen Fassung wirkt die Magd zynisch, Thales solle lieber praktisch leben als theoretisch sinnen, dann passieren solche Dinge nicht. Sie macht sich – wie auch – gar keine Vorstellung von dem, was das Denken des Thales für das Denken überhaupt bedeutet. Dass nämlich Naturwissenschaft auch dazu verhilft, Brunnen zu bauen... Bei Diogenes Laertius vertauschen sich die Blickrichtungen: „Du kannst nicht sehen, Thales, was dir vor den Füßen liegt, und wähnst zu erkennen, was am Himmel ist?“ Hier wirft sie ihm also Hybris vor. Blumenberg konstatiert: „Die thrakische Magd ist symbolisch geworden für ein ständig wiederkehrendes Problem der Philosophie: in der Theorie nicht selbstvergessen aufzugehen, mit der Vernunft nicht Sinnlosigkeit zu produzieren.“ Er geht sogar soweit zu behaupten, dass Thales Protophilosoph sei und man zwar denken können ohne zu sehen, nicht aber sehen ohne zu denken: Urfaktum der Philosophie. Mit Nietzsche wird Thales zum Widersacher des Mythos. Die Untersuchung endet mit einer Frage darüber, warum ausgerechnet die Philosophen immer wieder das Echo des Lachens der Thrakerin nachhallen lassen: ein eigenartiger Masochismus?

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