Enormen Widerständen zum Trotz begann 20 Jahre nach Kriegsende die Hauptverhandlung gegen 22 Beteiligte der Todesmaschinerie Auschwitz. Dieser Prozess gab dem Abstraktum Auschwitz ein Gesicht – sowohl den schmerzvoll um Erinnerung ringenden Opfern wie den sich der Erinnerung verweigernden Tätern. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass die mitgeschnittenen Aussagen der insgesamt 359 Zeugen nicht gelöscht wurden. 60 Jahre nach der Befreiung des Lagers wurden die erschütternden Berichte der Opfer zu einer berührenden Collage zusammengefügt – ein Tondokument von unschätzbarem Wert. UngekürztFeature mit Gerd Wameling, Matthias Haase 1 CD | ca. 55 min
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5.0/5.0
Igelmanu66
aus Mülheim
5/5
01.09.2017
Hörbuch (CD)
Sehr intensives Tondokument
Und ich sagte meiner Frau (ich war mit Frau und drei Kindern, drei Töchterchen): Tut nichts, Hauptsache, dass wir fünf zusammen sind. Und wir werden schon sehen, wie wir weiterkommen. Kaum sagte ich das, tritt schon ein anderer Soldat zwischen uns und sagte: Männer nach rechts, Frauen nach links.
Eigentlich sollte es dieses Tondokument überhaupt nicht geben. Die Tonbandaufnahmen, die die Aussagen der 359 Zeugen des ersten Ausschwitz-Prozesses festhielten, waren ursprünglich nur zur »Stützung des Gedächtnisses« während des Verfahrens gedacht. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass sie nicht gelöscht wurden. 50 Jahre nach dem Prozess machte sich das Fritz-Bauer-Institut an die Aufbereitung der Bänder.
»Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!« ist ein Zusammenschnitt einiger Aussagen, eingefasst von passenden Sachinfos. Vor allem die Zeugenaussagen Überlebender gehen an die Nieren, was man da hört, ist kaum zu ertragen.
Es ist das Wissen um die unglaublichen Grausamkeiten und Verbrechen, die das Zuhören schwermachen. Wenn da etwa ein Mann schildert, wie er frisch angekommen und noch nicht begreifend, was auf ihn zukommen wird besorgt darauf hinweist, dass er zwei kleine Zwillingstöchter hat, die besonderer Fürsorge bedürfen und er daraufhin die Anweisung bekommt, dies dem anwesenden Arzt zu berichten, der niemand anders ist als Dr. Mengele, dann brauche ich eine Pause, es geht nicht mehr anders.
Es ist nicht nur das, was gesagt wird. Es ist die Art, wie es geschieht. Und auch das, was nicht gesagt wird, setzt einem zu, weiß man doch, was geschehen ist.
Deutlich erkennbar wird auch, wie der Prozess das Leben der daran Beteiligten verändert hat. Wenn man hört, wie der Vorsitzende sein Schlusswort unterbrechen muss, wie sein Stimme bricht, dann ahnt man, dass er im Anschluss nicht nach Hause fahren und weiterleben konnte, wie zuvor.
Fazit: Sehr intensives Tondokument. Geht an die Nieren, sollte man sich im Kampf gegen das Vergessen aber antun.
Igelmanu
aus Mülheim
5/5
01.09.2017
Hörbuch (CD)
Und ich sagte meiner Frau…
Und ich sagte meiner Frau (ich war mit Frau und drei Kindern, drei Töchterchen): „Tut nichts, Hauptsache, dass wir fünf zusammen sind. Und wir werden schon sehen, wie wir weiterkommen.“ Kaum sagte ich das, tritt schon ein anderer Soldat zwischen uns und sagte: „Männer nach rechts, Frauen nach links.“ Eigentlich sollte es dieses Tondokument überhaupt nicht geben. Die Tonbandaufnahmen, die die Aussagen der 359 Zeugen des ersten Ausschwitz-Prozesses festhielten, waren ursprünglich nur zur »Stützung des Gedächtnisses« während des Verfahrens gedacht. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass sie nicht gelöscht wurden. 50 Jahre nach dem Prozess machte sich das Fritz-Bauer-Institut an die Aufbereitung der Bänder. »Weinen Sie nicht, die gehen nur baden!« ist ein Zusammenschnitt einiger Aussagen, eingefasst von passenden Sachinfos. Vor allem die Zeugenaussagen Überlebender gehen an die Nieren, was man da hört, ist kaum zu ertragen. Es ist das Wissen um die unglaublichen Grausamkeiten und Verbrechen, die das Zuhören schwermachen. Wenn da etwa ein Mann schildert, wie er – frisch angekommen und noch nicht begreifend, was auf ihn zukommen wird – besorgt darauf hinweist, dass er zwei kleine Zwillingstöchter hat, die besonderer Fürsorge bedürfen und er daraufhin die Anweisung bekommt, dies dem anwesenden Arzt zu berichten, der niemand anders ist als Dr. Mengele, dann brauche ich eine Pause, es geht nicht mehr anders. Es ist nicht nur das, was gesagt wird. Es ist die Art, wie es geschieht. Und auch das, was nicht gesagt wird, setzt einem zu, weiß man doch, was geschehen ist. Deutlich erkennbar wird auch, wie der Prozess das Leben der daran Beteiligten verändert hat. Wenn man hört, wie der Vorsitzende sein Schlusswort unterbrechen muss, wie sein Stimme bricht, dann ahnt man, dass er im Anschluss nicht nach Hause fahren und weiterleben konnte, wie zuvor. Fazit: Sehr intensives Tondokument. Geht an die Nieren, sollte man sich im Kampf gegen das Vergessen aber antun.
Ma Toes
aus Wien
5/5
25.01.2014
Hörbuch (CD)
Zu einem Feature...
...verarbeitete Tondokumente des Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963-1965, wobei die mitgeschnittenen Aussagen (so ist zu lesen) nur zufällig nicht gelöscht wurden.
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